Am Ufer bei Paks, wo die Donau in einem weiten Bogen durch die ungarische Tiefebene zieht, ist der Rückgang des Wasserstands mit bloßem Auge erkennbar: Sandbänke ragen hervor, die sonst unter der Oberfläche liegen, und die Strömung hat merklich nachgelassen. Der Sommer 2026 setzt dem Fluss zu — und die Behörden reagieren mit einem gezielten Eingriff.
Durch die Öffnung einer Schleuse fließen nun 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zusätzlich in den Hauptarm der Donau. Ob diese Maßnahme ausreicht, um den kritischen Niedrigwasserstand spürbar zu verbessern, ist die zentrale Frage, die Schifffahrt, Landwirtschaft und Wasserversorger gleichermaßen beschäftigt.
Was die Schleusenöffnung konkret bewirkt
Die zusätzlichen 20 Kubikmeter pro Sekunde klingen zunächst nach einer beachtlichen Menge — doch im Verhältnis zum Gesamtdurchfluss der Donau ist der Effekt begrenzt. Laut der Einschätzung von Ungarns Ministerpräsident Péter Magyar ist auf der Höhe von Paks ein Anstieg des Wasserstands um rund zwei Zentimeter zu erwarten. Zwei Zentimeter — ein Wert, der für Außenstehende gering klingt, für die Binnenschifffahrt aber durchaus relevant sein kann.
Die Schleuse leitet Wasser gezielt in den Hauptstrom um, um dort die Fahrrinne zu stabilisieren. Gleichzeitig soll der Eingriff verhindern, dass sich der Niedrigwasserstand weiter verschlechtert, bevor natürliche Niederschläge für Entlastung sorgen.
Paks im Fokus: Warum dieser Abschnitt besonders kritisch ist
Der Donauabschnitt bei Paks, rund 100 Kilometer südlich von Budapest, gilt als besonders empfindlich gegenüber Schwankungen des Wasserstands. Hier befindet sich das gleichnamige Kernkraftwerk, das für seine Kühlwasserversorgung auf einen ausreichenden Pegel angewiesen ist. Niedrigwasser bedeutet also nicht nur Probleme für die Frachtschifffahrt, sondern berührt unmittelbar die Energieversorgung.
Darüber hinaus ist der Bereich ein wichtiger Knotenpunkt für den Gütertransport auf dem Wasser. Sinkt der Pegel unter bestimmte Schwellenwerte, müssen Schiffe ihre Ladung reduzieren oder können einzelne Abschnitte gar nicht mehr passieren — mit direkten wirtschaftlichen Folgen für die gesamte Region.
Niedrigwasser auf der Donau: Ein wiederkehrendes Muster
Der Wassermangel im Sommer 2026 steht nicht allein. Die Donau kämpft in heißen, trockenen Sommern regelmäßig mit sinkenden Pegeln — ein Trend, der sich nach Einschätzung des österreichischen Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten verschärft hat. Anhaltende Hitzeperioden, ausbleibende Niederschläge im Einzugsgebiet und beschleunierte Gletscherschmelze verändern das Abflussregime des Flusses grundlegend.
Für Österreich ist die Situation ebenfalls von Bedeutung: Die Donau ist hierzulande die wichtigste Wasserstraße und versorgt Kraftwerke, Industrie und — über Grundwasserverbindungen — auch Teile der Trinkwasserversorgung. Was bei Paks passiert, hat seinen Ursprung oft schon weit flussaufwärts, im österreichischen und bayerischen Einzugsgebiet.
Welche Maßnahmen gegen Donau-Niedrigwasser diskutiert werden
Die Schleusenöffnung ist eine Sofortmaßnahme. Strukturell braucht es mehr. Fachleute und Behörden entlang des gesamten Flusslaufs diskutieren derzeit ein Bündel an Ansätzen:
- Ausbau und Modernisierung von Staustufen zur gezielten Wasserrückhaltung in Trockenperioden
- Renaturierung von Überschwemmungsgebieten, die als natürliche Wasserspeicher wirken
- Verbesserung der grenzüberschreitenden Abstimmung zwischen Anrainerstaaten
- Technische Anpassungen der Fahrrinne, um Schifffahrt auch bei niedrigem Pegel zu ermöglichen
- Frühwarnsysteme, die auf Basis von Satelliten- und Wetterdaten rechtzeitig Alarm schlagen
Wie rasch und in welchem Umfang diese Maßnahmen umgesetzt werden, ist zwischen den zehn Donau-Anrainerstaaten noch nicht abschließend geklärt.
Was als Nächstes entscheidet, ob der Eingriff wirkt
Entscheidend für den weiteren Verlauf ist nun das Wettergeschehen im gesamten Einzugsgebiet. Sollten in den kommenden Wochen ergiebige Niederschläge ausbleiben, dürfte die Wirkung der Schleusenöffnung rasch verpuffen. Der erwartete Anstieg um zwei Zentimeter bei Paks wäre dann allenfalls ein kurzfristiger Puffer.
Ungarns Ministerpräsident Péter Magyar hat sich zur Lage geäußert, ohne konkrete Folgemaßnahmen anzukündigen. Die zuständigen Wasserbehörden beider Länder beobachten den Pegel täglich. Ob weitere Schleusen geöffnet oder zusätzliche Eingriffe vorgenommen werden, hängt von der Entwicklung des Wasserstands in den nächsten Tagen ab — ein Wert, der derzeit täglich neu bewertet wird.



