Im Osloer Dom, beim Staatsbegräbnis von König Harald V., saß Prinzessin Astrid nicht neben ihrer Familie. Die 94-Jährige war im Rollstuhl anwesend, aber räumlich abseits — durch einen schmalen Gang und eine Stufe von König Haakon und Prinzessin Märtha Louise getrennt. Ein Bild, das viele Norweger bewegte, ohne dass damals jemand ahnte, was nur zwei Tage später folgen würde.
Am Freitag, dem 11. September 2026, teilte das norwegische Königshaus mit, dass Prinzessin Astrid friedlich eingeschlafen sei. Sie wurde 94 Jahre alt. Was bei ihrem letzten öffentlichen Auftritt wie ein protokollarisches Detail wirkte, erhält durch ihren Tod eine ganz andere Schwere — und Norwegen stellt sich nun die Frage, warum die älteste Schwester des Königs überhaupt getrennt saß.
Das Hofprotokoll schrieb die Sitzordnung vor
Die Erklärung ist nüchtern, aber eindeutig. Laut dem Hofprotokoll des norwegischen Königshauses gilt beim Staatsbegräbnis eine strenge Rangordnung. König Haakon, Prinzessin Märtha Louise und ihre direkten Familienangehörigen nahmen auf einem leicht erhöhten Bereich nahe dem Sarg Platz — dem sogenannten Bereich der regierenden Linie.
Astrid hingegen gehörte als Schwester des verstorbenen Königs und Mitglied der sogenannten erweiterten königlichen Familie einer anderen Kategorie an. Sie saß davor, auf der anderen Seite eines schmalen Ganges. Keine persönliche Entscheidung, kein Konflikt — sondern eine jahrhundertealte zeremonielle Regel, die beim Staatsbegräbnis strikt eingehalten wird.
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Dass Astrid überhaupt teilnehmen konnte, war alles andere als selbstverständlich. Im März 2026 war sie wegen einer Lungenentzündung im Rikshospitalet in Oslo behandelt worden. Im Mai folgte ein erneuter Krankenhausaufenthalt wegen Herzinsuffizienz, bei dem sie vorübergehend einen Herzschrittmacher erhielt.
Trotzdem erschien sie. Schon am 2. September hatte sie die Schlosskapelle besucht und saß dort im Rollstuhl vor dem roten Sarg ihres jüngeren Bruders — ein stilles, privates Bild, das das Königshaus veröffentlichte und das seither um die Welt geht. Es war ihr letzter öffentlicher Abschied, wenngleich sie ihn in diesem Moment selbst noch nicht so nennen konnte.
Zwei Tage nach der Beerdigung: Norwegen trauert erneut
Prinzessin Astrid Maud Ingeborg wurde am 12. Februar 1932 geboren. Sie übernahm bereits mit 22 Jahren eine bedeutende Rolle im Königshaus, als Kronprinzessin Märtha 1954 starb und Astrid faktisch die Aufgaben der First Lady übernahm. Über Jahrzehnte blieb sie eine der sichtbarsten und verlässlichsten Vertreterinnen der norwegischen Monarchie.
König Haakon würdigte sie nach ihrem Tod als warmherzige und pflichtbewusste Frau, die sich besonders für Fürsorge und Inklusion eingesetzt habe. Ihre 5 Kinder — Cathrine, Benedikte, Alexander, Elisabeth und Carl-Christian Ferner — veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung mit den Worten: „Danke, dass du die beste Mama warst.“ Sie beschrieben ihre Mutter als Frau voller Liebe, Klugheit, Wärme und Humor.
Eine wichtige Stimme, die nicht schwieg
In der Königsfamilie galt Astrid als Stütze und als Frau, die ihre Meinung nicht für sich behielt. Enge Vertraute des Hauses beschreiben sie als jemanden, der König Harald über Jahrzehnte unterstützte und dabei nie im Hintergrund verschwand — sie war präsent, engagiert, direkt.
Mit ihrem Tod endet ein Kapitel der norwegischen Monarchie, das bis in die Nachkriegsjahre zurückreicht. Das Königshaus hat den genauen Zeitplan für die Trauerfeierlichkeiten für Prinzessin Astrid noch nicht bekanntgegeben — Norwegen wartet auf die Einzelheiten eines zweiten Staatsaktes innerhalb weniger Tage.
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