Am 29. Juni stand ein Wohnhaus in Wien-Liesing im Mittelpunkt eines brutalen Angriffs. Ein 45-jähriger Mann aus Bosnien und Herzegowina soll seine 44-jährige Ex-Lebensgefährtin schwer verletzt haben — danach verschwand er spurlos. Die Wiener Polizei leitete sofort Ermittlungen ein und fahndete nach dem Verdächtigen sowie nach seinem Fahrzeug.
Wochen vergingen, ohne dass der Gesuchte gefasst werden konnte. Dann sorgte ein unerwarteter Zufallsfund in Wien-Simmering dafür, dass der Fall eine entscheidende Wende nahm — und der Verdächtige schließlich doch nicht entkam.
Der Pkw in der Geiselbergstraße: Wie die Spur aufgedeckt wurde
An einem Montagvormittag fiel einem Organ der Parkraumüberwachung in Wien-Simmering ein Fahrzeug in der Geiselbergstraße auf. Es handelte sich um genau jenen Pkw, nach dem im Zusammenhang mit dem Angriff auf die 44-Jährige gefahndet wurde. Der Parksheriff alarmierte unverzüglich die Polizei.
Beamte des Stadtpolizeikommandos Simmering rückten aus und trafen den Gesuchten noch im Fahrzeug an. Der 45-Jährige konnte aufgrund einer aufrechten Festnahmeanordnung widerstandslos gefasst werden. Vom Zeitpunkt der Tat bis zur Festnahme waren rund sieben Wochen vergangen.
Schwere Verletzungen in Wien-Liesing: Was der Ex-Freundin zugestoßen ist
Der Angriff ereignete sich laut Angaben des Landespolizeidirektors Wien am 29. Juni in einem Wohnhaus im 23. Bezirk. Die 44-jährige Frau soll von ihrem Ex-Lebensgefährten schwer verletzt worden sein. Nähere Angaben zum genauen Tathergang und zur Art der Verletzungen machte die Polizei Wien zum Schutz der Betroffenen bislang nicht öffentlich.
Fest steht: Die Ermittler ordneten die Tat als schwerwiegend ein, was sich auch in der sofort ausgestellten Festnahmeanordnung widerspiegelt. Derartige Anordnungen werden in Österreich nur erlassen, wenn ein dringender Tatverdacht auf eine mit erheblicher Strafe bedrohte Handlung vorliegt.
Mann (45) bestreitet Vorwürfe — Justizanstalt als nächste Station
Nach seiner Festnahme in Simmering wurde der 45-Jährige einer Einvernahme unterzogen. Dabei bestritt er sämtliche Vorwürfe. Eine Kooperation mit den Ermittlern blieb aus.
Im Anschluss an die Befragung wurde der Mann in eine Justizanstalt gebracht. Über die weitere Vorgangsweise — insbesondere ob die Staatsanwaltschaft Wien die Verhängung der Untersuchungshaft beantragt — war zum Redaktionsschluss noch keine offizielle Stellungnahme verfügbar.
Fahndung über Bezirksgrenzen hinweg: Was dieser Fall über Gewalt in Beziehungen zeigt
Der Fall reiht sich in eine Entwicklung ein, die die Behörden in Wien seit Längerem beobachten. Laut dem Bundesministerium für Inneres wurden in Österreich im Jahr 2024 mehr als 10.000 Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen — ein Höchstwert. Gewalt durch ehemalige Partner zählt dabei zu den häufigsten Formen.
Dass der Gesuchte nun durch einen Parksheriff im 11. Bezirk aufgespürt wurde, zeigt exemplarisch, wie die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Dienststellen in Wien funktionieren kann. Organe der Parkraumüberwachung sind zwar keine Exekutivbeamten, können aber verdächtige Situationen sofort an die zuständigen Behörden melden.
Was jetzt auf den 45-Jährigen zukommt
Mit der Einlieferung in die Justizanstalt beginnt das formale Verfahren. Die Staatsanwaltschaft Wien prüft nun, ob Anklage wegen schwerer Körperverletzung oder eines schwereren Tatbestands — etwa versuchter Tötung — erhoben wird. Welche Qualifikation die Ermittler letztlich anlegen, hängt vom medizinischen Gutachten über die Verletzungen der 44-Jährigen ab.
Ob der Beschuldigte einen Verteidiger bestellt hat und wann ein allfälliger Haftprüfungstermin anberaumt wird, blieb zunächst offen.



