Donnerstag vergangener Woche, irgendwo bei Schlatt im Bezirk Vöcklabruck: Ein Radfahrer tritt in die Pedale, bleibt stutzen — und traut seinen Augen kaum. Aus einem Gebüsch am Wegesrand lugt ein exotischer Vogel hervor, bunt und völlig fehl am Platz im oberösterreichischen Spätsommer. An einem nahe gelegenen Baum hängt außerdem ein Brutkasten, mitsamt Gelege, einfach dort hingebunden.
Was wie ein Einzelfund aussah, entpuppte sich als Beginn einer tagelangen Suchaktion. Laut der Tierengel Austria Tierrettung wurden insgesamt zehn Papageien in der Region ausgesetzt — und vier davon sind bis heute nicht eingefangen.
Schlatt als Tatort: Wie zehn Papageien in die Wildnis gelangten
Nach dem Fund des ersten Vogels rückte die Tierengel Austria Tierrettung umgehend aus. Schritt für Schritt gelang es den Helfern, mehrere Tiere aus Büschen und von Bäumen zu holen. Die Lage blieb jedoch unübersichtlich: Die Papageien hatten sich über die Ortschaften Schlatt, Breitenschützing und die angrenzenden Felder verteilt.
Parallel zur Rettungsaktion ermittelte die Polizei und forschte rasch einen 38-jährigen Tatverdächtigen aus, der die Tiere ausgesetzt haben soll. Die Ermittlungen gegen ihn laufen derzeit noch.
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Zehn Tiere vermutet — sechs gefangen, vier noch unterwegs
Am Dienstag, dem 9. September 2026, erhielten die Tierengel eine neue Sichtungsmeldung und rückten erneut aus — diesmal, um den sechsten Vogel einzufangen. Das Ergebnis: ein weiterer Teilerfolg, aber kein Abschluss. „Vier sind vermutlich noch unterwegs“, sagte Doris-Nicole Eder, Vereinsobfrau der Tierengel Austria Tierrettung, gegenüber heute.at.
Damit sind nach mehreren Tagen intensiver Suche noch immer 4 der geschätzten 10 Papageien auf freiem Feld. Für die in Österreich heimischen Wälder und Felder sind diese Tiere nicht geeignet — mit sinkendem September-Temperaturen steigt der Druck auf die Einsatzkräfte.
Tagelanger Dauereinsatz: Was die Tierengel bisher geleistet haben
Die Tierengel Austria Tierrettung ist seit dem ersten Fund ununterbrochen im Einsatz. Jede neue Sichtungsmeldung aus der Bevölkerung löst einen weiteren Ausrück-Einsatz aus. Dabei sind die Freiwilligen auf präzise Standortangaben angewiesen — denn Papageien können sich schnell über mehrere hundert Meter fortbewegen.
Die Helfer bitten die Anwohner in Schlatt, Breitenschützing und Umgebung ausdrücklich darum, wachsam zu bleiben. Wer einen der Vögel sichtet, sollte:
- Den genauen Standort sofort festhalten
- Den Vogel möglichst fotografieren oder filmen, ohne ihn zu verscheuchen
- Die Tierrettung umgehend unter 0664/5900157 verständigen
Tieraussetzung in Österreich: Was dem Verdächtigen droht
Das Aussetzen von Tieren ist in Österreich kein Kavaliersdelikt. Das Tierschutzgesetz (TSchG) stellt Tierquälerei und das mutwillige Aussetzen von Heimtieren unter Strafe — bei Vorsatz drohen Verwaltungsstrafen von mehreren Tausend Euro, bei nachgewiesener Tierquälerei auch gerichtliche Konsequenzen. Die Ermittlungen gegen den 38-jährigen Verdächtigen aus dem Bezirk Vöcklabruck laufen, eine Anklage steht noch aus.
Exotische Vögel wie Papageien gelten rechtlich als Heimtiere mit besonderen Haltungsanforderungen. Wer sie in freier Natur aussetzt, gefährdet nicht nur die Tiere selbst, sondern kann je nach Art auch gegen das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) verstoßen, dem Österreich als EU-Mitgliedstaat verpflichtet ist.
Was mit den noch flüchtigen Vögeln passiert — und wie es weitergeht
Ob alle vier noch vermissten Papageien lebend geborgen werden können, ist derzeit ungewiss. Mit fortschreitendem September sinken die Nachttemperaturen in Oberösterreich, was für tropische Vögel rasch lebensbedrohlich werden kann. Die Tierengel Austria Tierrettung setzt die Suche so lange fort, wie neue Sichtungen eingehen.
Ob der Tatverdächtige strafrechtlich angeklagt wird und welches Schicksal die bereits gefangenen Tiere erwartet — etwa eine Übergabe an einen zertifizierten Tierpark oder an private Pflegestellen —, ist noch offen.
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