Wissenswertes

Hubble-Fund HS 0209+0832: Wie ein Jupiter-großer Planet einen toten Stern überlebt

Hubble-Fund HS 0209+0832: Wie ein Jupiter-großer Planet einen toten Stern überlebt

Der Stern war längst erloschen, als das Weltraumteleskop Hubble ihn ins Visier nahm. Was die Aufnahmen verrieten, ließ selbst erfahrene Astronominnen und Astronomen innehalten: In der Atmosphäre des Weißen Zwergs HS 0209+0832 steckten chemische Fingerabdrücke, die dort nicht hätten sein dürfen.

Artikel teilen

XRedditLinkedIn

Ein Forschungsteam der britischen Universität Warwick unter der Leitung von Jamie Williams hat nun in archivierten Hubble-Daten erstmals Hinweise auf einen Exoplaneten der zweiten Generation gefunden — einen Himmelskörper, der nicht mit seinem Stern entstanden ist, sondern erst nach dessen Tod aus dessen Überresten geboren wurde. Die Frage, die seitdem alle umtreibt: Was bedeutet das für die Zukunft unseres eigenen Sonnensystems?

Weißer Zwerg HS 0209+0832: Was der tote Stern verrät

Ein Weißer Zwerg ist das, was von einem Stern übrig bleibt, wenn er seinen Brennstoff verbraucht hat und seine äußeren Schichten abgestoßen wurden. Die zurückbleibende Glut kühlt über Milliarden Jahre langsam ab. Chemisch betrachtet sollte so ein Objekt relativ einheitlich aus Wasserstoff und Helium bestehen.

HS 0209+0832 passt nicht in dieses Bild. Seine Atmosphäre enthält ungewöhnlich hohe Konzentrationen schwerer Elemente — darunter Kupfer und, noch aufschlussreicher, Niob. Das ist eine chemische Anomalie, die Forschende seit der Veröffentlichung der Studie im Fachmagazin Nature Astronomy beschäftigt.

Niob als Schlüssel: Warum dieses Element alles verändert

Niob kommt auf der Erde vor, aber seine Entstehung ist alles andere als gewöhnlich. Es bildet sich nicht durch die normale Kernfusion in Sternen, sondern ausschließlich unter extremen Bedingungen im Inneren sterbender Sterne — in sogenannten Neutroneneinfangprozessen.

Neueste Beiträge

Mehr zum Lesen

Neues aus der Redaktion
01August Hanning festgenommen: Wie der Ex-BND-Chef 2.000 Geheimdokumente nach Aserbaidschan weitergegeben haben soll02Keyless-Autoschlüssel: Was das Symbol im Getränkehalter bei leerer Batterie rettet03Handy täglich laden: Wie viel das wirklich kostet — und was die echten Stromfresser sind

Die entscheidende Erkenntnis des Warwick-Teams: Die Menge an Niob in der Atmosphäre von HS 0209+0832 ist so enorm, dass sie nicht allein durch zufällig einfallende Trümmer erklärt werden kann. Nach Einschätzung von Jamie Williams kann nur ein Planet, der dieses Element kontinuierlich aus seiner Atmosphäre abgibt, diese chemische Signatur erzeugen. Das Material fällt dann in den toten Stern und hinterlässt dort einen unverwechselbaren Abdruck.

Jupiter-großer Gasriese in nur 6 Millionen Kilometern Abstand

Bei dem vermuteten Planeten handelt es sich um einen Gasriesen in etwa der Größe des Jupiter. Sein Orbit ist dabei kaum vorstellbar eng: Er umkreist den Weißen Zwerg in einem Abstand von nur sechs Millionen Kilometern. Zum Vergleich — die Distanz zwischen unserer Sonne und dem Merkur beträgt rund 58 Millionen Kilometer. Dieser Planet ist also zehnmal näher an seinem Stern als der innerste Planet unseres Sonnensystems an der Sonne.

Die Konsequenzen dieser extremen Nähe sind erheblich:

  • Der Planet verliert durch die Gezeitenkräfte und die Strahlung des Weißen Zwergs kontinuierlich Teile seiner Atmosphäre.
  • Dieses Material fällt in den Stern und erzeugt die beobachtbaren Schwermetallspuren.
  • Trotz des laufenden Materialverlusts geht Williams davon aus, dass der Planet langfristig überleben kann.
  • Sobald der Weiße Zwerg ausreichend abgekühlt ist, dürfte sich das System stabilisieren.

Es handelt sich damit um einen Planeten, der den Tod seines Sterns nicht nur überlebt hat, sondern neu geboren wurde — ein Objekt der zweiten Generation, entstanden aus den Überresten der Katastrophe selbst.

Was dieser Fund über das Schicksal unseres Sonnensystems sagt

Die Entdeckung ist mehr als eine astronomische Kuriosität. Sie lässt sich als ein Blick in die ferne Zukunft des Sonnensystems lesen. In einigen Milliarden Jahren wird die Sonne zum Roten Riesen anschwellen, die inneren Planeten — darunter wahrscheinlich die Erde — verschlucken und schließlich einen Weißen Zwerg hinterlassen.

Was dann passiert, zeigt HS 0209+0832 in Echtzeit: Planeten, die weit genug außen geblieben sind, überstehen diesen Übergang. Und unter bestimmten Bedingungen könnten sich in den Trümmerscheiben um den Weißen Zwerg sogar neue Planeten formen. Das System, das Williams und sein Team beobachten, wäre demnach eine Art kosmisches Modell für das, was der Erde in mehreren Milliarden Jahren folgt.

Wie Hubble diesen Beweis aus Archivdaten herauslas

Bemerkenswert ist auch der Weg zur Entdeckung. Das Forschungsteam der Universität Warwick stützte sich nicht auf neue Beobachtungen, sondern wertete bereits vorhandene Archivdaten des Hubble-Weltraumteleskops aus. Das zeigt, welche wissenschaftliche Tiefe in den über Jahrzehnte angesammelten Datensätzen des Teleskops steckt.

Die Studie erschien im Fachmagazin Nature Astronomy. Das Team plant, die Arbeit mit Hubble fortzusetzen, um weitere Planetensysteme der zweiten Generation zu identifizieren — Systeme, die beweisen würden, dass das Phänomen rund um HS 0209+0832 kein Einzelfall ist, sondern ein bislang übersehenes Kapitel in der Geschichte des Universums.

Ob sich unter den Tausenden Weißen Zwergen in der Milchstraße noch weitere solcher Systeme verbergen, werden die kommenden Beobachtungskampagnen mit Hubble zeigen.

Artikel teilen

4 Min. Lesezeit

XRedditLinkedIn

Ihre Meinung hilft uns

War dieser Artikel lesenswert?

Das Gespräch geht weiter

Kommentare

Mitdiskutieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mitdiskutieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Scroll to Top