Last Soul Ultra 2026: Wie Mark Dowdle nach 94 Stunden und 630 Kilometern die letzte Seele wurde

Dienstagvormittag, irgendwo zwischen dem vierten und fünften Renntag. Zwei Männer laufen. Alle anderen schlafen längst zu Hause, haben ihre Laufschuhe ausgezogen, ihre Wunden versorgt und aufgehört. Von ursprünglich 150 Startern sind beim “Last Soul Ultra” 2026 nur noch zwei Athleten übrig — und einer von ihnen wird gleich zusammenbrechen.

Der andere heißt Mark Dowdle. Der US-Amerikaner beendete in der 94. Runde das wohl spektakulärste Ausduerduell des Jahres und gewann damit den “Last Soul Ultra” 2026. Wie er dahin kam — und warum das Ergebnis im Rückblick fast unvermeidlich wirkt — ist eine Geschichte über Schlafentzug, serielle Dominanz und ein Extremformat, das das Internet in Atem hielt.

94 Stunden: Was der Sieg von Mark Dowdle an reiner Ausdauer bedeutet

Mehr als vier volle Tage. Mehr als 630 Kilometer. Kaum Schlaf. Das sind die nackten Zahlen hinter dem Triumph von Mark Dowdle beim “Last Soul Ultra” 2026. In Runde 94 war Dowdles letzter verbliebener Konkurrent, der Deutsche Ayyoub “Ello” El Osrouti, nicht mehr in der Lage weiterzumachen — und damit war die Entscheidung gefallen.

Der Sieg bedeutet für Dowdle gleichzeitig einen neuen persönlichen Rekord. Beim “Go One More Ultra” im April in Texas hatte er 73 Runden und knapp 490 Kilometer gebraucht, um zu gewinnen. Beim Last Soul Ultra übertraf er diese Marke um mehr als 20 Runden.

630 Kilometer und Runde 94: So funktioniert das brutale Format

Das Regelwerk des “Last Soul Ultra” ist in einem Satz erklärt — und in keinem Satz vollständig zu erfassen. Zu jeder vollen Stunde müssen die Teilnehmer eine Runde über exakt 6,706 Kilometer beginnen. Wer die Strecke in 45 Minuten schafft, hat 15 Minuten für alles andere: essen, trinken, schlafen, Blasen versorgen.

Dann geht es wieder los. Es gibt keine vorgegebene Gesamtdistanz, kein fixes Ziel, kein Zeitlimit. Das Rennen endet erst, wenn nur noch ein Athlet antritt. Nach mehreren Tagen wird Schlaf zur knappsten Ressource überhaupt — kostbarer als Energie-Gele oder frische Socken.

  • Start: jede volle Stunde
  • Rundendistanz: exakt 6,706 Kilometer
  • Maximale Zeit pro Runde: 60 Minuten
  • Ausscheiden: wer eine Runde nicht beendet oder den nächsten Start verpasst
  • Sieger: der letzte verbliebene Athlet — die “letzte Seele”

Ello gibt auf: Für El Osrouti ist es die zweite bittere Niederlage in Folge

Ayyoub “Ello” El Osrouti hielt bis Runde 94 durch — das ist eine Leistung, die kaum ein Mensch auf diesem Planeten erbringen kann. Und dennoch reichte es nicht. Besonders schmerzhaft: Es ist bereits die zweite Finalniederlage für den Deutschen in Folge.

Schon bei der Premiere 2025 war El Osrouti Zweiter geworden. Damals kämpfte er 66 Runden lang gegen YouTuber Kim Gottwald, ehe ihn Probleme mit der Achillessehne stoppten. Gottwald absolvierte anschließend die entscheidende 67. Runde und gewann. 2026 hielt El Osrouti noch einmal mehr als einen ganzen Tag länger durch — und verlor trotzdem.

Sechs Siege in Folge: Warum Dowdles Triumph keine Überraschung war

Dass ausgerechnet Mark Dowdle am Ende als Sieger feststand, kommt bei näherer Betrachtung nicht aus dem Nichts. Der US-Amerikaner reiste mit einer bemerkenswerten Serie nach Deutschland: Vor dem Last Soul Ultra hatte er bereits sechs Backyard Ultras in Folge gewonnen. Zu diesen Erfolgen zählt auch der “Go One More Ultra” im April in Texas.

Kurios dabei: Beim texanischen Rennen war auch Kim Gottwald am Start — der Mitinitiator und Vorjahressieger des Last Soul Ultra. Gottwald musste dort nach 58 Runden aufgeben. Dowdle gewann. Nun triumphierte der Amerikaner auch bei Gottwalds eigenem Event. Ursprünglich kommt Dowdle übrigens nicht aus dem klassischen Ausdauersport: Er spielte in seiner Heimat College-Football und Lacrosse, bevor er seine Leidenschaft für Backyard Ultras entdeckte.

100.000 Zuschauer gleichzeitig: Wie ein Extremlauf zum Internet-Ereignis wurde

Was als Nischenprojekt begann, hat sich binnen zwei Jahren zu einem der meistgesehenen Livestream-Events im deutschsprachigen Raum entwickelt. Bereits 2025 verfolgten zeitweise mehr als 40.000 Menschen den Stream. 2026 wurde diese Zahl weit übertroffen: Während des entscheidenden Duells schauten zeitweise über 100.000 Zuschauer gleichzeitig auf YouTube zu.

Kim Gottwald, der 23-jährige Lauf-YouTuber, hat den Last Soul Ultra mitinitiiert und 2025 selbst gewonnen — damals mit 67 Runden und knapp 449 Kilometern. Seinen Titel konnte er 2026 nicht verteidigen: Eine noch nicht vollständig verheilte Verletzung zwang ihn zum Zuschauen. Statt selbst zu laufen, moderierte er sein eigenes Event — und sah dabei, wie sein texanischer Bekannter das Feld beherrschte.

Nach dem Sieg: Was Dowdles Rekordlauf für die Zukunft des Formats bedeutet

Mit dem Sieg 2026 hat Mark Dowdle die Messlatte für kommende Ausgaben des “Last Soul Ultra” erheblich verschoben. Reichten 2025 noch 449 Kilometer für den Titel, mussten die letzten beiden Athleten diesmal die 630-Kilometer-Marke knacken — eine Steigerung um mehr als 180 Kilometer innerhalb eines Jahres.

Ob Dowdle seinen Titel 2027 verteidigen wird, ob Kim Gottwald verletzungsfrei zurückkehrt und ob El Osrouti zum dritten Mal antritt, um die beiden vorangegangenen Niederlagen zu tilgen — das sind die Fragen, die das Format bereits jetzt in die nächste Saison tragen.

Scroll to Top