Dienstagvormittag, kurz nach halb zehn. Ein 46-jähriger Niederländer und sein zwölfjähriger Sohn stehen auf dem Gipfel in der Nähe der Winnebachseehütte im Tiroler Ötztal, Längenfeld. Die Tour ist gut gelaufen, die Sicht klar. Dann beginnen die beiden den Abstieg — und wenige Minuten später ändert sich alles.
Gegen 11 Uhr, im Serpentinenbereich des markierten Wanderwegs vom sogenannten “Gänsekragen” in Richtung Winnebachseehütte, auf etwa 2.500 Metern Seehöhe, kommt der Bub plötzlich zu Sturz. Was genau in diesem Moment passiert ist, wissen die Ermittler bis heute nicht.
Absturz über felsdurchsetztes Gelände: 20 bis 30 Meter freier Fall
Der Zwölfjährige stürzte 20 bis 30 Meter über steiles, felsiges Gelände ab. Kein Geländer, kein Sicherungsseil — nur scharfkantiger Fels und der Hang. Am Ende des Sturzes blieb er bewusstlos liegen.
Sein Vater war zum Zeitpunkt des Unglücks ein Stück vorausgegangen. Als er bemerkte, dass sein Sohn nicht mehr hinter ihm war, stieg der 46-Jährige sofort in das unwegsame Gelände ab, fand den leblosen Buben und setzte umgehend einen Notruf ab. Jede Sekunde zählte.
Notarzthubschrauber “Martin 2” bringt den Buben nach Innsbruck
Die Crew des Notarzthubschraubers “Martin 2” rückte aus und barg den Verletzten aus dem schwer zugänglichen Abschnitt des Wanderwegs. Die Bergung aus dem felsdurchsetzten Steilgelände auf rund 2.500 Metern erfordert präzise Arbeit — Windensysteme, ausgebildete Bergretter und ein erfahrenes Ärzteteam an Bord.
Nach der Erstversorgung vor Ort wurde der Zwölfjährige mit Verletzungen unbestimmten Grades in die Klinik Innsbruck geflogen. Auch sein Vater musste das Gebiet verlassen — allerdings nicht aus eigener Kraft. Der 46-Jährige wurde mit dem Polizeihubschrauber ebenfalls nach Innsbruck transportiert.
Kind liegt auf Intensivstation: Schwere des Unfalls noch unklar
Laut der Tiroler Polizei befindet sich der Zwölfjährige derzeit auf der Intensivstation. Genauere Angaben zum Ausmaß seiner Verletzungen wurden zunächst nicht gemacht. Der Begriff “Verletzungen unbestimmten Grades” deutet darauf hin, dass eine vollständige medizinische Beurteilung zum Zeitpunkt des Abtransports noch ausstand.
Die Klinik Innsbruck ist für solche Einsätze die zentrale Anlaufstelle in Tirol — sie verfügt über ein spezialisiertes Traumazentrum und ist an das Luftrettungsnetz der alpinen Rettungsdienste angebunden.
Serpentinen auf 2.500 Metern: Wo der Unfall passierte
Der Unfallort liegt im Gemeindegebiet von Längenfeld im Ötztal, einem bei Wanderern und Kletterern stark frequentierten Gebiet. Die Route vom “Gänsekragen” zur Winnebachseehütte gilt als markierter Wanderweg, ist aber im Abstieg durch enge Serpentinen und felsige Passagen anspruchsvoll — besonders für jüngere oder unerfahrene Wanderer.
Die genaue Ursache, warum der Bub in diesem Bereich vom Weg abkam, ist laut Polizei bisher nicht bekannt. Ermittlungen zum genauen Unfallhergang laufen.
Bergrettung Tirol: Wann ein Notruf Leben rettet
Der Vater des Buben handelte in einer Situation, in der jede Verzögerung fatale Folgen hätte haben können, genau richtig. Die Bergrettung Tirol empfiehlt bei Alpinunfällen folgende Sofortmaßnahmen:
- Notruf 140 (Bergrettung Österreich) oder 112 (Euronotruf) absetzen
- Genauen Standort nennen — Höhenangabe, Wegname, GPS-Koordinaten wenn möglich
- Verletzten nicht unnötig bewegen, besonders bei Sturz aus großer Höhe
- Bewusstseinslage und Atmung beobachten und dem Notarzt melden
- Sichtbaren Kontakt halten, bis der Hubschrauber eintrifft
Gerade im Hochgebirge entscheiden diese Minuten über den Ausgang eines Unfalls. Der Notarzthubschrauber “Martin 2” ist an der Basis in Innsbruck stationiert und innerhalb weniger Minuten über weiten Teilen des Tiroler Alpenraums einsatzbereit.
Was jetzt offen bleibt
Die Tiroler Polizei hat die Ermittlungen zum Unfallhergang aufgenommen. Unklar ist weiterhin, ob der Bub ausgerutscht ist, ob das Schuhwerk eine Rolle spielte oder ob ein anderer Faktor zu dem Sturz geführt hat. Der Gesundheitszustand des Zwölfjährigen auf der Intensivstation der Klinik Innsbruck wird in den kommenden Stunden zeigen, wie schwer seine Verletzungen tatsächlich sind.



