F1-Fahrerdinner Spielberg: Warum Alexander Wurz ohne ORF-Auftrag am Tisch saß

Donnerstagabend, Fahrerlager des Red Bull Rings in Spielberg: Während draußen die Sommerhitze der Steiermark noch in den Asphalt drückte, saßen drinnen im Motorhome der Formel 1 alle Piloten der Königsklasse gemeinsam beim Abendessen. Angerichtet hatte das Formel-1-Boss Stefano Domenicali — zum zweiten Mal in Folge vor dem Österreich-Grand-Prix.

Was sich zunächst wie ein unverbindlicher geselliger Abend liest, hat einen bemerkenswerten Nebenbeiaspekt: Unter den Gästen befand sich auch ein Österreicher, der an diesem Wochenende eigentlich keine Sendeaufgabe hat — und dessen Anwesenheit dennoch alles andere als zufällig war.

Domenicali lädt zum Dinner: Spielberg wird zur zweiten Tradition neben dem Saisonfinale

Üblicherweise treffen sich alle Fahrer erst gegen Ende der Saison zu einem gemeinsamen Abendessen — inklusive obligatorischem Gruppenfoto. Doch Spielberg scheint sich als zweiter fixer Termin für dieses Format zu etablieren. Bereits im Vorjahr hatte Domenicali die Piloten ins Motorhome der Formel 1 im Fahrerlager des Red Bull Rings eingeladen, heuer wiederholte er die Geste.

Die gemütliche Atmosphäre der Obersteiermark, das überschaubare Fahrerlager, die vergleichsweise familiäre Stimmung beim Österreich-Grand-Prix — all das dürfte dazu beitragen, dass dieser Abend inzwischen mehr ist als eine spontane Initiative.

Alexander Wurz beim Fahrerdinner: Die Rolle des ORF-Experten als GPDA-Chef

Der bekannteste Österreicher am Tisch war Alexander Wurz. Der frühere Formel-1-Pilot und langjährige ORF-Experte hatte in Spielberg diesmal keinen Einsatz beim öffentlich-rechtlichen Sender — die Übertragungsrechte für das Österreich-Rennen 2026 liegen bei ServusTV. Dennoch war Wurz selbstverständlich vor Ort.

Der Grund: Wurz ist Vorsitzender der Fahrergewerkschaft GPDA (Grand Prix Drivers’ Association) und in dieser Funktion ein fester Bestandteil des Fahrerlager-Lebens, unabhängig von Sendetagen. Seine Teilnahme am Dinner war damit keine Ausnahme, sondern Ausdruck seines offiziellen Amtes.

Antonelli 20 Minuten zu spät, Verstappen und Russell ohnehin ein heikles Thema

Nicht alle Piloten erschienen pünktlich. Ein kurzes Video, das die Formel 1 selbst in sozialen Netzwerken veröffentlichte, zeigte, dass Andrea Kimi Antonelli — aktuell WM-Führender — stolze 20 Minuten zu spät zum gemeinsamen Dinner eintraf. Für den jungen Mercedes-Fahrer war es ein Abend unter besonderem Druck: Am nächsten Tag dominierte er das zweite freie Training in Spielberg.

Was am Donnerstagabend tatsächlich gesprochen wurde, ist nicht bekannt. Das Verhältnis der Piloten untereinander ist bekanntlich vielschichtig. Einige verstehen sich gut, manche sind befreundet. Andere pflegen eine deutlich kühlere Beziehung — als Paradebeispiel gilt seit Monaten das angespannte Verhältnis zwischen Red-Bull-Star Max Verstappen und Mercedes-Pilot George Russell.

ServusTV überträgt, der ORF pausiert — doch Wurz bleibt präsent

Die Aufteilung der Formel-1-Übertragungsrechte in Österreich sorgt dafür, dass sich ORF und ServusTV — beide zur Red-Bull-Medienwelt gehörend beziehungsweise im öffentlich-rechtlichen Fall eigenständig — die Rennen aufteilen. Wenn ServusTV sendet, ist Wurz als ORF-Kommentator außen vor.

Doch der 50-jährige Niederösterreicher, der zwischen 1997 und 2007 selbst 69 Formel-1-Rennen bestritt, ist in seiner GPDA-Funktion eine Konstante im Paddock — unabhängig davon, wer die Kameras betreibt. Die Fahrergewerkschaft vertritt die Interessen der Piloten gegenüber dem Automobil-Weltverband FIA und den Teamchefs, und ihr Vorsitzender ist beim Dinner des Formel-1-Bosses naturgemäß kein Gast, sondern ein Gesprächspartner.

Was nach dem Dinner kommt: Grand Prix von Österreich im Zeichen von Antonelli und Verstappen

Das gesellige Beisammensein vom Donnerstag ist längst Geschichte — das eigentliche Wochenende hat begonnen. Antonelli setzte sich im zweiten freien Training an die Spitze, Verstappen erlebte einen schwierigen Auftakt und blieb im ersten Training in der Boxengasse stehen. Mercedes zeigte sich in Spielberg in starker Form.

Ob das Fahrerdinner in der Steiermark langfristig zu einem fixen Termin im Formel-1-Kalender wird, hängt letztlich von Domenicali ab — der Formel-1-Chef hat bislang keine offizielle Ankündigung gemacht, ob das Format im nächsten Jahr fortgeführt wird.

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