Die zweite Spielminute war noch nicht vollständig abgelaufen, als Schiedsrichter Marco Fritz die Rote Karte zückte. Raffael Behounek, Innenverteidiger des Wolfsberger AC, hatte LASK-Flügelspieler Christoph Lang mit einer Notbremse gestoppt — ein klassischer Torraub, keine Grauzone, kein Interpretationsspielraum. Dem WAC fehlte fortan für 93 Minuten inklusive Nachspielzeit ein Mann auf dem Rasen.
Es war der zweite frühe Platzverweis binnen vier Tagen für die Wolfsberger. Am Samstag davor hatte Nicolas Wimmer beim 0:0 gegen den GAK bereits nach 15 Minuten die Kabine aufsuchen müssen. Dass ausgerechnet wieder ein Führungsspieler die entscheidende Fehlentscheidung traf, brachte Trainer Thomas Silberberger nach dem Abpfiff an seinen Geduldsfaden.
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Behounek in Minute 2: Notbremse mit weitreichenden Folgen für den WAC
Beim Stand von 0:0 zog Behounek gegen Lang die Notbremse — eine Aktion, die der Innenverteidiger im Nachhinein selbst nicht zu verteidigen versuchte. Der WAC musste das gesamte Spiel in Unterzahl bestreiten, was jeden zuvor ausgearbeiteten Matchplan hinfällig machte. Gegen einen gut organisierten LASK, der nach dem Seitenwechsel aufdrückte, war das schlicht nicht zu kompensieren.
Fabian Wohlmuth hatte den WAC in der 34. Minute per Freistoßvariante noch in Führung gebracht. Es sollte der einzige Treffer der Wolfsberger an diesem Abend bleiben. LASK-Angreifer Xavier Mbuyamba glich in der 54. Minute aus, Melayro Bogarde erhöhte in der 68. Minute, Alessandro Schöpf stellte in der 84. Minute auf 3:1 — der fünfte Sieg im fünften Spiel für den österreichischen Meister.
„Das darf mir nicht passieren”: Behounek entschuldigt sich bei der Mannschaft
Selten war ein Schuldeingeständnis nach einem Bundesliga-Abend so vorbehaltlos wie dieses. „Es tut unglaublich weh. Die Niederlage geht heute absolut auf mich”, sagte Behounek sichtlich geknickt im Interview mit dem Bezahlsender Sky. Er ließ keine Relativierung gelten: „Ich kann mich nur bei der Mannschaft entschuldigen, dass ich nach zwei Minuten so ein Blackout habe. Es war eine Rote Karte, da gibt es keine Diskussionen.”
Den Kopf schüttelte der Wolfsberger dabei über sich selbst. Er räumte ein, dass die Mannschaft danach „gut gemacht” habe, der Gegner aber „zu stark war, wenn man das ganze Spiel in Unterzahl spielt”. Eine Einschätzung, die kaum jemand ernsthaft bestreiten konnte.
Silberberger rechnet öffentlich ab: „Immer unsere Führungsspieler”
Trainer Thomas Silberberger wählte nach dem Abpfiff deutliche Worte — und er richtete sie nicht abstrakt an die Mannschaft, sondern konkret an jene, die Verantwortung tragen sollen. „Es ist maximal frustrierend, wenn du nach zwei Minuten den Matchplan in die Tonne werfen kannst. Es sind immer unsere Führungsspieler, die die falschen Entscheidungen treffen”, sagte der WAC-Coach.
Silberberger stellte dabei den strukturellen Zusammenhang klar: 85 Minuten in Unterzahl vier Tage zuvor gegen den GAK, nun 93 Minuten in Unterzahl gegen den LASK. Das sei keine Pechsträhne, sondern ein Muster. „Wir erwarten von Führungsspielern, dass sie die richtigen Schlüsse ziehen. Da darf ich nie eingreifen. So früh darf ich nie einen Torraub ziehen, das ist natürlich eine Kurzschluss-Reaktion”, ergänzte der Trainer mit unverhohlener Schärfe.
LASK weiter makellos: Was die 1:3-Niederlage für den WAC in der Tabelle bedeutet
Für den LASK Linz war der Dienstagabend ein weiterer Schritt in einer bisher fehlerfreien Saison: 5 Siege aus 5 Spielen, kein einziger Punkt bisher abgegeben. Die drei Torschützen — Mbuyamba, Bogarde und Schöpf — stehen sinnbildlich für die Breite des Kaders, den Meistertrainer Markus Schopp in dieser Frühphase der Saison bereits ausschöpfen kann.
Für den WAC hingegen steht nach fünf Runden eine ernüchternde Bilanz zu Buche. Zwei Platzverweise in vier Tagen gegen zwei verschiedene Gegner, dazu die klare Niederlage gegen das beste Team der Liga — die Personalsituation in der Innenverteidigung wird Silberberger in den kommenden Tagen beschäftigen müssen.
Droht Behounek nach der Roten Karte eine Sperre für das nächste Spiel?
Ein Platzverweis wegen Torraubs zieht im österreichischen Bundesliga-Reglement in der Regel eine Sperre von mindestens einem Pflichtspiel nach sich. Ob die Protestkommission des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) die Szene zusätzlich bewertet oder es bei der Standardsperre bleibt, war am Abend des 1. September 2026 noch offen.
Die Konsequenzen für die Aufstellung beim nächsten Pflichtspiel des WAC sind damit unmittelbar spürbar. Silberberger wird auf Behounek in der Abwehrzentrale vorerst verzichten müssen — wie lange, hängt von der Entscheidung des zuständigen ÖFB-Gremiums ab.
- 2. Minute: Rote Karte Behounek (Notbremse gegen Lang)
- 34. Minute: Führung WAC durch Wohlmuth (Freistoßvariante)
- 54. Minute: Ausgleich LASK durch Mbuyamba
- 68. Minute: 2:1 LASK durch Bogarde
- 84. Minute: 3:1 LASK durch Schöpf
Ob das ÖFB-Strafsenat die Causa Behounek bei seiner nächsten regulären Sitzung behandelt oder ein beschleunigtes Verfahren einleitet, wird darüber entscheiden, ab wann der Wolfsberger Innenverteidiger seinem Trainer wieder zur Verfügung steht.
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