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Emily Schmeller, Salzburg: Wie „Der kleine Tod“ im Kleinen Theater eine Tabugrenze auf die Bühne bringt

Emily Schmeller, Salzburg: Wie „Der kleine Tod“ im Kleinen Theater eine Tabugrenze auf die Bühne bringt

Es ist der 7. Oktober 2026, kurz nach halb elf Uhr abends, als im Salzburger Kleinen Theater der Vorhang für ein Soloprogramm fällt, das so schnell niemand vergessen wird. Emily Schmeller, 33, steht allein auf der Bühne — und legt buchstäblich Hand an sich. Keine explizite Nacktheit, kein billiger Schock. Und trotzdem: Der Saal hält den Atem an.

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Was die Schauspielerin und Autorin an diesem Abend vor Publikum zeigt, ist die Darstellung von Selbstbefriedigung — angedeutet durch rhythmisches Auf-und-Abwippen auf einem Sessel mit kreisenden Hüftbewegungen. Die Frage, die im Raum bleibt: Ist das bloße Provokation, oder steckt dahinter weit mehr, als der erste Blick verrät?

Was „Der kleine Tod“ im Kleinen Theater Salzburg ab 7. Oktober zeigt

Das Stück trägt den französischen Euphemismus für den Orgasmus als Titel — „la petite mort“ — und feiert seine Premiere genau am 7. Oktober 2026 im Kleinen Theater Salzburg. Emily Schmeller schlüpft darin in nicht weniger als 15 verschiedene Figuren, Herzstück davon ist die Psychotherapeutin Margarete. Diese Frau kämpft nicht nur mit den Abhängigkeiten und Zwängen ihrer Klientinnen und Klienten, sondern ringt auch mit ihrem eigenen inneren Trieb.

Die inkriminierte Szene, über die Schmeller der Kronen Zeitung Auskunft gab, ist dabei bewusst ohne explizite Nacktheit inszeniert: Die Bewegung auf dem Sessel deutet an, was sie meint — und überlässt den Rest der Vorstellungskraft des Publikums.

Schwarzer Humor als Schutzschild: Das ernste Thema hinter der Provokation

Wer in „Der kleine Tod“ nur die freche Geste sieht, verpasst den eigentlichen Kern. Das Stück verhandelt psychische Gesundheit, Sucht und Zwangsstörungen — Themen, die im österreichischen Kulturbetrieb selten so direkt und gleichzeitig so komisch verpackt werden. Schwarzer Humor und schräge Situationskomik sind das Mittel, nicht der Zweck.

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Die Regie liegt bei Caroline Richards, die gemeinsam mit Schmeller an der Tonalität des Abends gearbeitet hat: ernst genug, um zu treffen — leicht genug, um zu unterhalten. Das Ergebnis ist ein turbulenter Soloabend, der das Publikum zwischen Lachen und Betroffenheit pendeln lässt.

Schmeller schrieb das Stück selbst — und hat größere Pläne

Was die Produktion von vielen Theaterabenden unterscheidet: Emily Schmeller ist nicht nur die Darstellerin, sondern auch die Autorin. Die Salzburgerin hat den Text eigenständig entwickelt und damit einen Soloabend geschaffen, der ihre eigene künstlerische Handschrift trägt. 15 Figuren allein zu verkörpern verlangt nicht nur schauspielerisches Können, sondern auch ein präzises Gefühl für Tempo und Wechsel.

Ihr erklärtes Ziel geht über die Bühne hinaus: Schmeller will „Der kleine Tod“ eines Tages als Kinofilm realisieren. Ob Salzburg nur der erste Schritt auf einem längeren Weg ist, wird sich zeigen — der Stoff, so scheint es, trägt Leinwandformat.

Tabu auf der Bühne: Was österreichische Theater wagen dürfen

Die Darstellung von Sexualität im Theater ist in Österreich keine Neuheit, wohl aber selten so explizit auf den Körper einer Einzelperson konzentriert wie bei Schmeller. Produktionen wie diese bewegen sich im Rahmen der Kunstfreiheit, die in Artikel 17a des Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger verankert ist — und die österreichischen Bühnen traditionell einen großen Spielraum lässt.

Das Kleine Theater Salzburg, das für mutige, oft kammerhafte Produktionen bekannt ist, bietet für ein Stück dieser Bauart den richtigen Rahmen: nah am Publikum, ohne die Distanz eines großen Hauses. Genau diese Nähe macht die Szene, über die gesprochen wird, so wirkungsvoll — und so unweigerlich diskutierbar.

Provokation mit Methode: Was der Abend beim Publikum auslöst

Aufmerksamkeit hat „Der kleine Tod“ bereits vor der Premiere erzeugt. Das Stück vereint in seiner Anlage mehrere Elemente, die für Gesprächsstoff sorgen:

  • Eine Solodarstellerin, die 15 Figuren allein verkörpert
  • Eine Szene, die Selbstbefriedigung ohne Nacktheit andeutet
  • Themen wie psychische Erkrankung, Sucht und Zwang als dramaturgischer Kern
  • Schwarzer Humor als bewusstes Stilmittel der Inszenierung
  • Regie von Caroline Richards, die das Stück in seiner Schräglage hält

Das Salzburger Kleine Theater zeigt das Stück ab dem 7. Oktober 2026. Schmeller hat mit dem Abend nicht nur eine Rolle übernommen, sondern ein eigenes Werk auf die Bühne gebracht — und damit eine Debatte eröffnet, die über den Spielplan hinausreicht.

Ob „Der kleine Tod“ tatsächlich den Weg in die Kinos findet, bleibt vorerst offen — das Interesse daran dürfte nach dieser Premiere jedenfalls geweckt sein.

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