Fingerabdruck-App Wien: Wie 1.300 Scans am Westbahnhof einen 20 Jahre Gesuchten zu Fall brachten

Am Wiener Westbahnhof, einem der verkehrsreichsten Knotenpunkte der Bundeshauptstadt, stellte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) am 26. Juni 2026 gemeinsam mit Bundeskriminalamtsdirektor Andreas Holzer und dem Wiener Landespolizeivizepräsidenten Dieter Csefan ein neues Smartphone-System vor. Kein Gerät, das in eine Tasche passt und schnell vergessen wird — sondern eines, das bereits in den ersten Monaten des Probebetriebs drei Festnahmen ausgelöst hat.

Die neue App erlaubt Polizisten, Fingerabdrücke direkt auf der Straße, kontaktlos und binnen Sekunden mit Fahndungsdatenbanken abzugleichen. Dass das System funktioniert, zeigte sich noch am selben Tag: Ein Kroate, der seit 20 Jahren mit einem EU-Haftbefehl wegen Betrugs- und Fälschungsdelikten gesucht worden war, ging bei einer Schwerpunktkontrolle ins Netz — ebenso zwei gesuchte Drogenhändler.

Die neue Fingerabdruck-App: Was das System am Handy kann

Die Anwendung scannt Fingerabdrücke direkt vor Ort und gleicht sie in Echtzeit mit gespeicherten Daten ab. Damit sollen Beamte bei Schwerpunktkontrollen schneller feststellen, ob eine Person gesucht wird, illegal im Land aufhältig ist oder unter falscher Identität auftritt. Das Österreichische Innenministerium spricht von einem System zur kontaktlosen Identitätsfeststellung.

“Durch den Einsatz des neuen Fingerabdrucksystems setzen wir nicht nur einen Meilenstein in der Fahndungstechnik, sondern erhöhen den Druck bei der Suche nach Kriminellen”, sagte Innenminister Gerhard Karner, ÖVP, bei der Präsentation am Westbahnhof.

600 Beamte im Probebetrieb: So wurde das System seit Herbst 2025 getestet

Seit Herbst 2025 läuft der Probebetrieb. Rund 600 Polizisten aus Wien, Niederösterreich, der Steiermark, Tirol sowie aus dem Bundeskriminalamt haben die App seither im Einsatz erprobt. Bis zur offiziellen Präsentation wurden dabei bereits mehr als 1.300 Scans durchgeführt.

Die Einsatzbereiche sind klar definiert: fremdenpolizeiliche Schwerpunktaktionen, Kontrollen an wichtigen Verkehrsknotenpunkten und Planquadrate in der Bundeshauptstadt. Allein in Wien wurden seit Jahresbeginn rund 250 fremdenpolizeiliche Planquadrate durchgeführt.

Westbahnhof-Festnahmen: Ein 20 Jahre gesuchter Betrüger und zwei Dealer

Die Bilanz des Probebetriebs ist konkret. Laut Österreichischem Innenministerium führten die 1.300 Scans zu mehreren Festnahmen sowie zur Identifizierung illegal aufhältiger Personen und gesuchter Straftäter. Die drei bemerkenswertesten Fälle:

  • Ein kroatischer Staatsbürger, seit 20 Jahren mit EU-Haftbefehl wegen Betrugs- und Fälschungsdelikten gesucht, wurde bei einer Kontrolle identifiziert und festgenommen.
  • Zwei gesuchte Drogenhändler wurden durch den mobilen Fingerabdruck-Scan erkannt und der Polizei zugeführt.
  • Darüber hinaus konnten mehrere illegal aufhältige Personen identifiziert werden, die ohne das System unerkannt geblieben wären.

Für die Beamten vor Ort bedeutet das einen entscheidenden Vorteil: Wer kein gültiges Dokument vorweist oder eine falsche Identität angibt, kann nun direkt am Einsatzort überprüft werden — ohne Umwege über die Dienststelle.

Illegale Einreisen rückläufig: Was die Zahlen des Innenministeriums zeigen

Der Einsatz der neuen Technik fällt in eine Phase, in der das Innenministerium eine deutlich gesunkene Zahl aufgegriffener Personen nach illegaler Einreise verzeichnet. In der Woche vom 10. bis 16. Oktober 2022 wurden allein im Burgenland noch rund 3.700 Menschen nach einer illegalen Grenzüberquerung aufgegriffen. In der Vergleichswoche zuletzt waren es österreichweit nur noch 11 Personen.

Der mobile Fingerabdruck-Scan ist dabei ein Baustein unter mehreren — kombiniert mit verstärkten Schwerpunktkontrollen, die regelmäßig an Bahnhöfen, Grenzübergängen und anderen frequentierten Orten stattfinden.

Weltweiter Vorreiter: Bundeskriminalamt präsentiert App im Juli bei den Vereinten Nationen

Nach Angaben des Österreichischen Innenministeriums zählt Österreich zu den ersten Ländern weltweit, deren Polizei eine solche App im regulären Streifendienst nutzt. Das ist eine Aussage, die international offenbar Gehör findet: Bundeskriminalamtsdirektor Andreas Holzer wird die Anwendung Anfang Juli 2026 bei einer Konferenz der Vereinten Nationen in New York präsentieren.

Nach dem Abschluss des Probebetriebs soll die Technik künftig bei noch mehr Polizeikontrollen zum Einsatz kommen — ein konkreter Zeitplan für den flächendeckenden Rollout steht zum Zeitpunkt der Präsentation noch aus.

Ob und wann die App auf alle Landespolizeidirektionen ausgerollt wird und welche rechtlichen Rahmenbedingungen dabei noch zu klären sind, bleibt eine der offenen Fragen, die das Innenministerium in den kommenden Wochen beantworten muss.

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