Am 4. August 2026 zeigte das Thermometer in Deutsch-Altenburg 41,2 Grad Celsius — ein Wert, den die Messgeschichte Österreichs bis dahin nicht kannte. Felder trockneten aus, Ernten fielen weg, und in den Tieflagen des Landes staute sich eine Hitze, die selbst erfahrene Meteorologen mit einem gewissen Unbehagen betrachteten. Der meteorologische Sommer endete offiziell am 1. September 2026, doch seine Spuren bleiben.
Ulrich Foelsche, wissenschaftlicher Leiter der geophysikalischen Forschung an der Universität Graz, zog gegenüber der “Kleinen Zeitung” eine Bilanz, die mehr als nur eine saisonale Rückschau ist: Dieser Rekordsommer könnte, gemessen an dem, was noch kommt, in drei Jahrzehnten als verhältnismäßig kühl in Erinnerung bleiben. Was steckt hinter dieser Einschätzung — und was sagen die Zahlen aus Graz?
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49 Hitzetage: Was die Wetterstation der Uni Graz für 2026 gemessen hat
Die Wetterstation der Universität Graz verzeichnete im Sommer 2026 insgesamt 49 Hitzetage — also Tage, an denen die Temperatur über 30 Grad Celsius stieg. Das ist ein neuer Rekord. Der bisherige Spitzenwert stammte aus dem Jahr 2003 mit 41 Hitzetagen, einem Sommer, der damals ganz Europa in Atem hielt.
Auch die Nächte boten keine Erholung. Neun sogenannte Tropennächte — Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fiel — wurden registriert. Die wärmste Nacht der gesamten Messgeschichte fiel auf den Übergang vom 6. auf den 7. August: 24,7 Grad als Tiefstwert. Eine Zahl, die für viele Österreicherinnen und Österreicher schlicht unvorstellbar war.
Foelsches Prognose: Der Sommer 2026 war erst der Anfang
Foelsche ordnet die Ereignisse des Sommers in einen größeren Zusammenhang ein. Wetterlagen, die früher Höchstwerte von rund 32 Grad produzierten, bringen heute 36 Grad — weil der Klimawandel das gesamte Temperaturniveau nach oben verschoben hat. Dazu kommen lang anhaltende Hochdruckphasen, die Hitze und Trockenheit verstärken und über Wochen festhalten.
„Wenn wir in 30 Jahren zurückblicken, wird der Sommer 2026 ein kühler gewesen sein”, sagte Foelsche laut der “Kleinen Zeitung”. Das ist keine rhetorische Zuspitzung, sondern eine auf Klimadaten gestützte Einschätzung des Wissenschaftlers. Foelsche wies zudem darauf hin, dass dieser Sommer allein mehr Hitzetage aufwies als die ersten 17 Lebensjahre des Forschers zusammengenommen.
Rekordhitze und Dürre: Die verheerenden Folgen für die Landwirtschaft
Während Messstationen neue Höchstwerte schrieben, kämpften Bäuerinnen und Bauern in weiten Teilen Österreichs mit den Folgen einer anhaltenden Dürre. Ausgetrocknete Böden, reduzierte Erntemengen und Wassermangel prägten die Lage auf dem Land. Die Kombination aus Hitze und ausbleibenden Niederschlägen traf vor allem die Ackerwirtschaft mit voller Wucht.
Die Auswirkungen waren nicht auf eine Region beschränkt. Von Niederösterreich bis in die Steiermark meldeten landwirtschaftliche Betriebe erhebliche Schäden — ein Muster, das sich laut der Einschätzung der Universität Graz in den kommenden Jahrzehnten häufen dürfte.
Warum künftige Sommer noch extremer werden
Die physikalische Logik hinter Foelsches Prognose ist klar. Der Klimawandel erhöht das Basisniveau der Temperaturen dauerhaft. Hochdruckgebiete, die sich über Mitteleuropa festsetzen, koppeln sich mit dieser Grunderwärmung und erzeugen Extremwerte, die frühere Generationen nicht kannten. Für Österreich bedeutet das:
- Häufigere und längere Hitzeperioden mit mehr als 30 Grad
- Steigende Zahl an Tropennächten, die Erholung verhindern
- Ausgeprägtere Trockenperioden mit wachsendem Druck auf Landwirtschaft und Wasserversorgung
- Ein schrittweise ansteigendes Temperaturniveau, das bisherige Rekordwerte zur Norm macht
- Wachsende Belastung für Gesundheitssystem und Infrastruktur in Ballungsräumen
Was Österreich auf den nächsten Hitzesommer vorbereiten muss
Die Datenlage aus Graz macht deutlich, dass der Sommer 2026 kein Ausreißer ist, sondern ein Vorgeschmack. Die Frage, welche Konsequenzen Kommunen, Landwirtschaft und Gesundheitsversorgung daraus ziehen, bleibt vorerst offen. Hitzeschutzpläne, die Begrünung städtischer Räume und eine Anpassung der Anbaumethoden stehen auf der politischen Agenda — wie rasch und verbindlich diese umgesetzt werden, wird die kommenden Sommer mitbestimmen.
Ob die Lehren aus dem heißesten Sommer der Messgeschichte rechtzeitig gezogen werden, darüber werden die nächsten Hitzewellen — und nicht zuletzt die Wetterstation der Universität Graz — Auskunft geben.
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