Last Soul Ultra 2026: Ello gibt nach 630 km und 94 Runden auf — Dowdle siegt

Dienstagvormittag, irgendwo auf einer 6,706 Kilometer langen Runde in Deutschland. Zwei Männer noch. Alle anderen längst draußen. Ayyoub “Ello” El Osrouti und der US-Amerikaner Mark Dowdle laufen seit Freitag — laufen, essen, ein paar Minuten hinlegen, und wieder laufen. Seit fast vier vollen Tagen ohne echten Schlaf.

Dann ist es vorbei. El Osrouti tritt nach Runde 94 nicht mehr an. Hinter ihm liegen rund 630 Kilometer — die Distanz von fast 15 Marathons. Und trotzdem reicht es nicht für den Sieg. Die Frage ist: Wie kommt man überhaupt so weit, und warum scheitert man dann trotzdem?

Backyard Ultra: Das Prinzip, das jeden irgendwann bricht

Das Format nennt sich “Backyard Ultra” und funktioniert nach einer denkbar simplen Regel: Zu jeder vollen Stunde starten alle verbliebenen Läufer gemeinsam in eine neue Runde von exakt 6,706 Kilometern. Wer schnell ist, hat ein paar Minuten zum Essen oder Hinlegen. Wer 55 Minuten braucht, hat kaum Zeit zum Durchatmen.

Wer die Runde nicht rechtzeitig beendet oder nicht zum nächsten Start erscheint, scheidet aus. Eine klassische Ziellinie gibt es nicht. Das Rennen endet erst, wenn nur noch ein einziger Läufer übrig ist — der dann noch eine allerletzte Runde alleine absolvieren muss, bevor er offiziell als Sieger gilt.

Was in den ersten Stunden fast machbar klingt, wird nach zwei, drei Tagen zum Kampf gegen Schlafentzug, Muskelversagen und den eigenen Verstand.

94 Runden: Was El Osroutis Leistung bedeutet

Ayyoub “Ello” El Osrouti stand beim “Last Soul Ultra 2026” 94 Stunden auf der Strecke. 94 Runden, rund 630 Kilometer — das entspricht der Strecke von Wien nach München und wieder zurück. Zum Vergleich: Ein einzelner Marathon misst 42,195 Kilometer. El Osrouti lief die Distanz von nahezu 15 Marathons am Stück.

Dennoch reichte das nicht. Denn Mark Dowdle hielt ebenfalls durch — Runde für Runde, Stunde für Stunde. Erst als El Osrouti nach Runde 94 aufgab, war die Entscheidung gefallen. Dowdle ist damit die letzte verbliebene “Seele” — der Sieger des “Last Soul Ultra 2026”.

Mark Dowdle: Warum der 29-jährige Amerikaner kein Unbekannter war

Der US-Amerikaner aus Minnesota gilt schon länger als einer der stärksten Backyard-Ultra-Läufer der Welt. Erst im April 2026 gewann Dowdle den “Go One More Ultra” in Texas mit 73 Runden. Ursprünglich kommt der 29-Jährige aus dem College-Football und Lacrosse, fand aber später zum Ultralaufen — und entwickelte sich dort rasend schnell.

Mit seinem Sieg in Deutschland hat er seine bisherige persönliche Backyard-Bestmarke deutlich übertroffen. Auch Ellos eigener Rekord von 2025 — damals 67 Runden — war diesmal nicht einmal annähernd Siegermaß.

Ellos bittere Bilanz: Zweimal Finale, zweimal kein Sieg

Für Ayyoub El Osrouti ist das Ende des “Last Soul Ultra 2026” besonders schmerzhaft. Bereits bei der Premiere 2025 war “Ello” einer der letzten beiden Läufer. Sein damaliger Gegner: Kim Gottwald, der YouTuber und Mitorganisator des Events. Beide durchstanden unglaubliche 67 Runden und je rund 449 Kilometer — bis El Osrouti wegen Problemen an der Achillessehne aufgeben musste.

Nun kehrte er zurück. Diesmal schaffte er 27 Runden mehr als im Vorjahr. Stärker, ausdauernder, erfahrener. Und trotzdem wieder nicht genug — weil Dowdle einfach nicht aufhörte.

Kim Gottwald: Vom Sieger zum verletzten Gastgeber

Kim Gottwald, 23 Jahre alt, ist der deutsche Lauf-YouTuber, der das “Last Soul Ultra” im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht hat. Bei der Premiere 2025 startete er selbst — und gewann nach 67 Runden und rund 449 Kilometern seinen eigenen Lauf. Eigentlich wollte er auch 2026 an den Start gehen.

Doch beim “Go One More Ultra” in Texas im April zog er sich eine Haarfraktur im rechten Fuß zu. Ausgerechnet dort traf er übrigens bereits auf Dowdle, den späteren Sieger. Gottwald selbst musste das Rennen in Texas nach 58 Runden und rund 389 Kilometern beenden. Beim eigenen Event in Deutschland blieb ihm diesmal nur die Rolle des Gastgebers — er begleitete das Geschehen über den Livestream.

Gottwalds Rekord pulverisiert: Das Niveau von 2026 ist eine andere Dimension

Was die Leistungen dieses Jahres besonders eindrücklich macht, zeigt ein einfacher Vergleich. 2025 reichten Gottwald 67 Runden zum Sieg. 2026 wäre er damit nicht einmal unter die letzten Vier gekommen. Hendrik Boury absolvierte in diesem Jahr 68 Runden, Norman Mascher-Aspensjö kam auf 80 Runden — und schied erst danach aus.

Auch bei den Frauen fiel ein Rekord: Caroline Maria Bolte absolvierte bei ihrem ersten Backyard Ultra 52 Runden und rund 349 Kilometer — eine neue deutsche Frauen-Bestmarke. Das Rennen, das Gottwald 2025 nach 67 Stunden gewann, dauerte 2026 mehr als einen kompletten Tag länger.

Ob El Osrouti im dritten Jahr einen dritten Anlauf wagt, ließ er nach seinem Ausscheiden offen.

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