Meterstab-Museum Schardenberg: Wie Siegi Kasbauer (64) Österreichs einzigartiges Sammlerstück aufbaute

Das Dachgeschoss des Hauses in Fraunhof bei Schardenberg wirkt auf den ersten Blick wie ein begehbares Lager aus einer anderen Zeit. Wände, Decken, Dachschrägen — jeder Zentimeter ist besetzt. Kein Fleck bleibt frei, kein Regal unbestückt. Was hier hängt, zählt, klappt und misst, sind 9.717 verschiedene Meterstäbe — gesammelt über fast ein halbes Jahrhundert von einem einzigen Mann.

Siegi Kasbauer, 64 Jahre alt, Innviertler durch und durch, betreibt in Schardenberg im Bezirk Schärding das erste und bis heute einzige Meterstabmuseum Österreichs. Sein persönliches Ziel ist klar definiert — und genauso nüchtern formuliert wie das Werkzeug, dem er sein Leben gewidmet hat: „Bei 10.000 Stück ist Schluss”, sagt Kasbauer mit einem Schmunzeln.

1977 in Vöcklabruck: Wie eine Zimmererlehre alles ins Rollen brachte

Den ersten Anstoß gab kein Flohmarktfund und kein Erbstück, sondern schlicht die Arbeit. Im Jahr 1977 begann Kasbauer seine Zimmererlehre beim Betrieb Eilblmayr-Wolfsegger-Bau in Vöcklabruck. Durch die wachsenden Kontakte zu Zulieferfirmen im In- und Ausland bekam er immer wieder besondere Exemplare geschenkt oder konnte sie eintauschen.

Die Sammlung wuchs, wie Kasbauer selbst sagt, „praktisch am laufenden Meter”. Was als berufliches Nebenbeisammeln begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einer Leidenschaft, der kein Lagerraum und schließlich kein gewöhnliches Regal mehr gewachsen war.

Das Museum in Fraunhof: Österreichs einziges Haus dieser Art, seit dem Jahr 2000 geöffnet

Im Jahr 2000 zog Kasbauer die konsequente Schlussfolgerung aus seiner Passion und eröffnete das Meterstabmuseum in Fraunhof bei Schardenberg. Im vergangenen Jahr feierte das Haus sein 25-jähriges Bestehen — ein Jubiläum, das Besucher aus der ganzen Welt nach Oberösterreich gelockt hat.

Österreichweit zählt Kasbauer zu lediglich zwei bekannten Zollstock-Sammlern. Das macht sein Museum nicht nur zu einer regionalen Kuriosität, sondern zu einem echten Alleinstellungsmerkmal im österreichischen Kulturleben. Wer die Sammlung besichtigen möchte, kann das privat geführte Haus nach vorheriger telefonischer Anmeldung unter 0676 / 761 22 10 besuchen. Andere Sammler sind zum Tauschen ausdrücklich willkommen.

Köthen bei Leipzig und Schardenberg: Wo die Szene zusammenkommt

Für seltene Stücke ist Kasbauer kein Weg zu weit. Einmal im Jahr legt er rund 600 Kilometer zurück, um die größte deutsche Meterstab-Tauschbörse in Köthen bei Leipzig zu besuchen. Dort trifft er auf eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die den hölzernen Klappmechanismus genauso ernst nehmen wie er.

Auch im Innviertel selbst hat Kasbauer die Szene einmal auf einen gemeinsamen Nenner gebracht. Zu seiner Zollstockbörse im April 2005 in Schardenberg reisten rund 600 Sammler aus Deutschland, der Schweiz und Österreich an — ein Treffen, das die Reichweite dieses Nischenhobby in aller Deutlichkeit zeigte.

Papst Benedikt XVI. und Michael Schumacher: Die wertvollsten Stücke der Sammlung

Unter den fast 10.000 Exemplaren ragen einige weit heraus. Mehrere Stücke haben bereits mehr als 100 Jahre auf dem Buckel. Sein persönliches Herzstück ist ein Meterstab im bayerischen Rautenmuster, der Papst Benedikt XVI. und dessen Geburtshaus in Marktl am Inn zeigt. „Dieses Sammlerstück ist mir besonders heilig!”, erzählt Kasbauer.

Zu seinen weiteren Raritäten zählt ein Exemplar mit der Aufschrift des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher. Die Bandbreite der Sammlung spannt sich damit von handwerklicher Alltagsgeschichte bis zu popkulturellen Ikonen — alles zusammengehalten von genau einem Meter Länge.

283 Exemplare fehlen noch: Was Kasbauer nach der Marke 10.000 plant

Derzeit trennen Kasbauer genau 283 Stück von seinem selbst gesetzten Ziel. Was danach kommt, lässt der 64-Jährige offen. Zuwachs bekommt die Sammlung nach wie vor — durch Schenkungen, Tausch und gezielte Reisen zu Börsen im deutschsprachigen Raum.

  • Gesamtbestand aktuell: 9.717 verschiedene Meterstäbe
  • Älteste Stücke: über 100 Jahre alt
  • Museumsgründung: Jahr 2000 in Fraunhof bei Schardenberg, Bezirk Schärding
  • Jährliche Reise zur Tauschbörse: rund 600 Kilometer nach Köthen bei Leipzig
  • Zollstockbörse Schardenberg 2005: rund 600 internationale Teilnehmer
  • Besuch nach Voranmeldung: 0676 / 761 22 10

Ob Kasbauer nach Erreichen der 10.000er-Marke tatsächlich aufhört zu sammeln oder ob die Messlatte dann einfach ein Stück höher gelegt wird, bleibt vorerst sein Geheimnis.

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