Es war gegen 14.30 Uhr am Dienstag, dem 13. Oktober 2026, als in der Josef-Österreicher-Gasse in Wien-Liesing der Alltag in eine Tragödie kippte. Ein 14-jähriger Wiener rollte auf seinem E-Scooter am Gehsteig entlang der Erlaaer Straße in Richtung Atzgersdorfer Platz — Kopfhörer in den Ohren, keinen Helm auf dem Kopf. An der Kreuzung zur Josef-Österreicher-Gasse bogen zwei Lastwagen ab.
Was genau in diesen Sekunden geschah, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Fest steht: Der Bub wurde von einem der Lkw seitlich erfasst und mitgeschleift. Er erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen. Noch an der Unfallstelle mussten Sanitäter ihn reanimieren. Der Rettungshubschrauber brachte ihn ins Krankenhaus — doch die Ärzte konnten ihn nicht mehr retten.
Lkw-Fahrer bemerkten den Aufprall nicht
Die Wiener Polizei bestätigte, dass beide Lkw-Lenker nach dem Vorfall befragt wurden. „Die Lkw-Lenker beteuern glaubhaft, nichts von dem Unfall bemerkt zu haben“, erklärte ein Sprecher der Landespolizeidirektion Wien. Die Ermittler stehen nun vor der Frage, welches der beiden Fahrzeuge den Jugendlichen tatsächlich erfasste.
An beiden Lastwagen wurden Spuren gesichert. Die kriminaltechnische Auswertung läuft. Dass der Bub Kopfhörer trug und keinen Schutzhelm aufhatte, dürfte bei der Rekonstruktion des Unfallhergangs eine Rolle spielen — auch wenn Helmpflicht für E-Scooter-Fahrer in Österreich derzeit nur für Kinder unter zwölf Jahren gilt.
Kein Helm, Kopfhörer: Was die Fundstücke über den Unfall verraten
Am Boden wurden neben dem gestürzten Gefährt Kopfhörer gefunden. Ob der 14-Jährige dadurch akustisch eingeschränkt war und das Abbiegemanöver der Lkw nicht wahrnahm, untersucht die Polizei. Der Bub trug keinen Helm — ein Umstand, der bei Kopfverletzungen nach E-Scooter-Stürzen entscheidend sein kann.
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Laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) sind Kopfverletzungen die häufigste schwere Folge von E-Scooter-Unfällen. Bereits 2025 mussten in Österreich rund 10.200 Menschen nach solchen Unfällen stationär behandelt werden — gegenüber rund 1.200 im Jahr 2019. Die Zahl der Spitalsaufnahmen hat sich damit innerhalb von sechs Jahren fast verneunfacht.
Heuer bereits 5 Todesopfer bei E-Scooter-Unfällen in Österreich
Der Tod des 14-Jährigen in Wien-Liesing ist kein Einzelfall in einer ohnehin düsteren Statistik. Laut KFV kamen heuer in Österreich bereits mindestens fünf Menschen bei E-Scooter-Unfällen ums Leben. Im gesamten Vorjahr 2025 waren es sechs Todesopfer — die aktuelle Zahl könnte diesen Wert bis Jahresende noch übersteigen.
Die Unfälle häufen sich auch deshalb, weil E-Scooter gerade unter Jugendlichen enorm an Beliebtheit gewonnen haben. In Wien gehören sie längst zum Straßenbild, werden aber oft in Situationen eingesetzt, die für die Fahrer gefährlich werden können: an stark befahrenen Kreuzungen, ohne Schutzausrüstung, mit Ablenkung durch Kopfhörer oder Mobiltelefone.
KFV fordert Tempolimit von 20 km/h und höheres Mindestalter
Angesichts der steigenden Opferzahlen erhöht das Kuratorium für Verkehrssicherheit den Druck auf den Gesetzgeber. Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit beim KFV, spricht sich dafür aus, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit für E-Scooter von derzeit 25 km/h auf 20 km/h zu senken.
Zudem soll nach Ansicht des KFV das Mindestalter angehoben werden. Aktuell gilt in Österreich folgende Regelung:
- Ab 9 Jahren mit bestandenem Radfahrausweis erlaubt
- Ab 12 Jahren auch ohne Radfahrausweis
- Helmpflicht besteht nur für Kinder unter 12 Jahren
- Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: derzeit 25 km/h
- Gehsteigfahrten sind grundsätzlich verboten — außer für unter 12-Jährige in Begleitung
Ob der 14-Jährige den Gehsteig überhaupt regelkonform benutzen durfte, ist ebenfalls Teil der polizeilichen Überprüfung.
Ermittlungen laufen — Ergebnis der Spurenauswertung steht aus
Die Wiener Polizei hat die Ermittlungen zur genauen Unfallursache aufgenommen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welcher der beiden Lkw den Buben beim Abbiegen erfasste. Die an den Fahrzeugen gesicherten Spuren werden derzeit kriminaltechnisch ausgewertet. Ein Ergebnis ist noch nicht bekannt.
Der Fall wird auch eine rechtliche Nachgeschichte haben: Sollte einem der Fahrer fahrlässige Tötung nachgewiesen werden, drohen nach österreichischem Strafrecht empfindliche Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Wien wird nach Abschluss der Polizeierhebungen über die weiteren Schritte entscheiden.
Ob der tragische Tod des 14-Jährigen in Wien-Liesing den politischen Druck für eine Verschärfung der E-Scooter-Regeln in Österreich tatsächlich erhöht, wird sich in den kommenden Wochen im Parlament zeigen.
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