Koralmbahn A2: Warum Kärnten 6,3 Prozent weniger Autos auf der Südautobahn zählt

Wer im ersten Halbjahr 2026 auf der A2 Südautobahn zwischen Graz und Klagenfurt unterwegs war, hatte es spürbar ruhiger als noch ein Jahr zuvor. Weniger Kolonnen, weniger Überholmanöver, kürzere Staus an Wochenenden. Das ist kein Zufall und auch keine Ferienwirkung.

Eine aktuelle Analyse des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) auf Basis von Daten der Asfinag liefert nun die Erklärung in Zahlen: Die Koralmbahn zieht Autofahrten messbar von der Straße auf die Schiene. Und die Wirkung fällt in einem Bundesland besonders drastisch aus.

Koralmkorridor: 4,6 Prozent weniger Autos auf der A2

Im gesamten Koralmkorridor auf der A2 Südautobahn ist der Pkw-Verkehr im ersten Halbjahr 2026 um 4,6 Prozent zurückgegangen. Der Vergleichszeitraum ist das erste Halbjahr 2025. Im übrigen österreichischen Autobahn- und Schnellstraßennetz lag das Minus im selben Zeitraum bei lediglich 0,6 Prozent.

Der Unterschied ist damit nicht marginal, sondern strukturell. Der Rückgang im Koralmkorridor ist mehr als siebenmal so stark wie der österreichweite Schnitt.

Kärnten mit 6,3 Prozent Minus: Zehnmal stärker als der Bundesdurchschnitt

Innerhalb des Koralmkorridors zeigt sich ein deutliches Gefälle zwischen den beiden betroffenen Bundesländern. Im steirischen Abschnitt sank der Autoverkehr um 3,6 Prozent — das ist immerhin sechsmal so viel wie im restlichen Autobahnnetz. Auf Kärntner Seite fiel das Minus mit 6,3 Prozent aber noch markant schärfer aus: rund zehnmal so stark wie der österreichische Vergleichswert.

Warum Kärnten stärker reagiert, liegt nahe. Die Bahnverbindung nach Wien war von Klagenfurt aus vor Eröffnung der Koralmbahn schlicht unattraktiv — zu lang, zu umständlich. Jetzt ist man mit dem Zug schneller in der Bundeshauptstadt als mit dem Auto, und das merkt man an den Zählstellen.

VCÖ-Expertin: Westbahn-Effekt als historisches Vorbild

„Die Koralmbahn hat zu einer Verlagerung von Autofahrten auf die Bahn geführt”, sagt Klara Maria Schenk, Expertin des VCÖ. Einen vergleichbaren Effekt habe es bereits 2012 nach dem Ausbau und der Beschleunigung der Westbahnstrecke gegeben, so Schenk weiter.

Der VCÖ weist jedoch auch auf einen zweiten Faktor hin: Die infolge des Irankriegs gestiegenen Spritpreise hätten den Autoverkehr österreichweit zusätzlich gedämpft. Die Koralmbahn allein erklärt also nicht das gesamte Minus — aber sie ist der entscheidende Unterschied zwischen dem Koralmkorridor und dem Rest des Landes.

Österreichweit: Bei 61 Prozent der Zählstellen weniger Pkw

Der Trend beschränkt sich nicht auf Kärnten und die Steiermark. Österreichweit wurden bei 145 von 238 ausgewerteten Zählstellen — das entspricht rund 61 Prozent — im ersten Halbjahr 2026 weniger Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen gezählt als im Vergleichszeitraum 2025.

Beim Schwerverkehr dreht sich das Bild. Bei 241 von 299 Zählstellen, also rund 81 Prozent, nahm der Lkw-Verkehr zu. Die Entlastung auf den Autobahnen betrifft damit vor allem den Individualverkehr, nicht den Gütertransport.

  • A2 Koralmkorridor gesamt: –4,6 % Pkw-Verkehr im 1. Halbjahr 2026
  • Steirischer Abschnitt: –3,6 %
  • Kärntner Abschnitt: –6,3 %
  • Übriges Autobahn- und Schnellstraßennetz: –0,6 %
  • A23 Südost-Tangente Wien (Zählstelle Baumgasse): 34,6 Millionen Fahrzeuge, davon 95 % Pkw
  • A1 Westautobahn zwischen Haid und Traun: 2,58 Millionen Lkw im 1. Halbjahr

Wiener Tangente bleibt meistbefahrene Strecke Österreichs

Trotz der Entlastung im Süden bleibt die A23 Südost-Tangente in Wien der mit Abstand stärkste Verkehrsknotenpunkt des Landes. An der Zählstelle Baumgasse wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 34,6 Millionen Fahrzeuge erfasst, 95 Prozent davon Pkw. An eine spürbare Entlastung ist dort vorerst nicht zu denken.

Die meisten Lkw rollten derweil auf der A1 Westautobahn: Zwischen Haid und Traun waren im ersten Halbjahr rund 2,58 Millionen Lastwagen unterwegs.

Pendelverkehr: Was der VCÖ jetzt von Unternehmen fordert

Der VCÖ sieht vor allem beim Pendeln noch erhebliches Potenzial. Laut Umweltbundesamt sitzen derzeit im Schnitt nur 1,14 Personen in einem Pkw — rechnerisch braucht es damit 88 Autos, um 100 Personen zu transportieren.

Die Organisation appelliert an Unternehmen, steuerbegünstigte Öffi-Jobtickets oder Jobräder anzubieten. Werkbusse, organisierte Fahrgemeinschaften, flexiblere Arbeitszeiten und Home-Office-Regelungen könnten laut VCÖ zusätzlich dazu beitragen, den Berufsverkehr auf Österreichs Autobahnen weiter zu reduzieren.

Ob der Koralmbahn-Effekt in der zweiten Jahreshälfte 2026 anhält oder sich abschwächt, werden die nächsten Asfinag-Auswertungen zeigen.

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