Herbst 2027, Prater, Wien. Wo derzeit noch Baukräne dominieren und Betonmischer die Luft durchdröhnen, soll in knapp zwei Jahren eines der begehrtesten Musicals der Welt seine Österreich-Premiere feiern: Disneys „Der König der Löwen“ zieht ins neu entstehende Theater im Prater ein. Die Ankündigung trifft auf ein Wien, das seit Jahren auf eine eigene Großproduktion dieser Dimension gewartet hat.
Das Timing ist kein Zufall. 2027 jährt sich die Broadway-Uraufführung des Stücks zum 30. Mal — und genau dieses Jubiläum soll die Wiener Premiere einläuten. Was das für die Hauptstadt bedeutet, welches Haus dahintersteckt und warum dieses Musical seit drei Jahrzehnten nicht verschwindet: die Antworten folgen.
30 Jahre Broadway, erstmals Wien: Was hinter der Österreich-Premiere steckt
Seit der Uraufführung im Jahr 1997 hat „Der König der Löwen“ mehr als 130 Millionen Zuschauer weltweit in die Theater gelockt. Bisher gab es 32 internationale Produktionen in mehr als 100 Städten und 24 Ländern, das Stück wurde in neun Sprachen übersetzt. Österreich fehlte in dieser Liste bislang — das ändert sich nun.
Die Wahl fiel auf Wien und speziell auf den Prater, weil dort gerade ein Haus entsteht, das internationale Großproduktionen technisch bewältigen kann. Für das Jubiläumsjahr 2027 schließt sich damit ein langer Kreis.
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Elton John, Julie Taymor, Michael Kunze: Die Kräfte hinter dem Stück
Einen zentralen Anteil am Welterfolg hat die Musik. Die bekanntesten Songs stammen von Sir Elton John und Tim Rice; die deutsche Textfassung schrieb Michael Kunze, einer der produktivsten Musicalübersetzer im deutschsprachigen Raum. Die Mischung aus Popmusik mit afrikanischen Klängen und Rhythmen war von Anfang an das Alleinstellungsmerkmal der Produktion.
Entscheidend für das visuelle Erscheinungsbild ist Regisseurin Julie Taymor. Sie entwickelte das Konzept der Bühnenfassung, entwarf Kostüme und Masken und wurde als erste Frau in der Geschichte der Tony Awards für ihre Regie ausgezeichnet. Gemeinsam mit Michael Curry schuf Taymor die berühmten Puppenfiguren, durch die die Tierwelt Afrikas auf der Bühne lebendig wird. Das Ergebnis: über 70 bedeutende Auszeichnungen, darunter sechs Tony Awards.
Das neue Theater im Prater: 1.800 Plätze, Barrierefreiheit, Wiener Handschrift
Das Haus, in dem der Löwenkönig ab Herbst 2027 brüllen soll, existiert noch nicht — es befindet sich derzeit im Bau. Geplant wurde es von zwei Architekturbüros: Haworth Tompkins aus London und Dietrich Untertrifaller aus Wien, einem der renommiertesten österreichischen Büros für Kulturbau.
Das Theater soll rund 1.800 Besucherinnen und Besucher fassen. Die Planungen sehen eine moderne Bühnentechnik vor, gute Sichtlinien von allen Plätzen sowie einen besonderen Fokus auf Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit. Ziel ist es, Wien damit als feste Adresse für internationale Musicalproduktionen zu etablieren — eine Rolle, die die Stadt zuletzt nur bedingt ausfüllen konnte.
Was Wien von dieser Produktion erwarten kann
Die Geschichte rund um den Löwenjungen Simba ist breit bekannt, die Bühnenversion aber ein eigenständiges Kunstwerk. Es sind vor allem Taymors Puppenfiguren und das visuell dichte Afrika-Konzept, die das Musical von anderen Disney-Adaptionen abheben. Kein Vorhang, der das Spektakel verbirgt — die Masken und Figuren bewegen sich offen durch den Zuschauerraum, die Illusion entsteht im Kopf des Publikums.
Für Wien ist das eine andere Dimension als die bisher bekannten Produktionen. Ein Haus mit 1.800 Plätzen, bespielt von einer international eingespielten Großproduktion — das bedeutet auch wirtschaftlich eine neue Größenordnung für den Wiener Veranstaltungsmarkt.
Wann Tickets erhältlich sind und was noch offen bleibt
Zum Stand vom 10. September 2026 wurden noch keine Kartenverkaufsdaten bekanntgegeben. Unklar ist auch, ob die Wiener Produktion in deutscher Sprache gespielt wird — naheliegend ist es angesichts von Kunzes vorliegender Übersetzung, bestätigt ist es nicht. Ebenfalls offen: der genaue Eröffnungstermin innerhalb des Herbstes 2027.
- Produktionsstart: Herbst 2027, Theater im Prater, Wien
- Kapazität des neuen Hauses: rund 1.800 Plätze
- Architekten: Haworth Tompkins (London) und Dietrich Untertrifaller (Wien)
- Weltweite Zuschauer seit 1997: mehr als 130 Millionen
- Bisherige Produktionen: 32 in über 100 Städten, 24 Ländern, 9 Sprachen
- Auszeichnungen: über 70, darunter 6 Tony Awards
Ob der Kartenvorverkauf noch 2026 startet oder erst mit dem Fertigstellungsfortschritt des Theaters an Fahrt gewinnt, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen.
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