Harald Glööckler, „My Style Rocks”: Tassenwurf war kein echter Wutanfall – der 61-Jährige gesteht

Er brüllte, schlug mit der flachen Hand auf den Tisch und warf eine Tasse quer durch das Studio — Szenen, die bei „My Style Rocks” für kollektives Entsetzen sorgten und auf TikTok millionenfach geteilt wurden. Harald Glööckler, 61, galt in der Modeshow als der gefürchtete Juror, dem kein Outfit gut genug und keine Kandidatin sicher genug war.

Jetzt stellt sich heraus: Die Wut war nie echt. In einem offen geführten Gespräch mit dem TikToker MarliDerStreamer hat Glööckler gestanden, dass seine berüchtigten Ausraster von Anfang an kalkuliertes Schauspiel waren — und damit eine Frage aufgeworfen, die Reality-TV-Fans schon lange umtreibt: Wie viel von dem, was wir sehen, ist überhaupt wirklich?

„Ich war gebucht, der Böse zu sein” — Glööcklers eigene Worte

Die Aussage ist so direkt, dass kaum Interpretationsspielraum bleibt. Auf die Frage, ob seine Wutanfälle vor der Kamera nur Show gewesen seien, antwortete Glööckler ohne Zögern: „Ja, das war gespielt. Ich war dafür gebucht, so etwas zu machen. Ich war gebucht, der Böse zu sein.”

Er habe die Rolle also nicht aus eigener Laune heraus entwickelt, sondern bewusst im Auftrag der Produktion ausgefüllt. Was Millionen Zuschauer als spontane Gefühlsausbrüche eines exzentrischen Designers wahrgenommen hatten, war demnach präzise inszeniertes Fernsehen.

Der Tassenwurf: Nicht Impuls, sondern Entscheidung

Besonders aufschlussreich ist Glööcklers Schilderung jenes Moments, der die meiste Aufmerksamkeit erzeugte. Den Tassenwurf beschreibt er als vollständig kontrollierten Akt. „Also, ich habe mir vorgenommen: ‚So, ich werfe jetzt eine Tasse.’ Dann habe ich den Moment abgewartet und habe das in dem Moment gemacht”, erzählt der Designer.

Kein Kontrollverlust, kein Affekt — sondern das geduldige Warten auf den richtigen Augenblick. Von einer Szene, die viele als impulsives Aufbrausen deuteten, bleibt damit das Bild eines Darstellers, der genau weiß, was er tut.

Was Glööckler wirklich über die Outfits dachte

Auch die inhaltliche Grundlage seiner Kritik war laut eigener Aussage gespielt. Die Kleidung der Kandidatinnen habe ihn tatsächlich nie emotional aufgewühlt. „Es ist ja nicht so, dass ich wirklich emotional ausgerastet wäre. Ich bin ehrlich: Eigentlich ist es mir egal, was die anhaben und wie die rumlaufen”, sagte Glööckler.

Das klingt ernüchternd — und war für seinen Gesprächspartner MarliDerStreamer offenbar ein echter Schock. Er habe Glööcklers Auftritte für vollständig authentisch gehalten und lobte ihn sogar dafür, die Rolle derart überzeugend gespielt zu haben. Glööcklers trockene Reaktion darauf: „Oh, schade.”

Fans hatten den Verdacht — andere kauften ihm den TV-Bösewicht komplett ab

Unter dem TikTok-Clip, in dem das Geständnis kursiert, teilen sich die Reaktionen deutlich. Ein Teil der User erklärt, die Inszenierung von Anfang an geahnt zu haben. Abseits seiner TV-Rolle sei Glööckler freundlich und empathisch, schreiben langjährige Fans. Andere geben hingegen unumwunden zu, ihm den Bösewicht zu 100 Prozent abgenommen zu haben.

Tatsächlich hatte der Designer während seiner Zeit bei „My Style Rocks” wiederholt polarisiert. Ein besonders heftiges Wortgefecht mit einer Kandidatin — „Entweder rede ich oder du! Es reicht jetzt! Mann!”, begleitet von einem Schlag auf den Tisch — hatte sogar eine Diskussion ausgelöst, ob Glööckler als Juror für das Format überhaupt geeignet sei.

Was das Geständnis über Reality-TV verrät

Glööcklers Offenheit ist in der deutschsprachigen TV-Welt ungewöhnlich. Die meisten Reality-Formate leben davon, dass die Grenze zwischen Rolle und Person verschwimmt. Dass ein Protagonist diese Grenze so klar benennt, dürfte Produzenten weniger erfreuen als das Publikum.

Die Enthüllung wirft eine strukturelle Frage auf: Wenn der bekannteste Ausraster einer Modeshow geskriptet war, wie steht es dann um vergleichbare Momente in ähnlichen Formaten? Bislang hat sich die Produktionsfirma von „My Style Rocks” zu Glööcklers Aussagen nicht geäußert.

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