69. Minute, Spielstand 0:5 – Anguilla hatte an diesem Abend in der CONCACAF Nations League längst verloren. Dann betrat Aeden Scipio den Rasen. Was folgte, war kein Comeback, aber eines der merkwürdigsten Schlusskapitel, die der internationale Fußball in jüngster Zeit gesehen hat. Scipios Haare – meterlong, zu Dreadlocks geflochten, beinahe bis zum Boden hängend – sollten das Spiel noch zweimal unterbrechen.
Zwei Rote Karten in einem einzigen Spiel, beide wegen desselben Vergehens, beide gegen denselben Spieler gerichtet: An Scipios Haarpracht zu ziehen kostete gleich zwei Gegner die Teilnahme am Rückspiel. Wie es dazu kam, und warum der zweite Platzverweis fast noch unglaublicher ist als der erste.
Aeden Scipio: Der Fußballer mit den längsten Haaren der Welt
Aeden Scipio gilt als der Fußballer mit den längsten Haaren weltweit. Seine Dreadlocks reichen beim Laufen nahezu bis zum Rasen – eine Erscheinung, die auf dem Platz zwangsläufig Blicke auf sich zieht. Eingewechselt wurde er beim Stand von 0:5 in der 69. Minute, als das Ergebnis längst feststand.
Dass seine Haarpracht zum spielentscheidenden Faktor werden würde – freilich nicht im sportlichen Sinne – hatte wohl niemand auf dem Platz erwartet. Drei Minuten nach seiner Einwechslung sollte die erste bizarre Szene folgen.
Erste Rote Karte in Minute 72: Keon Greene greift daneben
In der 72. Minute eroberte Scipio im eigenen Strafraum den Ball von Gegenspieler Keon Greene. Greene, frustriert nach dem verlorenen Zweikampf, ließ sich zu einer Aktion hinreißen, die die Zuschauer kaum fassen konnten: Er griff nach Scipios Dreadlocks und zog ihn daran zurück. Schiedsrichter Platzverweis, ohne Diskussion.
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Antigua und Barbuda musste fortan in Unterzahl agieren – und das nach einem bereits klaren 5:0-Sieg, bei dem die Rote Karte jede sportliche Bedeutung verlor. Peinlich war sie trotzdem.
Zweite Rote Karte in Minute 90+3: Shalon Knight wiederholt denselben Fehler
Was danach geschah, spottet jeder Beschreibung. Spätestens nach Greenes Platzverweis hätte jeder Spieler auf dem Feld gewusst, dass an Scipios Haaren nicht gezogen werden darf. Doch in der dritten Minute der Nachspielzeit – also rund 21 Minuten später – tat Shalon Knight genau das.
Knight hielt Scipio beim Laufen an dessen Haarpracht zurück. Der Schiedsrichter zögerte nicht: zweite Rote Karte des Abends, selbes Vergehen, selbes Opfer. Antigua und Barbuda beendete das Spiel mit 9 Spielern auf dem Feld.
Ergebnis und Konsequenzen: 5:0-Sieg mit bleibenden Nachteilen
Das Endresultat lautete 5:0 für Antigua und Barbuda – ein klarer Sieg in der CONCACAF Nations League, der durch die doppelte Disziplinlosigkeit der eigenen Mannschaft empfindlich getrübt wurde. Die Konsequenzen sind konkret:
- Keon Greene ist beim kommenden Rückspiel gegen Anguilla gesperrt.
- Shalon Knight ist beim Rückspiel ebenfalls nicht dabei.
- Antigua und Barbuda tritt damit in einem Pflichtspiel mit zwei erzwungenen Abwesenheiten an.
Beide Sperren treffen ein Team, das das Hinspiel haushoch gewonnen hat – der Schaden ist also sportlich begrenzt, das Bild jedoch bleibt.
Was die Regelwerke des Fußballs dazu sagen
Haare ziehen gilt im Fußball als grobes Foulspiel, das den sofortigen Feldverweis rechtfertigt. Das International Football Association Board, kurz IFAB, regelt in den Fußballregeln unter Regel 12, dass absichtliches Halten oder Ziehen – auch an Haaren oder Trikot – als unsportliches Verhalten gewertet wird, das je nach Schwere mit Gelb oder Rot geahndet werden kann. Im Strafraum oder bei klarer Beeinträchtigung einer Torchance ist Rot die übliche Konsequenz.
Dass dieselbe Aktion zweimal in einem Spiel zum Platzverweis führt, ist nach Einschätzung von Sportjournalisten und Regelexperten äußerst selten – die Kombination aus ungewöhnlicher Haarlänge und mangelnder Lernbereitschaft macht diesen Fall zu einem echten Einzelstück der Fußballgeschichte.
Rückspiel gegen Anguilla: Antigua muss ohne Greene und Knight auskommen
Beim anstehenden Rückspiel zwischen Antigua und Barbuda und Anguilla in der CONCACAF Nations League werden Greene und Knight auf der Tribüne sitzen. Ob Scipios Mitspieler – diesmal auf der anderen Seite – aus den Fehlern ihrer Gegner gelernt haben, bleibt eine der weniger dramatischen, aber durchaus berechtigten Fragen vor dem Anpfiff.
Ob der CONCACAF-Disziplinarausschuss darüber hinaus weitere Maßnahmen prüft, war zum Redaktionsschluss noch nicht bekannt.
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