Berliner Senatsverwaltungen: Wie ein Hackerangriff zwei Behörden vom Netz abschnitt

Am Freitag, dem 18. August 2026, fiel in zwei Berliner Senatsverwaltungen von einer Stunde auf die andere praktisch nichts mehr. Keine E-Mails, keine Internetverbindung, kein Homeoffice. Was nach einem gewöhnlichen Serverausfall klingen mag, war in Wirklichkeit ein gezielter Cyberangriff auf das Herz der Berliner Landesverwaltung.

Betroffen sind die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz. Beide Behörden wurden aus Sicherheitsgründen umgehend vom Berliner Landesnetz getrennt. Wann sie wieder regulär arbeiten können, ist derzeit vollkommen offen.

Vom Landesnetz abgetrennt: Was der Angriff konkret bedeutet

Die Abschaltung vom Landesnetz ist keine Vorsichtsmaßnahme der leichteren Art. Sie bedeutet, dass Tausende Mitarbeitende in beiden Senatsverwaltungen weder auf interne Systeme noch auf externe Dienste zugreifen können. Der Tagesspiegel zitierte einen Mitarbeiter der Verkehrsverwaltung mit den Worten: „Wir sind praktisch arbeitsunfähig. An einer Lösung bis morgen glaubt hier kaum einer.”

Laufende Genehmigungsverfahren, Bauanträge, Verkehrsplanungen — all das liegt auf unbestimmte Zeit still. Die Trennung vom Netz ist bewusst gewählt worden, um eine weitere Ausbreitung des Angriffs innerhalb der Berliner Verwaltungsinfrastruktur zu verhindern.

Infiltrierung des Landesnetzes bestätigt

Bei forensischen Untersuchungen wurde laut einem Bericht von n-tv.de, der sich auf die Deutsche Presse-Agentur stützt, eine „Infiltrierung des Landesnetzes” festgestellt. Das ist keine bloße Vermutung, sondern ein gesicherter Befund der ersten technischen Analyse. Wie tief die Angreifer eingedrungen sind, bleibt Gegenstand der laufenden Untersuchung.

Ob dabei Daten abgeflossen sind, ist offiziell noch ungeklärt. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg berichtete jedoch, dass sensible Daten möglicherweise entwendet wurden. Ein förmliches Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet.

Diese Behörden ermitteln jetzt

Der Vorfall zog sofort mehrere Ermittlungsbehörden auf Bundes- und Landesebene auf den Plan:

  • Das Landeskriminalamt Berlin hat die strafrechtliche Ermittlung übernommen.
  • Die Staatsanwaltschaft Berlin leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Computersabotage.
  • Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wurde zur technischen Unterstützung hinzugezogen.
  • Ein Notfallkrisenstab unter Leitung des Landesbevollmächtigten für Informationssicherheit koordiniert die weiteren Schritte.

Das gleichzeitige Einschalten von BSI und Landeskriminalamt zeigt, wie ernst der Angriff eingestuft wird. Das BSI gilt als höchste technische Instanz für Cybersicherheit in Deutschland und wird bei Vorfällen dieser Schwere üblicherweise erst dann aktiv, wenn eine systemische Bedrohung nicht ausgeschlossen werden kann.

Sensible Daten möglicherweise abgeflossen

Die Frage, welche Daten die Angreifer einsehen oder kopieren konnten, ist die politisch brisanteste. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen verwaltet unter anderem Grundstücksdaten, Bebauungspläne und personenbezogene Daten aus Genehmigungsverfahren. Die Verkehrs- und Umweltverwaltung hält Daten zu Infrastrukturplanungen und umweltbezogenen Behördenakten.

Offiziell hält sich der Berliner Senat bislang bedeckt. Die Angabe des RBB, wonach Daten tatsächlich abgeflossen seien, wurde weder bestätigt noch dementiert. Genau diese Unklarheit dürfte den Ermittlungsdruck in den kommenden Tagen erheblich steigern.

Wann die Berliner Verwaltung wieder funktioniert — und was offen bleibt

Der Notfallkrisenstab arbeitet nach eigenen Angaben an einer schrittweisen Wiederherstellung der Systeme. Ein konkreter Zeitplan existiert öffentlich nicht. Die Erfahrung aus vergleichbaren Angriffen auf deutsche Kommunalverwaltungen — etwa auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld im Jahr 2021, der monatelang offline blieb — zeigt, dass solche Wiederherstellungsprozesse Wochen, mitunter Monate dauern können.

Unklar ist weiterhin, wer hinter dem Angriff steckt. Staatsnahe Hackergruppen, organisierte Cyberkriminelle oder Einzeltäter — alle Szenarien werden derzeit geprüft. Das Landeskriminalamt und das BSI haben sich zu einem möglichen Täterkreis bislang nicht geäußert.

Ob der Berliner Senat die Öffentlichkeit über den tatsächlichen Umfang des Datenlecks informieren wird, hängt auch davon ab, welche Ergebnisse die forensische Analyse in den nächsten Tagen liefert.

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