Um 9.10 Uhr am Freitagvormittag rasten mehrere Einsatzfahrzeuge in die Leibnizgasse in Wien-Favoriten. Ein einjähriges Kind war aus einem Fenster im ersten Stock gestürzt – ein Sturz, der das gesamte Grätzel für Stunden in Aufruhr versetzte.
Was die Polizei kurz darauf im Einsatzbericht festhielt, warf sofort Fragen auf: Wie konnte das Kleinkind überhaupt ans Fenster gelangen – und was sagen die Ermittlungen über die Umstände des Unglücks aus?
Der Sturz in der Leibnizgasse: Was in jenen Minuten geschah
Beim Eintreffen der Beamten war das Kind bereits durch die Berufsrettung Wien notfallmedizinisch versorgt worden. Der Einsatz lief auf Hochtouren: Mehrere Polizeistreifen sicherten den Bereich ab, während die Sanitäter das Kleinkind stabilisierten.
Aufgrund der Schwere der Verletzungen wurde noch vor Ort der Wiener Rettungshubschrauber angefordert. Er landete am nahegelegenen Antonplatz und brachte das Kind schwer verletzt in ein Wiener Krankenhaus.
Schaulustige, Trittspuren, Sofa: Die verstörenden Polizei-Details
Was den Einsatzkräften die Arbeit zusätzlich erschwerte: Zahlreiche Schaulustige mussten von den Beamten auf Abstand gehalten werden, um den Einsatzraum freizuhalten, wie es im Polizeibericht heißt.
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Noch bemerkenswerter sind die Angaben der anwesenden Eltern zum Unfallhergang. Demnach dürfte das einjährige Kind zunächst auf ein Sofa geklettert sein, von dort auf das Fensterbrett – und schließlich in die Tiefe gestürzt sein. Am Fensterbrett sichergestellte Trittspuren sollen diesen Verdacht der Behörden bestätigen.
Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung: Ermittlungen gegen die Eltern
Die Wiener Polizei leitete noch am Freitag Ermittlungen ein. Im Fokus stehen die Eltern des Kindes – ein 30-jähriger Vater und eine 35-jährige Mutter, beide syrischer Herkunft. Der Vorwurf lautet auf fahrlässige Körperverletzung.
Ob und in welchem Ausmaß die Eltern strafrechtlich verantwortlich gemacht werden können, ist Gegenstand der laufenden Untersuchung. Die Staatsanwaltschaft Wien war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Rettungshubschrauber am Antonplatz: Einsatz unter schwierigen Bedingungen
Der Einsatz der Berufsrettung Wien und der Landespolizeidirektion Wien zeigte, wie komplex solche Lagen selbst für erfahrene Kräfte sein können. Neben der medizinischen Erstversorgung mussten die Einsatzkräfte gleichzeitig die Menschenmenge kontrollieren, eine Landezone für den Hubschrauber freihalten und die Unfallstelle sichern.
Laut Polizeibericht verlief die Koordination zwischen den Einheiten geordnet, wenngleich die Präsenz zahlreicher Neugieriger den Ablauf erheblich erschwerte.
Fensterstürze bei Kleinkindern: Ein bekanntes, unterschätztes Risiko
Fälle wie dieser aus der Leibnizgasse sind keine Ausnahmeerscheinung. Die wichtigsten Faktoren, die laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) solche Unfälle begünstigen, sind:
- Möbelstücke direkt unter oder neben Fenstern, die als Kletterstation dienen
- Fehlende oder defekte Fenstersicherungen und Kindersicherungen
- Kurze Aufsichtspausen, in denen Kleinkinder sich rasch fortbewegen
- Alte Fensterrahmen ohne integrierten Öffnungsbegrenzer
- Unterschätzung der Kletterfähigkeiten von Kindern im Alter von 1 bis 3 Jahren
Das KFV empfiehlt unter anderem, Möbel mindestens einen Meter vom nächsten Fenster entfernt aufzustellen und alle Fenster mit einem zertifizierten Kindersicherungsgriff auszustatten.
Was jetzt folgt: Ermittlungen und der Zustand des Kindes
Über den aktuellen Gesundheitszustand des einjährigen Kindes lagen bis Redaktionsschluss keine weiteren offiziellen Angaben der behandelnden Klinik vor. Die Ermittlungen der Polizei Wien wegen fahrlässiger Körperverletzung sind laufend; ein Abschluss des Verfahrens ist erst nach vollständiger Aufklärung des Unfallhergangs zu erwarten.
Ob aus den Ermittlungsergebnissen auch Konsequenzen für das Jugendamt und eine mögliche Einschaltung der Kinder- und Jugendhilfe Wien folgen, wird die nächste Phase des Verfahrens zeigen.
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