Am Mittwoch wird Harry Kane der Goldene Schuh als bester Torjäger Europas verliehen — und schon diese Nachricht allein reichte Lothar Matthäus, um eine unmissverständliche Aussage zu treffen. Der 65-jährige Rekord-Nationalspieler wartete nicht auf die große Gala im Oktober, sondern setzte ein klares Zeichen: Für ihn steht der Sieger längst fest.
In seiner Kolumne für den Sender Sky ließ Matthäus keinen Zweifel offen. Kane sei für ihn nicht irgendein Kandidat, sondern schlicht „DER Anwärter” auf den Ballon d’Or 2026 — jene Auszeichnung, die am 26. Oktober erstmals in London vergeben wird. Wie begründet der wohl prominenteste Stimme des deutschen Fußballs seine überraschend klare Haltung?
Matthäus-Votum: Warum Kane der verdienteste Kandidat sein soll
„Am Mittwoch wird dem Engländer der Goldene Schuh als bester Torjäger Europas verliehen. Kane ist für mich auch DER Anwärter auf den Ballon d’Or”, schrieb Matthäus in seiner Sky-Kolumne. Der Bayern-Stürmer habe die Auszeichnung „am meisten verdient” — eine Formulierung, die in ihrer Schärfe selten ist, wenn es um die begehrteste Einzeltrophäe des Weltfußballs geht.
Matthäus stützt sein Urteil vor allem auf Kanes schiere Konstanz über eine gesamte Saison hinweg. Keine einzige schwache Phase, keine Formkrise, kein Durchhänger — der 33-Jährige habe schlicht „überragende Leistungen” gezeigt, Woche für Woche, Monat für Monat.
Meisterschaft und DFB-Pokal: Kanes Trophäen-Bilanz beim FC Bayern
Die sportliche Grundlage für Matthäus’ Einschätzung ist konkret. Mit dem FC Bayern München gewann Kane in der abgelaufenen Saison sowohl die deutsche Meisterschaft als auch den DFB-Pokal. Zwei Titel, die den Verein nach einer längeren Durststrecke wieder in die Spur brachten — und bei denen Kane als Torjäger zentrale Figur war.
Matthäus hebt hervor, Kane habe diese Leistungen nicht nur in Phasen gezeigt, in denen Bayern ohnehin favorisiert war, sondern konstant über das gesamte Jahr hinweg. Genau das unterscheide ihn in dieser Wertungssaison von anderen Kandidaten.
Das einzige Manko: Halbfinal-Aus in Champions League und WM
Auch Matthäus blendet einen kritischen Punkt nicht aus. „Dass er bei der Weltmeisterschaft und in der Champions League jeweils das Finale verpasst hat, ist das einzige Manko”, räumte er in seiner Kolumne ein. Mit Bayern scheiterte Kane im Halbfinale der Champions League an Paris Saint-Germain. Im selben Turnier war für die englische Nationalmannschaft ebenfalls in der Vorschlussrunde Schluss — die Three Lions unterlagen dem späteren Vizeweltmeister Argentinien.
Ob dieses doppelte Halbfinal-Aus den Wählern schwer genug ins Gewicht fällt, um Kane zu schaden, bleibt offen. Matthäus selbst sieht darin keinen entscheidenden Einwand gegen eine Wahl des Bayern-Stürmers.
Kane selbst hält sich bedeckt: „Liegt nicht in meiner Hand”
Der Brite selbst gibt sich in dieser Frage auffallend zurückhaltend. „Der Ballon d’Or liegt nicht in meiner Hand. Ich habe getan, was ich tun konnte, was die Leistungen angeht”, erklärte Kane zuletzt nach seiner Rückkehr ins Training beim FC Bayern. Die Entscheidung liege nun vollständig bei den Wahlberechtigten — Kapitäne und Trainer der Nationalteams weltweit sowie akkreditierte Sportjournalisten.
Diese Zurückhaltung steht in deutlichem Kontrast zur Eindeutigkeit, mit der Matthäus für ihn spricht. Selten setzt sich ein Fußball-Weltstar so offensiv für einen anderen ein.
Ballon d’Or am 26. Oktober in London: Erstmals außerhalb von Paris
Die Zeremonie selbst ist in diesem Jahr bereits ein Novum. Zum ersten Mal in der Geschichte der Auszeichnung wird der Ballon d’Or nicht in Paris vergeben, sondern in London — ausgerechnet in der Stadt, die Kane seit Kindheitstagen als Heimat kennt. Ob das eine symbolische Fügung oder schlicht ein Zufall ist, darüber lässt sich trefflich spekulieren.
Matthäus jedenfalls hat seine Meinung gefällt. Geht es nach ihm, gibt es bei der Gala am 26. Oktober in London nur einen möglichen Sieger — und der heißt Harry Kane.
Wer könnte Kane noch gefährden? Die offenen Fragen bis Oktober
Matthäus nennt keine konkreten Gegenkandidaten, die er für ernsthafter hält als Kane. Unklar bleibt aber, wen die Jury letztlich in die engere Auswahl zieht. Traditionell berücksichtigt der Ballon d’Or auch Leistungen bei Länderspielen und in der Champions League — beides sind Felder, auf denen Kane die entscheidenden Finals verpasste.
Bis zur Bekanntgabe der nominierten Kandidaten und schließlich der Abstimmung bleibt offen, ob Kanes Vereinstitel und seine Torjäger-Auszeichnung am Ende schwerer wiegen als die fehlenden Finalauftritte auf internationalem Parkett.



