Es war kein Formel-1-Bolide, kein Supersportwagen und kein Raketenantrieb — sondern ein ferngesteuertes Modellauto. Als Stephen Wallis, Maschinenbauingenieur aus Großbritannien, sein selbst entwickeltes RC-Fahrzeug bei einem offiziellen Rekordversuch auf die Strecke schickte, zeigte die Messung 250,67 mph — umgerechnet rund 403 km/h. Ein Wert, den die meisten Sportwagen nicht einmal annähernd erreichen.
Wallis hatte dafür gerade einmal acht Monate gebraucht. Vom ersten Entwurf bis zum Weltrekord. Wie ihm das gelang — und was er als Nächstes vorhat — wirft die Frage auf, wie weit diese Technologie noch gehen kann.
403 km/h: Was den offiziellen Weltrekord so außergewöhnlich macht
Der Rekordversuch war kein spontaner Ausflug auf einen Parkplatz. Aerodynamik, Reifenbelastung, Elektronik und mechanische Zuverlässigkeit mussten bei diesen Geschwindigkeiten exakt aufeinander abgestimmt sein. „Bei diesen Geschwindigkeiten wird alles schwierig. Aerodynamik, Reifen, Elektronik und Zuverlässigkeit müssen alle zusammenwirken“, erklärte Wallis, dessen YouTube-Kanal von Zehntausenden regelmäßigen Zuschauern verfolgt wird.
Wenige Wochen nach dem offiziellen Rekord legte er bei einem inoffiziellen Lauf noch einmal nach und durchbrach die 256-mph-Marke — also mehr als 412 km/h. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Porsche 911 Turbo S erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von rund 330 km/h.
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Nur 8 Monate Entwicklungszeit: Die Rolle des 3D-Drucks
Der entscheidende Faktor hinter diesem Tempo war nicht ein millionenschweres Entwicklungslabor, sondern der gezielte Einsatz von 3D-Druck. Wie das Fachportal 3druck.com berichtet, fertigte Wallis viele Bauteile selbst — entweder additiv oder in Handarbeit. Lediglich Komponenten aus Aluminium und Kohlefaser ließ er extern herstellen.
Der 3D-Druck verkürzte die Entwicklungszeit erheblich: Neue Designs konnten nach jedem Testlauf sofort überarbeitet und ohne klassische Werkzeugfertigung direkt neu produziert werden. Bei einem Fahrzeug, das bei Tempo 400 buchstäblich am Limit fährt, ist diese Flexibilität kein Luxus — sie ist Voraussetzung.
Finite-Elemente-Analyse: Wie Wallis das letzte Quäntchen Geschwindigkeit herausholte
Neben dem 3D-Druck setzte Wallis auf cloudbasierte Konstruktionssoftware des Anbieters Onshape sowie auf Finite-Elemente-Analyse, um verschiedene Fahrwerks- und Felgenkonstruktionen am Computer zu simulieren, bevor ein einziges Teil gefertigt wurde. „Das hat mir geholfen, das endgültige Modell zu verfeinern und noch ein kleines bisschen mehr Geschwindigkeit herauszuholen, ohne das Auto zu beschädigen“, so der Ingenieur.
Greg Brown von Onshape zeigte sich beeindruckt von der Entwicklungsgeschwindigkeit: „In nur acht Monaten hat er eine ehrgeizige Idee in ein Fahrzeug verwandelt, das einen Weltrekord gebrochen hat.“ Brown hob dabei auch hervor, dass Wallis sein Wissen über seinen YouTube-Kanal sowie durch die Arbeit mit Schülern und Studenten aktiv weitergibt.
Was an diesem Projekt noch bemerkenswert ist
Das Projekt steht exemplarisch dafür, was moderne Fertigungsmethoden heute ermöglichen — auch abseits großer Konzerne. Die wichtigsten Eckdaten des Rekordprojekts auf einen Blick:
- Entwicklungszeit: 8 Monate vom ersten Entwurf bis zum Weltrekord
- Offizielle Rekordgeschwindigkeit: 250,67 mph (ca. 403 km/h)
- Inoffizieller Folgelauf: über 256 mph (ca. 412 km/h)
- Bauweise: Kombination aus 3D-Druck, Handarbeit sowie extern gefertigten Aluminium- und Kohlefaserteilen
- Software: cloudbasierte CAD-Plattform Onshape, ergänzt durch Finite-Elemente-Simulation
Nächstes Ziel: 483 km/h — und was das für die RC-Szene bedeutet
Wallis denkt bereits weiter. Sein nächstes Projekt soll die Marke von 300 mph — umgerechnet rund 483 km/h — überschreiten. Bei diesem Tempo würde das Modellauto sogar manchen Formel-1-Wagen bei Höchstgeschwindigkeit hinter sich lassen. Ob das mit denselben Methoden gelingt oder ob völlig neue Konstruktionsprinzipien nötig sein werden, ist bislang offen.
Für die weltweite RC-Modellbau-Community jedenfalls setzt Wallis mit jedem Lauf neue Maßstäbe — und zeigt, dass der Abstand zwischen Bastlerkeller und Weltklasse schmaler ist, als viele gedacht hätten.
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