„Für unsere Enkelkinder, für unsere Zukunft.“ Mit diesem Versprechen warb die Klagenfurter MSG MySolar GmbH auf ihrer Website für Solarenergie — kostenlos, sauber, zukunftsweisend. Seit wenigen Tagen ist klar: Eine eigene Zukunft hat das Unternehmen nicht mehr.
Am Landesgericht Klagenfurt wurde über das Vermögen der MSG MySolar GmbH ein Konkursverfahren eröffnet. Rund 75 Gläubiger und sechs Mitarbeiter sind direkt betroffen — und die Frage, wie viel von den angegebenen Vermögenswerten tatsächlich einzutreiben sein wird, bleibt vorerst offen.
2,26 Millionen Euro Schulden: Was der Insolvenzantrag offenbart
Laut Insolvenzantrag belaufen sich die Verbindlichkeiten der MSG MySolar GmbH auf rund 2,262 Millionen Euro. Dem stehen Vermögenswerte von 1,236 Millionen Euro gegenüber — woraus sich eine rechnerische Überschuldung von rund einer Million Euro ergibt. Ob diese Aktivwerte in vollem Umfang werthaltig sind, ist nach Angaben des Österreichischen Kreditorenverbandes noch nicht geklärt.
Eine Sanierung ist laut Antrag ausdrücklich nicht geplant. Das Unternehmen beabsichtigt weder, den Betrieb fortzuführen, noch einen Sanierungsplan abzuschließen. Der Weg führt damit direkt in die Abwicklung.
Seit 2014 aktiv: Was MSG MySolar eigentlich gemacht hat
MSG MySolar wurde 2014 gegründet und war österreichweit tätig — als Planer, Vertreiber und Errichter von thermischen Solaranlagen sowie Photovoltaikanlagen, sowohl für Privatkunden als auch für Gewerbebetriebe. Das Geschäftsmodell setzte auf den wachsenden Appetit der Österreicherinnen und Österreicher auf erneuerbare Energie. Lange Zeit schien das aufzugehen.
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Auf der Firmenwebsite wird Sonnenlicht als „energetisch wertvoll“ beschrieben; Sonnenkollektoren sollen dabei einen Wirkungsgrad von 82 Prozent erreichen. Dass ausgerechnet diese Technologie das Unternehmen nicht retten konnte, ist eine der zentralen Ironien dieses Falls.
Warum der Solarmarkt das Klagenfurter Unternehmen in die Krise trieb
Der Insolvenzantrag nennt strukturelle Marktveränderungen als Hauptursache. Der Markt für Solarthermie schrumpft zusehends, weil diese Technologie zunehmend durch Photovoltaik verdrängt wird. Doch auch im Photovoltaik-Segment hat sich die Lage seit dem Rekordjahr 2023 grundlegend gewandelt: Laut Insolvenzantrag befindet sich die Branche seit 2024 in einer Konsolidierungs- und Integrationsphase.
Drei Faktoren haben die wirtschaftliche Entwicklung von MySolar demnach besonders belastet:
- Kaufzurückhaltung: Kunden warten ab, ob staatliche Förderungen ein rentables Investment ermöglichen.
- Chinesische Billigmodule: Günstige Solarmodule aus China drücken die Margen heimischer Anbieter massiv.
- Technologieverschiebung: Solarthermie verliert gegenüber Photovoltaik kontinuierlich Marktanteile.
75 Gläubiger, 6 Mitarbeiter: Wer jetzt um sein Geld bangen muss
Die unmittelbaren Folgen des Konkurses treffen eine überschaubare, aber für die Betroffenen schmerzhafte Gruppe. Sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren ihre Stelle — in einem ohnehin angespannten Arbeitsmarkt für Fachkräfte in der Energiebranche. Ihre Ansprüche auf ausstehende Löhne und Abfertigungen werden über den Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) der Republik Österreich abgesichert.
Für die rund 75 Gläubiger — darunter voraussichtlich Lieferanten, Subunternehmer und private Auftraggeber — hängt die tatsächliche Schadenssumme davon ab, was der Masseverwalter aus dem vorhandenen Vermögen herausholen kann. Der Österreichische Kreditorenverband hat bereits Zweifel an der vollen Werthaltigkeit der angegebenen Aktiva angemeldet.
Branche unter Druck: MySolar ist kein Einzelfall
Der Fall MySolar steht nicht allein. Die Insolvenzwelle im österreichischen Photovoltaik- und Solarsektor hat seit 2024 mehrere Unternehmen erfasst, die im Boom-Jahr 2023 noch solide dastanden. Der rasche Preisverfall bei Modulen — getrieben vor allem durch chinesische Überkapazitäten — hat die Kalkulationsgrundlage vieler heimischer Betriebe innerhalb weniger Monate erodieren lassen.
Hinzu kommt, dass Förderprogramme wie die des Klima- und Energiefonds zwar Nachfrage anheizen, aber auch Unsicherheit erzeugen: Sobald Fördertöpfe ausgeschöpft sind oder neue Konditionen angekündigt werden, bremsen potenzielle Käufer ihre Entscheidung ab — mit direkten Folgen für die Auftragslage kleiner und mittlerer Installationsbetriebe.
Was mit dem Konkursverfahren in Klagenfurt als Nächstes passiert
Das Landesgericht Klagenfurt wird in den kommenden Wochen einen Masseverwalter mit der Sichtung und Verwertung des verbleibenden Vermögens beauftragen. Erst dann lässt sich beurteilen, welche Gläubiger mit welcher Quote rechnen können — und ob die im Antrag angeführten Vermögenswerte von 1,236 Millionen Euro dem tatsächlichen Marktwert standhalten.
Ob der Konkurs der MSG MySolar GmbH weitere Verfahren in der österreichischen Solarbranche nach sich zieht, wird der Herbst zeigen — die Konsolidierung des Marktes ist nach Einschätzung des Österreichischen Kreditorenverbandes noch nicht abgeschlossen.
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