Bosnien WM 2026: Erstmals in der K.o.-Runde – Dzeko schreibt Geschichte

Es war ein Moment, der erst mit Verzögerung seine volle Wucht entfaltete. Edin Dzeko klatschte noch erleichtert mit seinen Mitspielern ab, Ermin Mahmic brüllte seine Freude in die TV-Kamera – da hatte die Nachricht von der historischen Dimension des 3:1-Sieges gegen Katar die bosnische Mannschaft noch gar nicht vollständig erreicht. Erst rund drei Stunden nach dem Abpfiff, nachdem die FIFA die endgültige Wertung aller Drittplatzierten bekanntgegeben hatte, stand es fest.

Bosnien und Herzegowina steht erstmals in der Geschichte des Landes in der K.o.-Runde einer Fußball-Weltmeisterschaft. Mit vier Punkten und einer Tordifferenz von -1 zählen die Bosnier sicher zu den besten acht Drittplatzierten des Turniers. Was das bedeutet, wer als nächster Gegner wartet – und wie das Team von Trainer Sergej Barbarez diesen Meilenstein erreicht hat.

Ein Dreierpack, der Geschichte schreibt: So lief das Spiel gegen Katar

Bosnien erwischte einen engagierten Start und stellte Katars Torhüter Mahmud Abunada früh vor Aufgaben. In der 29. Minute war der spätere Leverkusen-Neuzugang Kerim Alajbegovic zur Stelle: Sein Schuss aus der Distanz brachte die Bosnier in Front. Fünf Minuten später legte Dzeko nach – einen seiner Schüsse lenkte Sultan Al-Brake unglücklich ins eigene Netz ab (34.).

Doch der Favorit wurde nachlässig. Hassan Al-Haydos nutzte das eiskalt aus und verkürzte in der 42. Minute auf 2:1. Kurz darauf rettete der Innenpfosten die Bosnier vor dem Ausgleich (45.+3). Nach der Pause blieb das Spiel ausgeglichen, Katar zeigte sich keineswegs aufgegeben. Dzeko, der in dieser Partie sein 150. Länderspiel bestritt, wurde in der 63. Minute ausgewechselt – sichtlich aufgebracht verfolgte er die Schlussphase von der Bank. Sein Ersatzmann Mahmic machte in der 80. Minute mit dem 3:1 alles klar.

Erstmals in der K.o.-Runde: Was dieser Meilenstein für Bosnien bedeutet

Es ist erst die zweite WM-Teilnahme Bosnien und Herzegowinas überhaupt – nach dem Turnier 2014 in Brasilien, als das Team in der Vorrunde ausschied. Damals wie heute war Dzeko das Gesicht des Teams. Dass ausgerechnet der 40-Jährige nun bei seiner zweiten WM den Sprung in die Runde der letzten 16 erlebt, verleiht dem Abend eine besondere emotionale Tiefe.

Trainer Sergej Barbarez, der selbst einst als bosnischer Nationalspieler aktiv war, hat die Mannschaft in diesem Turnier zu einer kompakten, schwer zu bespielenden Einheit geformt. Der Einzug in die K.o.-Phase ist der bislang größte Erfolg der bosnischen Fußballgeschichte.

Alajbegovic nach dem Tor: „Ich bin sprachlos”

Die Reaktionen der Spieler nach dem Abpfiff spiegelten die Bedeutung des Moments wider. „Das ist mir egal”, antwortete Kerim Alajbegovic auf die Frage nach dem nächsten möglichen Gegner. „Ich bin sprachlos. Ich möchte jedem für den Support hier und zu Hause danken. Wir machen weiter”, sagte der Torschütze zum 1:0 und künftiger Bayer-Leverkusen-Spieler gegenüber Medienvertretern nach dem Spiel.

Dzeko selbst, der als Torjäger des FC Schalke 04 maßgeblich zum Bundesliga-Aufstieg beigetragen hatte, ließ Taten sprechen: Er erzwang das Eigentor zum 2:0 und war über weite Strecken der Dreh- und Angelpunkt im bosnischen Angriffsspiel.

Katar erneut in der Vorrunde gescheitert – trotz verbesserter WM-Bilanz

Für den Wüstenstaat endet das Turnier damit wie schon 2022, als man als Gastgeber nach der Gruppenphase ausschied. Diesmal hatte sich Katar erstmals sportlich für eine WM qualifiziert – was die Niederlage trotzdem nicht weniger bitter macht. Trainer Julen Lopetegui musste zudem auf den rotgesperrten Assim Madibo verzichten, nachdem dieser im vorangegangenen Spiel wegen eines Fouls an Kanadas Ismael Koné die Rote Karte gesehen hatte.

Al-Haydos’ Anschlusstreffer in der 42. Minute war der einzige Lichtblick für den Gastgeber aus dem Nahen Osten, der sich nach diesem Aus nun mit der Heimreise beschäftigen muss.

Wahrscheinlicher Achtelfinalgegner: Die USA warten

Nach der Bestätigung durch die FIFA als einer der besten Drittplatzierten richtet sich der Blick nach vorne. Laut aktuellem Stand der WM-2026-Tabellen ist das folgende Szenario für das Achtelfinale der wahrscheinlichste:

  • Bosnien und Herzegowina qualifiziert sich als Dritter der Gruppe B mit 4 Punkten
  • Tordifferenz von -1 reicht als einer der besten acht Drittplatzierten
  • Wahrscheinlicher Gegner im Achtelfinale: die USA
  • Das Spiel würde im Rahmen der K.o.-Phase der WM 2026 in Nordamerika stattfinden
  • Bosnien bestritt damit erst das zweite WM-Turnier der Landesgeschichte

Dzeko mit 150 Länderspielen: Eine Ära, die weitergeht

Das Spiel gegen Katar markierte für Edin Dzeko sein 150. Länderspiel im bosnischen Nationaltrikot – eine Zahl, die für sich spricht. Mit 40 Jahren steht der Stürmer nun vor dem ersten K.o.-Spiel seiner Weltmeisterschaftskarriere. Die bosnische Fanbasis, sowohl im Stadion als auch in der Heimat, feierte den Einzug in die nächste Runde mit grenzenloser Begeisterung.

Ob Dzeko im Achtelfinale von Beginn an auf dem Platz stehen wird, bleibt abzuwarten – Trainer Barbarez wird die Belastungssteuerung seines Kapitäns in den kommenden Tagen genau abwägen müssen.

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