Der Briefkasten bleibt leer. Nicht einen Tag, nicht zwei — sondern Woche für Woche. Eine Frau aus Baden in Niederösterreich wandte sich an die Redaktion: “Ich wohne in Baden, meine Nachbarn und ich bekommen bereits seit drei Wochen keine Post mehr.” Weder adressierte Behördenschreiben noch Zeitschriften landeten in den Kästen, auch Werbeprospekte blieben aus.
Was sie am meisten beunruhigt, ist der aufgetürmte Rückstand: “Was mit diesem Rückstand passiert, will ich gar nicht wissen — wird wahrscheinlich alles auf dem Müll landen.” Auch aus dem benachbarten Laxenburg kursierten auf Facebook ähnliche Schilderungen. Wie konnte es dazu kommen, und was unternimmt die Österreichische Post AG dagegen?
Baden im Juli 2026: Wie der Ausfall von 14 Postmitarbeitern eine Stadt ohne Post ließ
Auf Anfrage bestätigte die Österreichische Post AG die Probleme schriftlich. “Tatsächlich gab es in den letzten Wochen leider Probleme bei der Zustellung in Baden und der Höchststand der Personalausfälle lag bei 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern”, sagte Gloria Kohlmaier, Sprecherin der Österreichischen Post AG. Vierzehn Stellen — das ist bei einer regionalen Zustellbasis keine Kleinigkeit.
Betroffen waren sowohl adressierte Sendungen wie Behördenpost und Abonnementzeitschriften als auch unadressierte Werbezustellungen. Der Ausfall traf ein Stadtgebiet, das auf regelmäßige Zustellung angewiesen ist — gerade in einer Zeit, in der Zahlungsvorschreibungen und Mahnschreiben noch immer per Briefpost verschickt werden.
Krankenstände und Urlaubszeit: Die doppelte Ursache des Personalengpasses
Die Gründe für den Einbruch sind laut Post-Sprecherin Kohlmaier zweierlei: “Wir hatten einen unvorhergesehenen Anstieg an Krankenständen und auch die Urlaubszeit ist in vollem Gange.” Beides traf die Zustellbasis Baden gleichzeitig und in einem Ausmaß, das intern nicht sofort aufgefangen werden konnte.
Die Post versuchte gegenzusteuern — mit Unterstützung von anderen Zustellbasen, dem Einsatz externer Transportunternehmen und Mehrleistungen der verbliebenen Belegschaft. “Allerdings kam es trotz dieser Maßnahmen zu Verzögerungen”, räumte die Sprecherin ein. Der Aufwand war demnach real, reichte aber nicht aus.
Mahnschreiben als Worst Case: Was Betroffene zu Recht befürchten
Die betroffene Badnerin fasste das Dilemma präzise zusammen: “Wir fürchten uns schon vor eventuellen Mahnschreiben und Konsequenzen, die wir wahrscheinlich genauso wenig erhalten wie die ursprünglichen Zahlungsvorschreibungen.” Eine fehlende Mahnung schützt rechtlich nämlich nicht vor Verzugszinsen oder weiteren Schritten — das Datum des Versands, nicht des Empfangs, gilt in Österreich in vielen Fällen als maßgeblich.
Wer in den betroffenen Gebieten in Baden oder Laxenburg wohnt und wichtige Schreiben erwartet, sollte bei Behörden, Versicherungen oder Vertragspartnern aktiv nachfragen, ob Fristen oder Sendungen ausstehen. Die Zustellverzögerung entbindet den Empfänger im Regelfall nicht von Handlungspflichten.
Was die Post jetzt tut: 6 neue Zusteller und Sommer-Verstärkung im Einsatz
Die Österreichische Post AG hat inzwischen Gegenmaßnahmen eingeleitet. Kohlmaier nannte konkrete Zahlen:
- Allein in der Woche ab 10. Juli 2026 starteten 6 neue Zustellerinnen und Zusteller in Baden.
- Zusätzlich befinden sich mehrere sogenannte Sommerpostlerinnen und Sommerpostler im Onboarding.
- Beide Gruppen werden laut Post nach umfassender Einschulung in der Zustellung eingesetzt.
- Parallel bleibt die Unterstützung durch andere Zustellbasen und externe Transportunternehmen aufrecht.
“Wir arbeiten intensiv daran, die Situation in diesem Gebiet nachhaltig zu verbessern und eine ordnungsgemäße sowie zuverlässige Zustellung sicherzustellen”, versicherte Kohlmaier. Die Post zeigte sich zuversichtlich, die gewohnte Zustellqualität rasch wiederherstellen zu können.
Erste Sendungen wieder da — aber der Rückstand bleibt das eigentliche Problem
Ein kleines Zeichen der Entspannung: Am Mittwoch, dem 9. Juli 2026, trafen laut der betroffenen Badnerin zumindest erste Sendungen wieder ein. Das ist ein Anfang — aber kein Ende. Denn Wochen an aufgestautem Briefverkehr lassen sich nicht an einem Tag aufholen.
Ob sich die Situation auch in Laxenburg und anderen betroffenen Gemeinden im Bezirk Baden rasch normalisiert, hängt davon ab, wie schnell die neu eingestellten Kräfte einsatzbereit sind. Die Einschulungsphase dauert erfahrungsgemäß mehrere Tage bis Wochen — in dieser Zeit bleibt der Druck auf die bestehende Belegschaft hoch.



