Dienstag, 18. August 2026 – während auf Feldern in ganz Österreich die Ernte unter der anhaltenden Hitze vertrocknet, meldete sich FPÖ-Chef Herbert Kickl mit einer Aussendung zu Wort. Darin warf er den Grünen vor, die Bauern “im Stich zu lassen” – weil die Öko-Partei eine von der FPÖ beantragte Sondersitzung des Nationalrats zu den Dürrehilfen abgelehnt hatte.
Die Antwort ließ keine zwei Stunden auf sich warten. Grünen-Bundessprecherin Leonore Gewessler schlug mit ungewöhnlich harten Worten zurück – und damit weitete sich ein Streit, der bisher vor allem innerhalb der Regierungskoalition tobte, auf die Oppositionsebene aus. Wer hat recht, und was bedeutet das für die Tausenden Landwirte, die seit Wochen auf finanzielle Unterstützung warten?
Kickl fordert Sondersitzung – und wirft den Grünen Gleichgültigkeit vor
In seiner Aussendung vom Dienstag machte FPÖ-Chef Herbert Kickl Druck auf die anderen Parteien. Die Grünen hätten die bäuerlichen Familien im Stich gelassen, indem sie die beantragte Sondersitzung des Nationalrats zur Dürrekatastrophe ablehnten. “Unsere bäuerlichen Familien haben leider keine Zeit für politische Spielchen, sie brauchen jetzt echte Unterstützung”, so Kickl in der Aussendung.
Bereits zuvor hatte Kickl der Regierung ein Ultimatum gestellt und einen Misstrauensantrag in den Raum gestellt. Der Schaden durch die Dürre wird österreichweit auf rund 1 Milliarde Euro geschätzt, die Koalition aus ÖVP und SPÖ hat sich bis dato auf kein konkretes Hilfspaket einigen können.
Gewessler wirft Kickl “Heuchelei” vor – und nennt ihn beim Namen
Grünen-Bundessprecherin Leonore Gewessler reagierte mit einer Schärfe, die in diesem Ausmaß selten ist. Kickls Auftritt sei “der Versuch, sich als Retter der heimischen Landwirtschaft zu inszenieren”. Ihr Urteil fiel knapp aus: “Das ist Heuchelei.”
Gewessler legte nach: “Die FPÖ bekämpft jedes Windrad und leugnet die Klimakrise. Sie könnte der heimischen Landwirtschaft jederzeit helfen – und ihren Widerstand gegen wirksamen Klimaschutz aufgeben. Aber darum geht es Herbert Kickl gar nicht. Er will am Rücken der Bauern politisches Kleingeld wechseln. Mehr wäre ein Sondersitzungs-Schauspiel nämlich nicht.”
Die Vorwürfe im Detail: Was Gewessler der FPÖ konkret anlastet
Die Grünen-Chefin zählte eine Liste von Maßnahmen auf, gegen die sich die FPÖ nach ihrer Darstellung ausgesprochen habe. Dabei bezog sie sich ausdrücklich auf Abstimmungsverhalten und Parteipositionierungen der Freiheitlichen im Nationalrat und in öffentlichen Debatten der vergangenen Monate.
- Ausbau von heimischem Strom aus erneuerbaren Quellen – FPÖ dagegen
- Wirksamer Bodenschutz für landwirtschaftliche Flächen – FPÖ dagegen
- Renaturierung österreichischer Gewässer und Böden – FPÖ dagegen
- Klimaschutzgesetz als langfristige Absicherung der Landwirtschaft – FPÖ dagegen
Gewesslers Schlussfolgerung fiel entsprechend pointiert aus: “Für mich ist klar: Wer seine Heimat liebt, der schützt sie. Das ist das Gegenteil des FPÖ-Programms.”
“Politisches Kleingeld” – Grüne werfen Kickl persönliches Kalkül vor
Über die sachpolitische Kritik hinaus erhob Gewessler einen schwerwiegenden persönlichen Vorwurf an den FPÖ-Chef: Kickl wolle, dass es dem Land schlecht gehe, damit seine Umfragewerte hoch blieben. “Ob die Ernte am Feld vertrocknet oder nicht, kümmert ihn nicht”, so die Grünen-Chefin wörtlich.
Auch die Regierung kam bei Gewessler nicht besser weg. “Was die Regierung liefert, ist viel zu wenig. Weder beim Klimaschutz noch bei der Unterstützung der Landwirtschaft inmitten dieser Katastrophe geht irgendwas weiter”, kritisierte sie. Die Manöver der FPÖ seien “so schäbig wie durchschaubar”: Zuerst blockiere die Partei jede Schutzmaßnahme, dann beklage sie das Problem laut – ohne zur Lösung beizutragen.
Grüne positionieren sich als dritte Kraft in der Dürredebatte
Mit ihrer Offensive verfolgen die Grünen offensichtlich ein doppeltes Ziel: Sie wollen sich von der FPÖ als vermeintlicher Bauernretterin abgrenzen und gleichzeitig der Regierung aus ÖVP und SPÖ Versagen vorwerfen. “Wer vom Verwalten der Regierung und vom Heucheln und Spalten der FPÖ genug hat, findet bei den Grünen eine echte Alternative. Wir kämpfen für ein Klima, in dem Bäuerinnen und Bauern nachhaltig wirtschaften können”, sagte Gewessler.
Die niederösterreichischen Grünen hatten bereits zuvor eigene Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft gefordert. Die Bundespartei macht damit klar, dass sie das Thema Dürre nicht allein als Regierungsproblem betrachtet, sondern als ureigenes Feld klimapolitischer Auseinandersetzung.
Bauern warten weiter – Einigung in der Koalition bleibt offen
Während FPÖ und Grüne sich in der Öffentlichkeit beharken, hat sich an der Lage der betroffenen Landwirte nichts geändert. Die Koalition aus ÖVP und SPÖ hat sich seit dem 14. August – dem Tag, an dem ein erster Einigungsversuch scheiterte – nicht auf ein konkretes Hilfspaket verständigt. Der Gesamtschaden durch die Dürrekatastrophe liegt nach Schätzungen der Landwirtschaftskammer Österreich bei rund 1 Milliarde Euro.
Ob eine Sondersitzung des Nationalrats noch zustande kommt, ist derzeit offen – die Grünen haben ihre Ablehnung bekräftigt, die FPÖ ihren Antrag aufrechterhalten. Wann und in welcher Form die Bundesregierung ein Hilfspaket für die Landwirtschaft vorlegt, blieb auch am 18. August 2026 unbeantwortet.



