Las Vegas, 11. August 2026. Im Gerichtssaal des Clark County District Court Regional Justice Center sitzt Duane Davis, bekannt unter dem Spitznamen “Keffe D”, und verfolgt die Auswahl der Geschworenen. Draußen, in den Straßen von Los Angeles, prangt seit Wochen ein großes Wandgemälde mit dem Gesicht von Tupac Shakur — gemalt in den Farben der Erinnerung, aufgefrischt pünktlich zum Beginn des Verfahrens.
Fast drei Jahrzehnte sind vergangen, seit ein noch unbekannter Schütze den damals 25-jährigen Rapper in der Nacht des 7. September 1996 nahe dem Las Vegas Strip erschoss. Nun steht erstmals ein Beschuldigter vor einem ordentlichen Gericht — und die Frage, ob die Justiz nach so langer Zeit noch eine Verurteilung erwirken kann, hängt über dem gesamten Verfahren.
Der Angriff von 1996: Was in jener Septembernacht geschah
Tupac Shakur, einer der einflussreichsten Rapper der 1990er-Jahre, war am Abend des 7. September 1996 beim Boxkampf von Mike Tyson in Las Vegas zugegen. Auf der Rückfahrt wurde das Auto, in dem er saß, von einem weißen BMW aus mit mehreren Schüssen beschossen. Shakur erlag seinen Verletzungen sechs Tage später, am 13. September 1996, im Alter von 25 Jahren.
Der Fall blieb offiziell ungelöst — jahrelang. Die Ermittlungen stockten, Zeugen schwiegen, Verdächtige starben. Erst Jahrzehnte später nahmen die Behörden neue Fährten auf, die schließlich zu Duane Davis führten.
Duane “Keffe D” Davis: Wer ist der Angeklagte?
Duane Davis, heute 60 Jahre alt, soll laut Anklage den Auftrag zum Mord an Tupac Shakur erteilt haben. Davis war einst ein bekannter Straßengang-Anführer aus dem Raum Los Angeles. Laut den Ermittlern des Las Vegas Metropolitan Police Department soll er eine Gruppe von Männern organisiert haben, die das Fahrzeug Shakurs gezielt aufsuchen und beschießen ließ.
Davis hatte in zurückliegenden Jahren in einem Buch sowie in Interviews öffentlich über seine angebliche Rolle im Mordfall gesprochen — Aussagen, die nun als Beweismittel gegen ihn verwendet werden könnten. Im September 2023 wurde er festgenommen, 2024 formell angeklagt.
Prozessbeginn in Las Vegas: Was die Geschworenenwahl über das Verfahren verrät
Die Jury-Auswahl begann am 11. August 2026 — genau 30 Jahre und nahezu auf den Tag genau nach dem Mordanschlag. Beobachter des Clark County District Court berichten von einem ungewöhnlich großen Medienaufgebot. Das Gericht hat strenge Regeln für die Berichterstattung erlassen, um eine faire Verhandlung zu gewährleisten.
Für die Staatsanwaltschaft ist das Verfahren komplex: Viele potenzielle Zeugen sind inzwischen verstorben, Erinnerungen verblasst, physische Beweise jahrzehntealter Natur. Die Verteidigung dürfte genau diese Zeitspanne als zentrales Argument nutzen. Wie das Gericht mit Aussagen umgeht, die Davis selbst in der Öffentlichkeit getätigt hat, gilt als eine der entscheidenden Rechtsfragen des Verfahrens.
Tupac Shakur: Warum sein Tod bis heute nachwirkt
Shakur gilt bis heute als eine der prägendsten Figuren des amerikanischen Hip-Hop. Er trat am 4. September 1996 — nur drei Tage vor dem Anschlag — gemeinsam mit Snoop Dogg bei den MTV Video Music Awards in New York auf und überreichte dort den Preis für das beste Hard-Rock-Video. Sein letzter großer öffentlicher Auftritt vor dem Anschlag.
Sein Tod mit 25 Jahren, seine bis heute verkauften Millionen von Alben und die ungezählten Verschwörungstheorien rund um seinen Fall haben Shakur zu einer kulturellen Ikone gemacht. Wandgemälde in Los Angeles, wie jenes, das im August 2026 kurz vor Prozessbeginn fotografiert wurde, zeugen davon, dass die Trauer um ihn nicht verblasst ist.
Was im Verfahren noch offen bleibt
Das Verfahren gegen Duane Davis ist das erste seiner Art im Mordfall Shakur — doch es beantwortet nicht alle Fragen. Wer genau den Abzug betätigte, ist bis heute nicht offiziell geklärt. Mehrere mutmaßlich Beteiligte starben in den vergangenen Jahrzehnten, darunter Personen aus dem unmittelbaren Umfeld des damaligen Gangmilieus.
Staatsanwälte des Clark County müssen nun vor Geschworenen belegen, dass Davis nicht nur Wissen von der Tat hatte, sondern diese aktiv angeordnet hat — eine Beweislast, die nach drei Jahrzehnten erheblich schwerer wiegt als in einem zeitnahen Verfahren. Wann ein Urteil fallen könnte, ist derzeit noch offen.
Ob der Prozess die letzte juristische Antwort auf den Tod von Tupac Shakur liefert oder weitere offene Fragen hinterlässt, wird sich erst zeigen, wenn die Geschworenen ihr Votum abgeben.



