An der B 69 in Halbenrain kennt jeder das Kaufhaus Wallner. Wer einen fehlenden Reißverschluss brauchte, Wolle für den Winter, ein Geburtstagsgeschenk oder einfach die Lebensmittel für die Woche — er fuhr zum Wallner. Die Preise klebten auf kleinen Pickerln, an der Kasse wurden die Beträge händisch eingegeben. Eine Welt, die anderswo längst verschwunden ist.
Doch nach 140 Jahren ist Schluss. Am Samstag, dem 3. Oktober 2026, wird das Kaufhaus an der Bundesstraße zum letzten Mal aufsperren. Was dann mit der Nahversorgung im Ort passiert, ist noch offen — und die Frage beschäftigt Halbenrain mehr als manches andere.
140 Jahre Wallner: Was dieses Geschäft für Halbenrain bedeutete
Lebensmittel, Kleidung, Geschirr, Wolle, Haushaltswaren — das Sortiment des Kaufhauses war so breit wie das Leben im Dorf selbst. Kein Supermarkt ersetzte diese Mischung aus persönlicher Beratung und Vollversorgung unter einem Dach. Für viele Halbenrainer war der Wallner nicht bloß ein Laden, sondern ein Fixpunkt des Alltags über Generationen.
Gegründet wurde das Geschäft vor rund eineinhalb Jahrhunderten, die genaue Jahreszahl verliert sich im 19. Jahrhundert. Dass es überhaupt so lange existierte, ist bereits eine Ausnahme im österreichischen Handel, in dem kleine Familienbetriebe seit Jahrzehnten unter Druck stehen.
Drei Geschwister, ein Lebenswerk — warum jetzt Schluss ist
Hinter dem Kaufhaus standen zuletzt drei Geschwister: Hubert Wallner, der seit 1989 als Geschäftsführer fungierte, seine Schwester Helga Wallner, die sich um die Modeabteilung kümmerte, sowie Ingrid Fischer, die für den Lebensmittelbereich zuständig war. Ein eingespieltes Team, über Jahrzehnte gewachsen.
Der Auslöser für das Ende ist der bevorstehende Ruhestand von Hubert Wallner. Ohne Nachfolger in der Familie gibt es keine Möglichkeit, das Geschäft weiterzuführen. Der Abschied ist damit auch ein persönlicher — ein Abschied von einem Lebensabschnitt, der für alle drei Geschwister mehr als nur Arbeit war.
„Du lebst mit”: Was Helga Wallner über den Kundenkontakt erzählt
Helga Wallner beschrieb gegenüber der Kleinen Zeitung, was diesen Beruf von jedem anderen unterschied: „Du lebst mit: Jemand bringt eine Parte zum Aufhängen, weil jemand im Ort gestorben ist und du drückst dein Beileid aus. Dann kommt jemand mit dem frischgeborenen Baby und du gratulierst. Würde man die ganzen Situationen in einem Buch sammeln, das würde übergehen.”
Diese Nähe zum Dorfgeschehen ist in modernen Handelsketten schlicht nicht vorgesehen. Beim Wallner war sie selbstverständlich — Parte neben der Kasse, Glückwünsche über den Ladentisch.
Ein Relikt aus einer anderen Zeit: Wie der Laden bis zuletzt funktionierte
Das Kaufhaus Wallner blieb seinem Stil konsequent treu. Die Lebensmittelpreise standen auf handgeschriebenen oder aufgedruckten Pickerln, Barcode-Scanner suchte man vergeblich. An der Kasse wurden die Beträge manuell eingegeben — ein Ablauf, der in den meisten österreichischen Geschäften seit den 1990er-Jahren der Vergangenheit angehört.
Was manchem wie Rückständigkeit erscheinen mag, war für die Stammkunden ein Qualitätsmerkmal. Es bedeutete: Hier wird man nicht abgefertigt, hier nimmt sich jemand Zeit.
Schlussverkauf bis 3. Oktober — und was danach mit der Nahversorgung passiert
Bis zum letzten Öffnungstag läuft ein Schluss- und Jubiläumsverkauf im Kaufhaus Wallner. Wer noch einmal einkaufen möchte — oder sich ein Stück dieses Traditionsgeschäfts sichern will — hat bis Samstag, dem 3. Oktober 2026, die Gelegenheit dazu.
Was die Nahversorgung in Halbenrain danach sicherstellen soll, ist noch nicht abschließend geklärt. Hubert Wallner versicherte, die Versorgung werde weiterhin gesichert sein — konkrete Pläne nannte er bislang nicht. Für eine Gemeinde dieser Größenordnung in der südsteirischen Grenzregion ist das keine Kleinigkeit.
- Lebensmittelabteilung: zuständig Ingrid Fischer
- Modeabteilung: zuständig Helga Wallner
- Geschäftsführung seit 1989: Hubert Wallner
- Bestand des Kaufhauses: rund 140 Jahre
- Letzter Öffnungstag: 3. Oktober 2026
- Lage: Bundesstraße B 69, Halbenrain, Steiermark
Wie die Gemeinde Halbenrain die Lücke in der Grundversorgung langfristig schließt, bleibt die offene Frage, die nach dem 3. Oktober dringend eine Antwort braucht.



