Währinger Straße Wien: 20 Geschäfte ausgeraubt – und die Täter bleiben straffrei

Ein Café an der Währinger Straße, früher Morgen, die Tür aufgebrochen. Die Inhaberin sieht sich die Aufnahmen der Überwachungskamera an und erkennt zwei Jugendliche – ohne Handschuhe, ohne Masken, völlig unbekümmert. Sie haben rund 1.000 Euro aus der Handkasse mitgenommen. Der Schaden an der eingetretenen Tür ist noch höher. Und die Polizei? Kann den beiden wenig anhaben.

Denn die zwei Tatverdächtigen, zwei Syrer im Alter von 12 und 13 Jahren, sind strafunmündig. Ihr Fall steht stellvertretend für eine Serie, die den 18. Bezirk und den angrenzenden Alsergrund gerade in Atem hält – und deren Ausmaß erst durch eine Anfrage des „Kurier” bei der Landespolizeidirektion Wien vollständig ans Licht kam.

20 Einbrüche in wenigen Wochen: Was an der Währinger Straße passiert ist

Laut Auskunft der Landespolizeidirektion Wien wurden innerhalb weniger Wochen insgesamt 20 Geschäfte entlang der Währinger Straße Opfer von Einbrüchen. 16 Taten entfielen dabei auf den 18. Bezirk Währing, 4 weitere auf den benachbarten Alsergrund im 9. Bezirk.

Das Muster ist bei nahezu allen Fällen identisch: Die Täter zerschlagen Fensterscheiben oder Türen, verschaffen sich so Zugang und greifen nach Handkassen, Wechselgeld oder Geräten wie Firmenhandys. Schnell rein, schnell raus – und kaum Spuren, die strafrechtlich verwertbar wären.

Strafunmündige Täter: Was das österreichische Recht erlaubt – und was nicht

In Österreich gilt gemäß § 4 Jugendgerichtsgesetz eine Strafmündigkeit ab dem vollendeten 14. Lebensjahr. Wer jünger ist, kann zwar angezeigt und von der Jugendwohlfahrt erfasst werden – eine strafrechtliche Verurteilung ist jedoch ausgeschlossen. Die betroffenen Café-Besitzerin bestätigte gegenüber dem „Kurier”, dass die beiden Jugendlichen angezeigt wurden. Bedrohlich habe sie den Vorfall nicht empfunden, eher nervig.

Für die Geschädigten ändert das freilich nichts an der materiellen Lage: Der finanzielle Schaden bleibt, der emotionale Druck ebenso. Dass die Täter auf freiem Fuß bleiben und strafrechtlich nicht greifbar sind, empfinden viele Unternehmer entlang der Währinger Straße als zusätzliche Belastung.

FPÖ ortet gescheiterte Sicherheitspolitik in Wien

Die politische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Die Wiener FPÖ sieht in der Einbruchserie einen Beleg für das, was Sicherheitssprecher Stefan Berger als „gescheiterte Sicherheitspolitik in Wien” bezeichnete. Seiner Darstellung nach schieben Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) die Verantwortung gegenseitig hin und her.

Deutlicher wurde FPÖ-Bezirkschef von Währing, Udo Guggenbichler: „Ludwig hat Wien sicherheitspolitisch heruntergewirtschaftet und Karner verwaltet den Personalmangel, anstatt ihn zu lösen”, sagte er. Die Freiheitlichen fordern einen „Kurswechsel in der Wiener Sicherheitspolitik” und nennen konkret zwei Maßnahmen:

  • Senkung der Strafmündigkeit unter das bisherige Mindestalter von 14 Jahren
  • Aufstockung des Personalstands bei der Wiener Polizei, die bereits Verstärkung aus den Bundesländern angefordert hat

Personalmangel bei der Polizei: Ein strukturelles Problem

Dass die Wiener Polizei aktuell Verstärkung aus den Bundesländern erhält, ist kein Zufall. Der Mangel an Beamten in der Bundeshauptstadt ist seit Monaten bekannt und schränkt die Reaktionsfähigkeit bei Kleinkriminalität spürbar ein. Für Unternehmer, die wiederholt Opfer von Einbrüchen werden, bedeutet das: längere Wartezeiten, weniger Kontrolldruck im öffentlichen Raum.

Dabei sind Alsergrund und Währing keine klassischen Brennpunktbezirke. Dass die Einbruchserie gerade dort eskalierte, überrascht Anrainer und Gewerbetreibende gleichermaßen.

Was Gewerbetreibende an der Währinger Straße jetzt wissen müssen

Für betroffene Unternehmer empfiehlt die Wirtschaftskammer Wien grundsätzlich, Einbrüche auch dann vollständig zur Anzeige zu bringen, wenn die Täter strafunmündig sind – denn nur erfasste Fälle fließen in Lagebilder der Polizei ein und können Schwerpunktaktionen auslösen. Versicherungsrechtlich ist die Anzeige ohnehin meist Pflichtvoraussetzung für die Schadensmeldung.

Ob die Landespolizeidirektion Wien nach Bekanntwerden der Serie verstärkte Streifen im Bereich Währinger Straße einsetzen wird, war bis Redaktionsschluss am 18. August 2026 nicht offiziell bestätigt.

Wie es weitergeht: Politischer Druck wächst, rechtliche Lage bleibt ungeklärt

Die Debatte über eine mögliche Absenkung der Strafmündigkeit ist in Österreich nicht neu – sie wird seit Jahren geführt, ohne dass es zu einer Änderung des Jugendgerichtsgesetzes gekommen wäre. Der aktuelle Fall an der Währinger Straße dürfte dieser Diskussion neuen Auftrieb geben, zumal er erstmals konkrete Zahlen und ein klares geografisches Muster liefert.

Ob Bürgermeister Ludwig oder Innenminister Karner auf den Druck der FPÖ mit konkreten Maßnahmen reagieren werden, bleibt vorerst offen.

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