ÖBB-Rahmenplan 2027–2032: Warum Krumböck den Pendlern aus dem Süden wenig Hoffnung macht

Der Zug nach Krems fährt seit Jahren auf einem einzigen Gleis, und das soll vorerst auch so bleiben. Wer täglich zwischen St. Pölten und der Wachaumetropole pendelt, kennt die Engstellen, die Verspätungen, die halbvollen Zuggarnituren, die sich auf einer maroden Trasse durch Niederösterreich zwängen. Genau diese Strecke war es, die Florian Krumböck beim Gespräch mit „Heute” am 26. Juni 2026 besonders aufstieß.

Krumböck, VP-Verkehrssprecher im niederösterreichischen Landtag und Vizebürgermeister von St. Pölten, sieht im neuen ÖBB-Rahmenplan für die Jahre 2027 bis 2032 eine falsche Schwerpunktsetzung — und legt im Interview offen dar, wen er dafür verantwortlich macht und welche Projekte dabei auf der Strecke bleiben.

Was der ÖBB-Rahmenplan 2027–2032 für Niederösterreich konkret bedeutet

Die Diagnose, die Krumböck stellt, ist knapp und hart: wichtige Projekte werden verschoben. Das zweite Gleis zwischen St. Pölten und Herzogenburg — eine Voraussetzung für eine leistungsfähige Verbindung weiter Richtung Krems — soll nun frühestens 2036 gebaut werden. Aus Sicht des VP-Politikers ist das kein technisches Versäumnis, sondern eine politische Entscheidung.

„Leider sehen wir in Niederösterreich, dass wichtige Projekte verschoben, also zeitlich nach hinten gerückt werden”, sagte Florian Krumböck, Verkehrssprecher der ÖVP Niederösterreich und Vizebürgermeister von St. Pölten. Der Rahmenplan, der die ÖBB-Investitionen bis 2032 verbindlich festlegt, setzt nach seiner Einschätzung auf die falschen Vorhaben.

Brenner-Nordzulauf statt Mödling: Die strittige Prioritätensetzung

Der Vergleich, den Krumböck zieht, ist pointiert. Tirol bekommt im neuen Rahmenplan verbindliche Zusagen für den Brenner-Nordzulauf — jene Strecke, die den Brenner-Basistunnel an das österreichische Hochleistungsnetz anschließen soll. Für Krumböck ist das schwer nachvollziehbar.

„Dabei braucht diesen noch niemand, denn auf deutscher Seite dauert es mindestens bis 2045, bis die entsprechenden Strecken fertiggestellt werden. Da hätten wir in Niederösterreich das Geld schon sehr lange sehr sinnvoll verwendet”, so Krumböck im „Heute”-Talk. Konkret nennt er zwei Projekte, die diese Mittel verdient hätten:

  • Den viergleisigen Ausbau zwischen Wien-Meidling und Mödling, der Pendlern aus dem Süden des Landes zugutekäme
  • Eine leistungsfähige Bahnverbindung zwischen St. Pölten und Krems, inklusive des zweiten Gleises bis Herzogenburg

Pendler-Frust auf der Südstrecke: Was die Verspätungszahlen zeigen

Der viergleisige Ausbau zwischen Wien-Meidling und Mödling ist für Krumböck keine abstrakte Infrastrukturaufgabe, sondern eine tägliche Realität für zehntausende Fahrgäste. Die betroffene Strecke gehört zu den meistbefahrenen Bahnkorridoren Österreichs — über sie pendeln täglich Menschen aus dem Süden Niederösterreichs und der Steiermark in die Bundeshauptstadt.

„Die Auswirkungen sind für die Pendler zu spüren. Wir sehen jetzt schon hohen Frust, weil vor allem die Pünktlichkeitswerte nicht dort sind, wo wir sie haben wollen”, sagte Krumböck. Der viergleisige Ausbau erhält laut dem VP-Politiker im neuen Rahmenplan nicht jene Priorität, die dem Brenner-Nordzulauf zugesprochen wurde — obwohl der unmittelbare Nutzen für Pendler ungleich größer wäre.

Kein Ruf nach Zusatzgeld — sondern nach verbindlichen Zusagen

Krumböck betont einen Unterschied, der politisch relevant ist: Es geht seiner Partei nicht darum, den Gesamtrahmen des ÖBB-Investitionsplans aufzustocken. Der Vorwurf richtet sich gegen die Verteilung der bereits vorhandenen Mittel.

„Uns geht es gar nicht darum, dass wir zusätzliches Geld wollen. Es fehlen Zusagen zu konkreten Vorhaben”, stellte der VP-Verkehrssprecher klar. Diese Unterscheidung ist nicht nur rhetorisch: Ein Rahmenplan ohne fixierte Projekte für Niederösterreich bedeutet, dass Grundstückssicherungen, Planungsverfahren und Ausschreibungen weiter auf sich warten lassen — und damit auch die frühestmögliche Fertigstellung nach hinten rückt.

Lokalpolitik am Rande: Krumböcks Kritik an Rot-Grün in St. Pölten

Im Interview ließ Krumböck auch eine innenpolitische Spitze nicht aus. Die neue rot-grüne Stadtregierung in St. Pölten, die nach der jüngsten Gemeinderatswahl zustande kam, kostet die Steuerzahler nach seiner Rechnung mehr als die bisherige Konstellation.

„Die Grünen waren für die SPÖ billiger, weil bequemer — für die Steuerzahler wird es teurer: um 800.000 Euro für das Vizebürgermeister-Gehalt des einstigen Grünen Stadtrats und seinen Büroleiter”, so Krumböck. Diese Aussage fiel im selben Gespräch, in dem er den Bundesverkehrsminister für die Rahmenplan-Entscheidungen kritisierte: „Der Verkehrsminister hat definitiv nicht die richtigen Schwerpunkte gesetzt.”

Was als Nächstes kommt — und was noch offen bleibt

Der ÖBB-Rahmenplan 2027–2032 ist kein endgültiges Dokument: Er wird in der Regel jährlich fortgeschrieben, und politischer Druck aus den Bundesländern kann dabei durchaus Wirkung entfalten. Für Niederösterreich bedeutet das, dass die Debatte um den Ausbau der Südstrecke und den Korridor St. Pölten–Krems spätestens bei der nächsten Überarbeitung neu geführt werden wird.

Ob der Bundesverkehrsminister auf die Kritik aus St. Pölten reagiert und ob für die Projekte in Niederösterreich noch verbindliche Zusagen in den laufenden Planungszyklus einfließen können, bleibt vorerst offen.

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