Am 1. September 2026 legte die Oberbank ihre Halbjahreszahlen vor — und die Überraschung war spürbar. Während viele heimische Institute mit verhaltenen Ergebnissen kämpfen, meldete die Linzer Bank einen Nachsteuergewinn von 199 Millionen Euro, ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Die Bank übertraf damit sogar ihre eigenen internen Erwartungen.
Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Die Zahlen fallen mitten in eine Führungsübergabe. Der designierte Generaldirektor Martin Seiter übernimmt ab 1. Jänner 2027 offiziell das Ruder von Franz Gasselsberger — und bekommt damit gleich zu Beginn seines Mandats einen beachtlichen Rückenwind. Die Frage ist, ob sich dieses Tempo im zweiten Halbjahr halten lässt.
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199 Millionen Euro Gewinn: Was hinter dem Plus von 11 Prozent steckt
Das Ergebnis speist sich aus mehreren Quellen. Das operative Kerngeschäft — Kredite, Einlagen, Provisionen — zog in allen drei Bereichen deutlich an. Laut Oberbank liegt die Bank bei ihrer langfristigen Strategie 2030 damit “voll im Plan”.
„Unsere Stärke ist das operative Geschäft mit starken Zuwächsen im Kreditgeschäft und bei den Einlagen”, sagte Martin Seiter, designierter Generaldirektor der Oberbank. Auch das Dienstleistungs- und Beteiligungsergebnis habe sich sehr gut entwickelt.
Kreditvolumen klettert auf 22,37 Milliarden Euro
Der stärkste Wachstumsmotor war das Firmenkundengeschäft. Das gesamte Kreditvolumen der Oberbank stieg auf 22,37 Milliarden Euro. Allein bei Firmenkrediten legte die Bank um 850,7 Millionen Euro beziehungsweise 4,8 Prozent auf 18,6 Milliarden Euro zu — deutlich mehr als das Marktwachstum in Österreich, das laut Oberbank bei lediglich 2,5 Prozent lag.
Geografisch zogen vor allem Deutschland und Tschechien mit. Besonders stark fiel der Zuwachs in Ungarn aus, wo die Firmenkundenkredite um 11,25 Prozent stiegen. Die Nachfrage kommt laut Bank vor allem aus Bereichen wie Automatisierung, Digitalisierung und Produktionsoptimierung.
Im Privatkundengeschäft verschiebt sich das Bild: Weniger Neubaufinanzierungen, dafür mehr Nachfrage nach Kauf und anschließender Sanierung bestehender Immobilien. Die Oberbank bezeichnet 2026 intern als potenziell bestes Privat-Banking-Jahr der Unternehmensgeschichte.
Provisionsrekord: 129,1 Millionen Euro — ein Plus von 13,4 Prozent
Parallel zum Kreditwachstum verzeichnete die Oberbank einen Rekord beim Provisionsergebnis. Es kletterte um 13,4 Prozent auf 129,1 Millionen Euro. Getrieben wurde dieser Anstieg durch höhere Wertpapierprovisionen sowie Mehreinnahmen aus dem Kredit- und Zahlungsverkehrsgeschäft.
Auch bei den verwalteten Kundengeldern wurde ein Höchststand erreicht. Gemeinsam mit den auf Wertpapierdepots verwalteten Vermögen betreut die Oberbank inzwischen 45,56 Milliarden Euro an Kundengeldern — ebenfalls ein Rekordwert in der Unternehmensgeschichte.
Eigenkapital bei 4,5 Milliarden Euro — und was die Kennzahlen verraten
Das Eigenkapital der Oberbank wuchs binnen eines Jahres um 7,6 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick:
- Nachsteuergewinn H1 2026: 199 Millionen Euro (+11 %)
- Gesamtes Kreditvolumen: 22,37 Milliarden Euro
- Firmenkundenkredite: 18,6 Milliarden Euro (+4,8 %)
- Provisionsergebnis: 129,1 Millionen Euro (+13,4 %)
- Betreute Kundengelder: 45,56 Milliarden Euro (Rekord)
- Eigenkapital: 4,5 Milliarden Euro (+7,6 %)
- Quote notleidender Kredite: 2,94 Prozent
- Cost-Income-Ratio: 42,35 Euro Kosten je 100 Euro Ertrag
Die Quote notleidender Kredite von 2,94 Prozent gilt im aktuellen Marktumfeld als beherrschbar. Für die Risikoabsicherung im Kreditgeschäft setzt Seiter auf ein ungewöhnliches Prinzip: „Für uns sind die größten Sicherheiten die Unternehmerpersönlichkeit und die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells”, sagte er. Nach eigenen Angaben besucht er rund 300 Unternehmen pro Jahr persönlich.
Chefwechsel ab 1. Jänner 2027: Seiter übernimmt von Gasselsberger
Die starken Halbjahreszahlen fallen in eine Phase des Umbruchs an der Spitze. Martin Seiter, bislang im Vorstand der Oberbank tätig, wird mit 1. Jänner 2027 offiziell die Nachfolge von Langzeit-Generaldirektor Franz Gasselsberger antreten. Die Übergabe erfolgt damit schrittweise — Seiter ist bereits als designierter Chef in der Außenkommunikation präsent.
Trotz der beeindruckenden Zahlen gibt sich Seiter beim Ausblick bewusst zurückhaltend. „Nach einem fulminanten zweiten Quartal schaut auch das dritte Quartal vielversprechend aus”, sagte er. Gleichzeitig verwies er auf weiterhin hohe geopolitische Unsicherheiten und betonte, dass die wirtschaftlichen Folgen des diesjährigen Dürresommers noch nicht vollständig abzuschätzen seien.
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