Fohlenauktionen Österreich: Wenn der Herbst über Leben und Tod der Jungpferde entscheidet

Ende August, irgendwo auf einer steirischen oder Tiroler Alm: Die Züchter treiben ihre Stuten mit den Fohlen ins Tal. Die Kleinen sind gerade einmal vier bis acht Monate alt, manche noch jünger. Für die meisten beginnt jetzt nicht die Freiheit des Herbstes, sondern eine knappe, oft brutale Bewährungsprobe.

Fohlenauktionen sind in Österreich ein tief verwurzeltes Ritual des Almabtriebskalenders. Haflinger- und Norikerfohlen werden dabei in den kommenden Wochen versteigert — doch für viele, die keine Käufer finden oder die Vorauswahl nicht bestehen, droht unmittelbar danach der Schlachthof. Seit 24 Jahren versucht die Tierschutzorganisation ANIMAL SPIRIT, diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Was bei Fohlenauktionen wirklich passiert — und warum so viele Tiere scheitern

Bevor ein Fohlen überhaupt auf die Auktionsfläche kommt, durchläuft es eine Vorauswahl. Bewertet werden Bewegungsqualität, Abstammung, Farbe und äußere Erscheinung. Wer diesen ersten Filter nicht besteht, scheidet vorzeitig aus — ohne Auktionspreis, ohne gesicherte Zukunft.

Auch auf der Auktion selbst bleibt die Lage für viele Tiere prekär. Dr. Franz-Joseph Plank, der die Situation aus jahrelanger Beobachtung kennt, erklärt es klar: „Einige wenige Fohlen werden zu teuren Preisen verkauft oder als Zuchthengste gekört. Der Großteil der übrig gebliebenen Fohlen kann nur hoffen, dass Privatleute sie kaufen.” Für Züchter, die ein Fohlen nicht als Zuchttier vermarkten können, lohne sich die weitere Aufzucht schlicht nicht.

Herbst als Hochsaison für Schlachtungen: Die wirtschaftliche Logik dahinter

Die Ökonomie des Pferdemarktes ist kalt und einfach. Ein Fohlen, das nicht als Zuchttier oder Reitpferd taugt, kostet Heu, Stallfläche und Zeit — ohne dass es einen Ertrag verspricht. Züchter, die Dutzende Tiere betreuen, können sich diese Rechnung nicht leisten.

„Deshalb werden sehr viele Fohlen gerade im Herbst nach den Auktionen an Händler oder Schlachter verkauft”, sagt Dr. Plank. Betroffen sind dabei nicht nur die Jungpferde: Auch Zuchtstuten, die nicht mehr tragend werden, landen häufig am Ende derselben Kette. Die Konzentration dieser Schlachtungen auf den Herbst macht die Saison zur gefährlichsten im Jahreskreislauf österreichischer Jungpferde.

ANIMAL SPIRIT: 24 Jahre Einsatz, über 1.300 gerettete Pferde

Seit einem Vierteljahrhundert ist ANIMAL SPIRIT bei den Fohlenauktionen vor Ort. Die Organisation kauft Fohlen frei, vermittelt Tiere, die bereits bei der Vorauswahl aussortiert wurden, und arbeitet mit einem Netzwerk privater Lebensplätze zusammen, das über ganz Österreich verteilt ist.

Die Bilanz ist bemerkenswert: In 24 Jahren konnten rund 1.300 Pferde gerettet werden. Allein im Vorjahr waren es mehr als 100 Fohlen, die heute auf privaten Höfen leben — bis zu ihrem natürlichen Tod, ohne Schlachthof am Ende ihres Weges. Finanziert wird die Arbeit ausschließlich über Spenden.

Zeitplan Herbst 2026: Wann die ersten Fohlen gerettet werden können

Der Kalender drängt. Bereits Ende August starten die ersten Vorauswahlen und Versteigerungen in Österreich. Anfang September können die ersten Fohlen durch ANIMAL SPIRIT übernommen und an geeignete Plätze vermittelt werden. Die Organisation ist bei den Auktionen persönlich vertreten — nicht nur als Beobachter, sondern als aktiver Käufer.

Wer einen Lebensplatz für ein oder mehrere Haflinger- oder Norikerfohlen anbieten kann, hat laut ANIMAL SPIRIT die Möglichkeit, sich direkt bei der Organisation zu melden. Gesucht werden keine professionellen Pferdebetriebe, sondern engagierte Privatpersonen mit geeigneter Haltung. Folgendes sollte ein Interessent grundsätzlich mitbringen:

  • Ausreichend Weidefläche und geeigneter Stall oder Unterstand
  • Erfahrung im Umgang mit Pferden oder Ponys
  • Bereitschaft zur langfristigen Übernahme ohne Wiederverkauf
  • Möglichkeit zur tierärztlichen Grundversorgung
  • Kontakt mit ANIMAL SPIRIT vor der Auktionssaison aufnehmen

Was Haflinger- und Norikerfohlen so besonders gefährdet macht

Unter den österreichischen Pferderassen trifft das Problem Haflinger und Noriker besonders hart. Beide Rassen werden traditionell auf Almen gehalten, beide haben eine lange Zuchttradition — und beide produzieren im Verhältnis zur tatsächlichen Nachfrage als Reit- oder Arbeitspferde zu viele Nachkommen, die keinen Platz im Markt finden.

Haflinger, bekannt für ihr goldbraunes Fell und ihre kompakte Statur, und Noriker, die kräftigen Kaltblüter aus den Alpenregionen, landen überproportional häufig bei Händlern und Schlachtbetrieben. Gerade weil ihre Zucht über Generationen gepflegt und subventioniert wird, übersteigt das Angebot die Nachfrage nach Qualitätstieren bei Weitem — die Masse der Tiere bleibt zurück.

Ob die heurige Saison mehr Fohlen rettet als zuletzt, hängt jetzt von privaten Lebensplätzen ab

ANIMAL SPIRIT kann nur so viele Tiere retten, wie es Plätze gibt. Die Auktionen starten in wenigen Tagen, die Vorauswahlen laufen bereits an — wer helfen will, hat ein enges Zeitfenster.

Ob die Zahl der geretteten Fohlen im Herbst 2026 die Marke von 100 aus dem Vorjahr übersteigen kann, wird sich in den ersten Septemberwochen entscheiden.

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