Seit dem 18. August 2026 kursiert in Tech-Kreisen ein Gerücht, das alte Debatten neu entfacht: Apple soll angeblich intern mit einem runden Uhrengehäuse experimentieren. Wer an diesem Montag durch einschlägige Foren scrollte, stieß auf aufgeregte Spekulationen – und auf die unvermeidliche Frage, ob der Konzern aus Cupertino endlich Konkurrenzprodukten wie der Samsung Galaxy Watch nacheifern will.
Doch während die Gerüchteküche brodelt, sprechen handfeste technische und strategische Argumente gegen einen solchen Schritt. Die Frage ist nicht, ob Apple ein rundes Gehäuse herstellen könnte – sondern warum das Unternehmen es sich schlicht nicht leisten kann, es zu tun.
Apple Watch ist kein Uhrendesign: Sie ist ein Minicomputer am Handgelenk
Wer die Apple Watch als modernes Uhrendesign begreift, denkt am Produkt vorbei. Das Gerät ist ein vollwertiger Computer, der zufällig am Handgelenk getragen wird. Und Computer – ob Laptop, Smartphone oder Smart-TV – haben sich weltweit auf rechteckige Displays geeinigt.
Der Grund ist schlicht: Rechtecke passen zur Struktur von Text, Tabellen und Benutzeroberflächen. Ein runder Bildschirm erzwingt Kompromisse bei jeder einzelnen Darstellungsaufgabe.
20 Prozent weniger Displayfläche: Was beim Kreis verloren geht
Laut einem Bericht von Macwelt würde ein Wechsel auf ein rundes Gehäuse die nutzbare Displayfläche um rund 20 Prozent verringern. Das klingt nach einer abstrakten Zahl – hat aber sehr konkrete Folgen.
- Der Akku müsste kleiner ausfallen oder auf andere Komponenten verzichtet werden.
- Die verbauten Gesundheitssensoren – darunter der Pulsmesser und der EKG-Sensor – hätten weniger Platz.
- Die sogenannten Komplikationen, also kleine Widgets in den Ecken des Zifferblatts, würden schlicht wegfallen, weil es keine Ecken mehr gäbe.
- Die digitale Krone an der Gehäuseseite wäre in ihrer bisherigen Form kaum noch sinnvoll integrierbar.
Das sind keine Kleinigkeiten. Die Komplikationen gehören zu den meistgenutzten Funktionen der Apple Watch – sie liefern auf einen Blick Wetterdaten, Schrittzahlen oder Kalendereinträge.
watchOS müsste bei null anfangen: Der Software-Aufwand wäre enorm
Noch gravierender als die Hardware-Einschränkungen sind die Folgen für das Betriebssystem. Das gesamte watchOS ist seit über zehn Jahren auf rechteckige Bildschirme ausgelegt. Ein rundes Display würde bedeuten, das System von Grund auf neu zu entwickeln.
Alle Apple-eigenen Apps – von der Fitness-Anwendung bis zur Nachrichten-App – müssten vollständig überarbeitet werden. Hinzu kämen sämtliche Drittanbieter-Apps aus dem App Store. Der Aufwand, dieses Ökosystem auf eine neue Geometrie umzustellen, wäre nach Einschätzung von Fachleuten so groß, dass Apple ihn schlicht nicht betreiben wird.
Erkennbarkeit als Markenstrategie: Das Rechteck ist Apples stärkste Waffe
Die Apple Watch ist auf den ersten Blick als Apple-Produkt erkennbar. Das charakteristische Rechteck mit der markanten digitalen Krone ist weltweit ein visuelles Markenzeichen. Diesen Status hat Apple in mehr als einem Jahrzehnt aufgebaut.
Eine runde Smartwatch würde in der Masse generischer Konkurrenzprodukte verschwinden. Garmin, Samsung und zahlreiche chinesische Hersteller bieten längst runde Gehäuse an. Apple würde in einem Segment konkurrieren, das es nicht erfunden hat – und dabei seinen Wiedererkennungswert riskieren. Das ist ein Risiko, das der Konzern erfahrungsgemäß meidet.
Was Apple stattdessen plant: Ein Fitness-Tracker ohne Display
Während das runde Design als unrealistisch gilt, verfolgt Apple offenbar einen anderen Weg. Berichten zufolge arbeitet das Unternehmen an einem Fitness-Tracker ohne Display – einem Gerät, das Gesundheitsdaten erfasst, ohne überhaupt einen Bildschirm zu benötigen. Das wäre eine echte Produkterweiterung, keine kosmetische Umgestaltung.
Gleichzeitig deuten Gerüchte darauf hin, dass die Apple Watch 2027 zwar einen neuen Look erhalten soll – gemeint ist aber ein überarbeitetes Gehäuse innerhalb der bekannten rechteckigen Formensprache, nicht ein Bruch damit. Apple erweitert seine Produktfamilie lieber in neue Kategorien, als sein Flaggschiff-Produkt grundlegend umzubauen.
Ob Apple die runde Form irgendwann doch für ein Nischengerät aufgreift, bleibt offen – die technischen und wirtschaftlichen Hürden, die gegen eine runde Hauptlinie der Apple Watch sprechen, dürften sich in absehbarer Zeit nicht auflösen.



