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Beck „Ride Lonesome“: Warum sein erstes Album seit 7 Jahren unter die Haut geht

Beck „Ride Lonesome“: Warum sein erstes Album seit 7 Jahren unter die Haut geht

Sieben Jahre sind in der Popmusik eine Ewigkeit. Wer 1994 mit „Loser“ aus dem Nichts auftauchte und eine ganze Generation prägte, der verschwindet nicht einfach – der zieht sich zurück, wartet, und kehrt dann mit etwas zurück, das sich nach echter Notwendigkeit anfühlt. Genau das ist Beck Hansen an einem Septemberabend des Jahres 2026 gelungen.

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Mit „Ride Lonesome“ legt der mittlerweile 56-Jährige sein erstes Album mit ausschließlich neuem Material seit „Hyperspace“ aus dem Jahr 2019 vor. Wer dabei einen müden Rückblick erwartet, liegt falsch. Wer jedoch Geduld mitbringt, begegnet einem der persönlichsten Werke seiner Karriere – und einer Frage, die das Album erst am Ende beantwortet: Wie klingt es, wenn ein Mann Mitte 50 weiterzieht, obwohl er lieber stünde?

„Ride Lonesome“: Was Beck nach 7 Jahren Schweigen zurückbringt

Mit „Sea Change“ (2002) und „Morning Phase“ (2014) schuf Beck zwei Alben, die zeigten, wie präzise er Einsamkeit in Klang übersetzen kann. „Morning Phase“ gewann 2015 den Grammy als Album des Jahres. An genau diese beiden Karrierehöhepunkte knüpft „Ride Lonesome“ an – nicht als bloße Kopie, sondern als reifere Fortsetzung.

Aufgenommen wurde im Room B der United Studios in Hollywood. Beck übernahm die Produktion selbst. Den Mix verantwortete Nigel Godrich, der als langjähriger Radiohead-Produzent bereits bei „Sea Change“ und „Mutations“ an Becks Seite stand. Die Streicherarrangements lieferte David Campbell – Becks Vater, ein Detail, das dem Album eine stille Familiendimension verleiht.

Vertraute Weggefährten: Diese Musiker kehren mit Beck ins Studio zurück

Beck hätte mit neuen Gesichtern arbeiten können. Er entschied sich dagegen. Ins Studio kamen stattdessen Musiker, die seinen Sound seit Jahrzehnten kennen: Smokey Hormel, Joey Waronker, Justin Meldal-Johnsen, Roger Joseph Manning Jr. und Jason Falkner – allesamt frühere Tour- und Studiogefährten, einige davon schon bei „Sea Change“, „Morning Phase“ und „Mutations“ dabei.

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Diese Entscheidung hat Konsequenzen für den Klang. Die Band spielt nicht zusammen, um sich zu beweisen. Sie spielt zusammen, weil sie weiß, wann sie schweigen muss. Und auf „Ride Lonesome“ ist das Schweigen zwischen den Noten genauso wichtig wie die Noten selbst.

Der einsame Cowboy blickt zurück: Themen und Klang des Albums

Inhaltlich kreist „Ride Lonesome“ um Verlust, Erinnerung und das Verstreichen der Zeit. Nach dem Ende seiner langjährigen Ehe erscheint Beck als einsamer Cowboy, der aufbrechen muss, weil Stillstand keine Option ist. Akustische Gitarren, Pedal Steel, Mundharmonika und zurückhaltende Streicher schaffen dabei eine Atmosphäre, die nach weiten Landschaften und langen Nächten klingt.

Der Titelsong gibt die Richtung sofort vor. Eine sanft gespielte Akustikgitarre eröffnet die Platte, dazu Becks zurückgenommener Gesang im Duett mit Sierra Ferrell. Musikalische Anspielungen auf Julie Londons „Cry Me A River“ und Johnny Thunders‚ „You Can’t Put Your Arms Around A Memory“ stecken das emotionale Feld ab, bevor der erste Vers endet.

12 Songs zwischen Schmerz und vorsichtiger Hoffnung

Das Album umfasst 12 Tracks, die sich in ihrer Stimmung deutlich unterscheiden – und das mit Absicht. Die erste Hälfte nimmt sich viel Zeit: Die Songs sind getragen, das Tempo bleibt niedrig, der Schmerz wird ausführlich ausgebreitet.

  • „Disappearing Act“ – akustische Gitarren, dezente Orchestrierung, beinahe schwebender Gesang
  • „Slow Canyon“ – spartanischer Country-Rock mit leicht psychedelischem Nachhall
  • „It Ends Right Here“ – eine helle Melodie trifft auf tiefe Traurigkeit
  • „Falling Through My Hands“ – Mundharmonika und zurückhaltende Stimmung, stellenweise wie ein Schlaflied
  • „Beyond The Light“ – führt den Gedanken des einsamen Weiterziehens fort

In der zweiten Hälfte öffnet sich die Platte merklich. Mehr musikalische Spannung, mehr Luft, mehr Raum für etwas, das nicht ganz Hoffnung ist, aber auch nicht mehr nur Trauer.

Kein Neustart, kein Nostalgie-Trip: Was „Ride Lonesome“ wirklich ist

Es wäre einfach gewesen, „Ride Lonesome“ als bloße Rückkehr zum alten Sound zu vermarkten. Aber das würde dem Album nicht gerecht. Beck greift auf eine über Jahrzehnte gewachsene musikalische Verbindung zurück, um seinen früheren Klang weiterzuentwickeln – nicht um ihn zu wiederholen.

Der entscheidende Unterschied zu „Sea Change“ und „Morning Phase“ ist ein biographischer. Damals sang ein junger Musiker über seinen ersten großen Herzschmerz. Jetzt singt ein Mann Mitte 50, der auf vergangene Jahre blickt, der Dinge verloren hat, die sich nicht ersetzen lassen – und der trotzdem weiterreitet. Manche Passagen wirken wie der Abspann eines Films, in dem der Hauptdarsteller langsam dem Horizont entgegenzieht.

Beck mit 56: Warum dieses Album jetzt erscheint – und für wen

„Ride Lonesome“ ist kein Album für eilige Hörerinnen und Hörer. Es verlangt Zeit, Konzentration und die Bereitschaft, sich auf eine Stimmung einzulassen, die nicht auflöst, sondern aushält. Wer das mitbringt, findet hier eines der ernsthaftesten und handwerklich stärksten Werke, die Beck bislang veröffentlicht hat.

Das Album erschien im September 2026 – sieben Jahre nach „Hyperspace“, fast ein Jahrzehnt nach dem Ende seiner Ehe. Für Fans, die „Morning Phase“ bis heute hören, ist „Ride Lonesome“ eine direkte Fortsetzung jener Reise. Für alle anderen ist es ein guter Einstiegspunkt in das ruhigere, dunklere und letztlich überzeugendere Kapitel von Becks Schaffen.

Ob er nach dieser Platte wieder sieben Jahre schweigt oder schon bald mit weiteren Aufnahmen aus den United Studios in Hollywood zurückkehrt, hat er bislang offengelassen.

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