Push-up-BH Comeback: Warum Victoria’s Secret und Y2K den Dekolleté-Trend 2026 neu entfachen

Wien, Sommer 2026: Wer derzeit durch die Schaufenster der Mariahilfer Straße schlendert, sieht sie wieder – tief ausgeschnittene Oberteile, figurnahe Schnitte, und dahinter: der Push-up-BH. Was jahrelang als überholt galt, hängt nun wieder prominent in den Auslagen großer Wäschemarken, zwischen Bralettes und Sport-BHs, als wäre er nie wirklich weg gewesen.

Tatsächlich hatte der Push-up fast ein Jahrzehnt lang einen schweren Stand. Bequemlichkeit war Trumpf, der No-Bra-Look dominierte Social Media, und wer einen geformten BH trug, wirkte fast schon retro. Doch seit Frühjahr 2025 dreht sich das Modekarussell spürbar zurück – und mit ihm stellt sich die Frage, was hinter diesem Wandel steckt und ob er diesmal länger hält.

Der Wonderbra und die 1990er: Woher der Push-up-BH wirklich kommt

Seinen bisher größten kulturellen Moment erlebte der Push-up-BH in den 1990er-Jahren. Der Wonderbra wurde damals zum Symbol einer ganzen Ära: Ein betontes Dekolleté galt als Ausdruck von Selbstbewusstsein und Weiblichkeit, nicht als Unterwerfung unter ein Schönheitsideal.

Dann folgte der Gegenschwung. Schmale, fast androgyne Silhouetten bestimmten die Laufstege der frühen 2000er. Später prägten kurvige Körperbilder der Kardashian-Ära das Schönheitsempfinden einer ganzen Generation. Nun scheint sich das Pendel erneut in Richtung betonter Weiblichkeit zu bewegen – diesmal mit einem Y2K-Unterton.

Y2K-Trend als Treiber: Warum tiefe Ausschnitte 2026 wieder salonfähig sind

Dass der Push-up-BH gerade jetzt zurückkommt, ist kein Zufall. Der anhaltende Y2K-Trend zieht enge Oberteile, tief sitzende Hosen und figurbetonte Schnitte mit sich – alles Stilmittel, die einen formenden BH geradezu verlangen.

“Silhouetten aus den späten 90ern und frühen 2000ern prägen momentan die Mode. Tiefe Ausschnitte, enge Oberteile und körpernahe Schnitte sorgen ganz automatisch für mehr Interesse am Push-up”, erklärte Patricia Beurskens, Creative Brand Director von Hunkemöller, gegenüber dem Schweizer Medium 20 Minuten. Sie betont dabei auch: Frauen müssten heute keinem einzigen Schönheitsideal mehr folgen. Dessous würden zunehmend als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit verstanden – je nach Stimmung, Outfit oder Anlass.

Victoria’s Secret Comeback: 15 Prozent Umsatzplus im ersten Quartal 2026

Keine Marke steht so stark für den Push-up-BH wie Victoria’s Secret. Anfang der 2010er-Jahre war der “Bombshell”-BH ein echtes Must-have, die legendären Fashion Shows prägten das Körperbild einer ganzen Generation. Dann folgte der Absturz: 2016 warb das Unternehmen sogar mit dem Slogan “No Padding Is Sexy Now” – und stellte die berühmte Modenschau wenig später ganz ein.

Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Die Fashion Show ist zurückgekehrt, und wirtschaftlich läuft es für das Unternehmen wieder deutlich besser. Laut Berichten der Berliner Zeitung legte der Umsatz von Victoria’s Secret im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu – ein Wert, der die Branche aufhorchen lässt.

Kein Boom, aber ein klares Signal: Was große Wäschemarken beobachten

Einen regelrechten Verkaufsansturm auf Push-up-BHs gibt es bislang nicht. Das Modell bleibt aber fester Bestandteil der aktuellen Kollektionen großer Wäschemarken – und das in einer Zeit, in der es längst hätte aus den Sortimenten verschwinden können. Für die Branche ist das ein klares Zeichen.

Dazu kommt der Einfluss von Social Media. Zwischen Tradwife-Ästhetik, Y2K-Nostalgie und dem bewussten Inszenieren des eigenen Körpers wird auf Plattformen wie TikTok und Instagram wieder intensiv mit klassischen Weiblichkeitsbildern gespielt. Kylie Jenner etwa rückte das Dekolleté bei der Met Gala 2025 wieder gezielt in den Vordergrund – und löste damit eine Debatte aus, die weit über Fashion-Kreise hinausging.

Modezyklus oder echter Wandel: Was der Push-up-Trend über Körperbilder verrät

Dass der Push-up-BH jetzt zurückauftaucht, ist wohl mehr als bloße Nostalgie. Mode bewegt sich in Zyklen, und das gilt für Dessous besonders: Mal war eine üppige Oberweite das Schönheitsideal, dann dominierten androgyne Silhouetten, dann weiche Natürlichkeit. Heute wechseln diese Bilder innerhalb weniger Jahre.

Was sich verändert hat: Die Erzählung dahinter. Während der Push-up in den 1990er-Jahren oft als Werkzeug zur Erfüllung eines Fremdbildes diskutiert wurde, positionieren ihn Marken heute als eine Option unter vielen – als bewusste Wahl, nicht als Norm. Ob das der entscheidende Unterschied ist, der ihm diesmal Bestand verleiht, bleibt abzuwarten.

Ob sich der Trend bis zur Herbst-Winter-Saison 2026/27 in den Kollektionen weiter verfestigt oder wieder von neuen Silhouetten verdrängt wird, dürfte die Modenschauen der kommenden Monate zeigen.

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