Pilsen, 27. August 2026, kurz vor 22 Uhr: Die Doosan Arena tobte, als der eingewechselte Krcik in der 96. Minute zum 5:1 einschoss und damit das Schicksal von Roter Stern Belgrad besiegelte. Was noch zwei Wochen zuvor wie ein sicherer Aufstieg in die Europa League ausgesehen hatte, endete für den serbischen Rekordmeister in einem der spektakulärsten Comebacks der diesjährigen Playoff-Runde.
Marko Arnautovic, der österreichische Stürmer und Hoffnungsträger von Roter Stern, stand dabei als Sinnbild einer Mannschaft, die in der entscheidenden Stunde versagte — verwarnt, ausgewechselt, ausgeschieden. Wie konnte ein Team, das das Hinspiel mit 3:0 gewonnen hatte, so tief fallen?
Das Hinspiel-Polster von 3:0 schmolz in 96 Minuten dahin
Roter Stern reiste mit einem komfortablen 3:0-Vorsprung aus dem Hinspiel nach Pilsen. Die Rechnung schien einfach: Ein Remis würde reichen, selbst eine knappe Niederlage wäre zu verkraften. Doch Viktoria Pilsen hatte andere Pläne.
Bereits in der 8. Minute traf Adu zur frühen Führung der Gastgeber. Die Freude hielt exakt drei Minuten — Ivanic glich in der 11. Minute für die Serben aus und stellte damit den alten Abstand auf Aufstiegskurs wieder her. Bis zur Halbzeit blieb es beim 1:1 im Rückspiel, was Roter Stern komfortabel weiter vorne sah.
Rote Karte und Elfmeter: Die Wende nach der Pause
Die zweite Halbzeit brachte die dramatische Kehrtwende. In der 51. Minute bekam Pilsen einen Elfmeter zugesprochen — doch Adu scheiterte bei seiner Chance auf den zweiten Treffer. Kurz darauf verschlechterte sich die Lage für Belgrad massiv: Bukari sah die Rote Karte und musste das Feld vorzeitig verlassen.
In Überzahl schlug Pilsen eiskalt zu. Višinský verwandelte in der 58. Minute einen weiteren Elfmeter zum 2:1. Hrošovský legte das 3:1 nach und brachte die Tschechen damit auf Kurs Richtung Verlängerung. Arnautovic sah in dieser turbulenten Phase die Gelbe Karte und wurde kurz darauf ausgewechselt — ein früher Abgang für den Mann, auf den Roter Stern so viel gesetzt hatte.
Das 4:1 in der Nachspielzeit erzwang die Verlängerung
Was folgte, grenzte ans Unglaubliche. Kabongo traf in der 95. Minute per Elfmeter zum 4:1 — damit stand es im Gesamtscore 4:4, und die Begegnung musste in die Verlängerung. Ein Ergebnis, das noch Minuten zuvor kaum jemand für möglich gehalten hatte.
Roter Stern, mittlerweile demoralisiert und dezimiert, fand in der Verlängerung keine Antwort mehr. Muhammed Cham wurde in der 95. Minute der Verlängerung ausgewechselt, nur eine Minute später traf der eingewechselte Krcik zum 5:1 und setzte damit den Schlusspunkt unter einen historischen Abend für den tschechischen Fußball.
Arnautovic und Cham: Weiter nur in der Conference League
Mit einem Gesamtscore von 5:4 vollendete Viktoria Pilsen die Aufholjagd und zog in die Europa League ein — begleitet von Florian Wiegele, der den Klub durch diese Qualifikationsphase führte. Für Roter Stern Belgrad hingegen ist die Europa League in dieser Saison kein Thema mehr.
Marko Arnautovic und sein Teamkollege Muhammed Cham werden mit dem serbischen Traditionsklub in der UEFA Conference League antreten. Es ist eine deutliche Abstufung gegenüber dem ursprünglichen Ziel — und ein bitteres Ende einer Woche, in der Belgrad zunächst als klarer Favorit gegolten hatte.
Pilsens Comeback als Warnung für alle Europa-League-Playoff-Teilnehmer
Was Viktoria Pilsen am Abend des 27. August 2026 leistete, reiht sich in eine Serie bemerkenswerter tschechischer Europapokal-Auftritte ein. Der Klub zeigte, dass ein 0:3-Rückstand aus dem Hinspiel kein Todesurteil sein muss — vorausgesetzt, man trifft auf einen Gegner, der in der Rückspieltaktik nachlässt.
- 8. Minute: Adu trifft zur 1:0-Führung für Pilsen
- 11. Minute: Ivanic gleicht für Roter Stern zum 1:1 aus
- 58. Minute: Višinský per Elfmeter zum 2:1 für Pilsen
- Kurz danach: Hrošovský erhöht auf 3:1
- 95. Minute: Kabongo per Elfmeter zum 4:1 — Verlängerung erzwungen
- 96. Minute der Verlängerung: Krcik trifft zum 5:1-Endstand
Laut der UEFA-Playoff-Übersicht war es erst das zweite Mal in dieser Qualifikationsphase, dass ein Team nach einem 0:3-Hinspielrückstand noch in die Gruppenphase eines europäischen Wettbewerbs einzog. Roter Stern muss sich nun neu sortieren — die Conference League beginnt früher als geplant.



