Der Fernseher wird schwarz, das WLAN bricht zusammen, die Kühlschranklampe bleibt dunkel — ein ungeplanter Stromausfall trifft österreichische Haushalte im Schnitt gerade einmal für eine Viertelstunde pro Jahr. Und 2025 war diese Zeitspanne kürzer als je zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2005.
Die Energieregulierungsbehörde E-Control hat die aktuellen Versorgungsqualitätsdaten ausgewertet und ein eindeutiges Ergebnis geliefert: Österreichs Stromnetz ist zuverlässiger denn je. Doch was steckt hinter dem neuen Bestwert, und welche Regionen profitieren am stärksten?
Rekordwert 2025: Nur 16,62 Minuten ungeplanter Ausfall pro Kunde
Im Jahr 2025 waren österreichische Stromkunden im Schnitt lediglich 16,62 Minuten ungeplant ohne Versorgung. Das ist der beste Wert seit Messbeginn 2005 und ein deutlicher Rückgang gegenüber 2024, wo die durchschnittliche ungeplante Ausfallsdauer noch 23,41 Minuten betrug.
„Das liegt vor allem daran, dass es im Jahr 2025 kaum zu regional außergewöhnlichen Ereignissen gekommen ist”, erklärte Alfons Haber, Vorstand der E-Control, zur Veröffentlichung der Zahlen. Die Gesamtzahl der Versorgungsunterbrechungen mit einer Dauer von mehr als einer Sekunde sank österreichweit von 18.499 im Jahr 2024 auf 14.869 im Jahr 2025.
Dabei waren rund 61 Prozent dieser Unterbrechungen geplant — etwa wegen Wartungsarbeiten am Netz. Gut 39 Prozent passierten ungeplant und betrafen Kunden ohne Vorwarnung.
Wien schlägt den Österreich-Schnitt: 14,46 Minuten Ausfallszeit
Besonders bemerkenswert schnitt die Bundeshauptstadt ab. Laut den Wiener Netzen lag die durchschnittliche ungeplante Ausfallsdauer in Wien 2025 bei nur 14,46 Minuten — und damit spürbar unter dem nationalen Mittelwert von 16,62 Minuten. Auch das ist ein neuer Bestwert für die Stadt.
Statistisch gesehen ist ein Kunde im Versorgungsgebiet der Wiener Netze überhaupt nur etwa alle vier Jahre von einem Stromausfall betroffen. Um dieses Niveau zu halten und weiter auszubauen, investieren die Wiener Netze jährlich rund 490 Millionen Euro in ihre Infrastruktur, wovon etwa drei Viertel in das Stromnetz fließen.
Bis 2040 sollen unter anderem rund 13 neue Umspannwerke errichtet werden. Zudem setzt der Netzbetreiber verstärkt auf Digitalisierung und fernsteuerbare Transformatoren, die Störungen schneller lokalisieren und beheben können.
Die häufigsten Ursachen für ungeplante Stromausfälle in Österreich
Wenn der Strom unerwartet wegbleibt, stecken meist folgende Ursachen dahinter:
- Netzinterne Probleme wie Kabelschäden: mehr als 15 Prozent aller ungeplanten Unterbrechungen im Jahr 2025
- Atmosphärische Einwirkungen wie Sturm oder Blitzschlag: knapp 10 Prozent der Fälle
- Extreme Naturereignisse wie Überschwemmungen oder Erdbeben: 2025 blieben solche größeren regionalen Ereignisse weitgehend aus
- Beschädigungen durch Dritte, etwa bei Bauarbeiten
- Technische Defekte an Schalt- und Umspannanlagen
Dass 2025 vergleichsweise wenige schwere Unwetterereignisse auftraten, war laut E-Control-Vorstand Haber der entscheidende Faktor für den Rekordwert. Freileitungen sind nun einmal anfälliger für atmosphärische Einflüsse als erdverlegte Kabel.
Gasversorgung noch stabiler: Nur 2,15 Minuten Ausfall im Jahr
Beim Gas fallen die Ausfallszeiten noch deutlich geringer aus. Österreichische Gaskunden waren 2025 im Schnitt lediglich 2,15 Minuten ungeplant ohne Versorgung — nach 3,87 Minuten im Jahr 2024. Die Gesamtzahl der Gasunterbrechungen sank von 3.157 auf 2.769.
Der Grund für die überlegene Stabilität liegt in der Infrastruktur: Gasleitungen verlaufen großteils unterirdisch und sind damit weit weniger stark Unwettern, Blitzschlag oder anderen äußeren Einflüssen ausgesetzt als oberirdische Stromleitungen. Bei Gas waren rund 36 Prozent der Unterbrechungen geplant, 64 Prozent passierten ungeplant.
Was Betroffene bei einem Stromausfall tun können
Wer von einer Versorgungsunterbrechung betroffen ist, sollte sich direkt an seinen zuständigen Netzbetreiber wenden. Dieser ist — unabhängig vom gewählten Stromlieferanten — für die technische Versorgung zuständig und gibt Auskunft über Ursache und voraussichtliche Dauer der Störung. Informationen zur Störungsstatistik des jeweiligen Netzbetreibers sind dort ebenfalls erhältlich.
Wer häufiger betroffen ist, kann beim Netzbetreiber auch Einsicht in die regionalen Versorgungsqualitätsdaten verlangen — eine Möglichkeit, die durch die von der E-Control festgelegten Transparenzpflichten abgesichert ist.
Ob das Niveau zu halten ist, bleibt eine offene Frage
Der Rekordwert von 2025 ist auch das Ergebnis eines günstigen Jahres ohne größere Extremwetterereignisse. E-Control und Netzbetreiber verweisen darauf, dass Investitionen in Netzausbau und Digitalisierung langfristig die Grundlage für stabile Versorgung legen — doch ein einzelnes extremes Unwetterjahr kann die Statistik rasch wieder verschieben.
Ob Österreich den Bestwert von 16,62 Minuten 2026 erneut unterbieten kann, hängt damit nicht allein von Milliardeninvestitionen ab, sondern auch davon, was die nächste Gewittersaison über die Freileitungen des Landes bringt.



