Mittwoch, 13.40 Uhr, ein Mehrparteienhaus in Radenthein im Bezirk Spittal an der Drau: Während die Bewohnerinnen und Bewohner des Gebäudes ihrem Alltag nachgehen, entwickelt sich in einer Wohnung im Stillen eine lebensbedrohliche Situation. Eine 70-jährige Frau ist mit einer noch brennenden Zigarette in der Hand eingeschlafen — am Bett.
Was folgte, war ein Einsatz gegen die Zeit. Die Zigarette entzündete das Bettzeug, ein Schwelbrand fraß sich durch die Wohnung, giftiger Rauch füllte den Raum — und die Frau schlief. Wie sie lebend herauskam und was die Feuerwehr dabei leistete, zeigt der folgende Bericht.
Glimmende Zigarette, schlafende Bewohnerin: So entstand der Brand in Radenthein
Laut Mitteilung der Landespolizeidirektion Kärnten vom 14. Oktober 2026 dürfte die 70-Jährige gegen 13.40 Uhr mit einer brennenden Zigarette am Bett eingeschlafen sein. Aus der Glut entwickelte sich ein Schwelbrand — jene besonders heimtückische Brandform, die sich langsam und nahezu lautlos ausbreitet, dabei aber enorme Mengen Kohlenmonoxid freisetzt.
Kohlenmonoxid ist farb- und geruchlos. Die schlafende Frau hatte keine Chance, den aufziehenden Qualm bewusst wahrzunehmen. Das Gas wirkt zunächst wie ein tiefes Schlafmittel — wer nicht geweckt wird, wacht unter Umständen nicht mehr auf.
Schwere Vergiftung: Was Kohlenmonoxid im Körper einer 70-Jährigen anrichtet
Kohlenmonoxid verdrängt den Sauerstoff im Blut, indem es sich an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin bindet — und das bis zu 250-mal stärker als Sauerstoff selbst. Bei älteren Menschen, deren Herz-Kreislauf-System ohnehin weniger Reserven hat, kann selbst eine kurze Exposition zu schweren Schäden führen.
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Die Frau erlitt eine Kohlenmonoxidvergiftung, die laut Landespolizeidirektion Kärnten als schwer eingestuft wurde. Ohne den raschen Eingriff der Feuerwehr wäre der Ausgang des Einsatzes wohl ein anderer gewesen.
Freiwillige Feuerwehr Untertweng rettet die Bewohnerin aus der verrauchten Wohnung
Alarmiert durch den Brandalarm rückte die Freiwillige Feuerwehr Untertweng aus und drang in die verrauchte Wohnung vor. Die Einsatzkräfte brachten die bewusstseinsgetrübte Frau ins Freie — ein Vorgang, der unter Atemschutz und in dichtem Qualm jede Sekunde zählt.
Polizei und Feuerwehr standen gemeinsam im Einsatz. Der Brand selbst wurde von den Feuerwehrleuten rasch unter Kontrolle gebracht, bevor er auf weitere Teile des Mehrparteienhauses übergreifen konnte.
Rettungshubschrauber RK1 fliegt die Schwerverletzte ins Krankenhaus Friesach
Der Zustand der 70-Jährigen erforderte sofortige medizinische Versorgung, die über das hinausging, was ein bodengebundener Rettungswagen in dieser Situation leisten kann. Der Rettungshubschrauber RK1 wurde angefordert und flog die Frau umgehend ins Krankenhaus Friesach. Dort wurde sie zur intensivmedizinischen Behandlung der Kohlenmonoxidvergiftung aufgenommen.
Über ihren weiteren Gesundheitszustand machte die Landespolizeidirektion Kärnten in ihrer Meldung keine näheren Angaben.
Warum Rauchen im Bett so gefährlich ist — und welche Warnzeichen ein Schwelbrand gibt
Der Vorfall in Radenthein ist kein Einzelfall. Zigaretten gehören österreichweit zu den häufigsten Brandursachen in Privatwohnungen. Ein glimmendes Papier kann Bettzeug, Polster oder Teppiche entzünden, ohne dass eine offene Flamme sichtbar wird. Die wichtigsten Merkmale eines Schwelbrands:
- Beißender, ungewöhnlicher Geruch nach verbranntem Stoff oder Kunststoff
- Sichtbarer, dichter Qualm ohne erkennbare Flamme
- Ungewöhnliche Wärmeentwicklung an Wänden oder Böden
- Plötzlich auslösende Rauchmelder ohne sichtbares Feuer
- Brennende oder glimmende Ränder an Textilien
Ein funktionierender Rauchwarnmelder wäre in diesem Fall möglicherweise das entscheidende Frühwarnsignal gewesen. In Österreich sind Rauchmelder in Wohnungen zwar baurechtlich empfohlen, die konkreten Vorschriften variieren jedoch je nach Bundesland.
Was jetzt offen bleibt: Ermittlungen und Zustand der Frau
Die Landespolizeidirektion Kärnten hat die Brandursache in ihrer Aussendung als wahrscheinlich bestätigt — der genaue Hergang wird dennoch weiter untersucht. Ob in der Wohnung ein Rauchmelder vorhanden war und ob dieser ausgelöst hat, ist bislang nicht bekannt.
Ob die 70-Jährige die schwere Kohlenmonoxidvergiftung ohne Folgeschäden übersteht, wird sich in den kommenden Tagen im Krankenhaus Friesach zeigen.
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